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Abstimmen im Ausmal-Wettbewerb

Nun wird bei Erwachsenen zum Renner, was bisher eine Beschäftigung für Kinder war: das Ausmalen von Vorlagen. Seit einiger Zeit legt der Verkauf von entsprechenden Büchern und Farbstiften zu. Drei Fans erklären ihre Passion – im Wettbewerb konnten auch Sie mit einer Vorlage von Christiane Bethge mitmachen. Wählen Sie jetzt Ihre Favoriten!

DER AUSMAL-WETTBEWERB
Einige LeserInnen malten so begeistert wie gekonnt aus und haben uns Bilder nach den drei im Migros-Magazin gedruckten Vorlagen zukommen lassen. Hier können Sie ab 18. Januar für Ihre Favoriten voten. Wir bedanken uns für die zur Verfügung gestellten Werke (aus Gründen der Gleichbehandlung zeigen wir von allen eines – die meisten haben eines eingeschickt) und das Mitmachen!

  • Upload bis 17.01.2017
  • Abstimmung vom 18.01.2017 bis 12.02.2017
  • Sieger ab 13.02.2017

Im Wettbewerb werden keine Preise vergeben. Über die Aktion wird keine Korrespondenz geführt.


Kulturpessimisten, Feuilletonisten und Bibliophile sahen im Sommer 2015 die Welt dem Untergang nahe: Nicht etwa Biografien oder Romane standen auf den Bestsellerlisten, sondern Ausmalbücher. Ausmalbücher für Erwachsene. Seither hält sich der Trend hartnäckig – auch in der Schweiz: Sowohl Buch­läden als auch Papeterien haben ihr Angebot an Büchern und Malstiften massiv aufgestockt. Caran d’Ache konnte die Stifteproduktion in den letzten zwölf Monaten um zwanzig Prozent steigern, und sogar in den ­Filialen der Post liegen die Bücher mittlerweile herum.

«Ausmalen ist therapeutisch», sagt Kirstie Egan aus Zürich. Die 26-Jährige ist ein grosser Fan des bunten Trends und bezeichnet ihn als «beruhigend, friedlich und meditativ». In Pittsburg (USA) hat sie ihren Bachelor in Kunst gemacht. «Aber wenn ich selber zeichne, ist das sehr intim. Ich bringe meine Emotionen auf Papier und bin sehr kritisch zu mir selber. Beim Ausmalen ist man total frei und muss sich bloss für eine Farbe entscheiden. Es fliesst einfach.»

Dass Ausmalbücher auch bei künstlerisch weniger begabten Durchschnittsschweizern beliebt sind, ist für Kirstie Egan nicht erstaunlich: «Es gibt viele Erwachsene, die nicht so gut zeichnen können, wie sie gerne wollten. Ausmalen verschafft ihnen dennoch eine künstlerische Befriedigung.»

Die totale Entspannung

Die IV-Rentnerin Pia Wyssmann (61) aus Zuchwil SO hat vor zwei Jahren ihr erstes Ausmalbuch bekommen – ein Geschenk ihrer Tochter. Seither ist sie regelrecht süchtig: «Ich war immer so gestresst. Das Ausmalen hat mir geholfen, etwas ruhiger zu werden. Wenn ich mich damit beschäftige, muss ich an nichts denken.» Aufgrund ihres Weichteilrheumas sei die Qualität der Stifte für sie besonders wichtig: «Mit den billigen kann man drücken, wie man will, die Farbe wird dennoch nicht regelmässig. Ich mag Aquarellstifte auf Tintenbasis.» Auf Facebook fand Wyssmann zur Ausmalbuch-Fangruppe «Stifteholiker». Dort sucht sie mit Gleichgesinnten aus dem deutschsprachigen Raum fieberhaft nach den besten Stiften und Büchern. «Es ist schon fast eine Sucht. Dieses Austüfteln erfüllt mich sehr.»

Für Moises Llerena (41) aus Bern ist das Ausmalen ein Familienritual. «Ich habe drei Kinder zwischen 5 und 13 Jahren. Wir malen mindestens einmal pro Woche zusammen, und sie geniessen das sehr», erzählt er. Er schätze auch den bildenden Charakter des gemeinsamen Hobbys. Im Haushalt Llerena-Furrer stehen inzwischen rund 50 Ausmalbücher. «Sie sind ein Mittel, sich selbst auszudrücken. Die Zeichnungen sind zwar schon da, aber man kann das Stück neu kreieren. Es ist wie eine innere Reise.»

Buchcover von Christiane Bethges «Mein Ausmalbuch für schlaflose Nächte»

Für die Ausmalvorlagen sind Illustratorinnen wie Christiane Bethge (35) zuständig. Die Berlinerin wurde vergangenes Jahr vom Fischer Verlag angefragt, ob sie ein Malbuch zeichnen möchte. Ihr erstes Buch «Schlaflose Nächte» wurde 6700-mal verkauft, bald folgen zwei weitere. «Ich finde es schön, wenn aus meinen Bildern etwas Neues entsteht. Ich mache das Gerüst, und andere vollenden das Werk.»

Ihre Bücher verkauft sie online und in ihrem Laden in Berlin-Friedrichshain. Viele ihrer Kunden schicken ihr die ausgemalten Bilder als Fanpost zurück oder zeigen sie ihr bei einem Besuch im Laden: «Das sind schöne Momente, die manchmal auch eine gewisse Komik beinhalten. Es sind ja oft Leute, die sonst nicht so kreativ sind und nun Feedback wollen. Das ist manchmal etwas schwierig – man will ja höflich sein.» Bis vor Kurzem hatte Bethge noch nie selber ausgemalt und fand das etwas albern. Ein eigener Versuch erwies sich jedoch als «total entspannend».

Das Ausmalbuch «Mein verzauberter Garten» von Johanna Basford

Ein Ende des Ausmaltrends ist nicht in Sicht. Sucht man auf Amazon nach «Coloring Books» findet man rund 180'000 Resultate. Das beliebteste Buch stammt von der schottischen Künstlerin und Illustratorin Johanna Basford und trägt den Namen «Mein verzauberter Garten». Die 33-Jährige ist inzwischen Millionärin. Es hat sich eine eigentliche Subkultur entwickelt: Apps, Ausmalpartys, Foren und Youtube-Channels. Längst findet man nicht nur Bücher mit Blumenmustern oder Mandalas, sondern auch solche mit Schimpfwörtern.

Ausmalen als Hilfeschrei?

Interessant ist auch die Psychologisierung des Trends: «Amerikas Obsession für Ausmalbücher ist ein Hilfeschrei» titelte die Plattform «Quartz.com» letztes Jahr. In den USA haben sich die Verkäufe innerhalb eines Jahres von einer Million auf zwölf Millionen Stück erhöht. Die meisten versprechen «Stressabbau», «Entspannung» und «gute Vibes». Die Autorin des Artikels fragt: Ist Ausmalen ein Ersatz für Burn-out-Prävention? Oder geht es um Beschäftigung?
«Malen ist eine Form der Ablenkung, und im Stressmanagement weiss man, dass es hilfreich sein kann, sich abzulenken», sagte der Psychologe Louis Lewitan gegenüber Stern.de. Allein schon zum Stift zu greifen statt sich virtuell zu beschäftigen, sei heutzutage ein bewusster Akt.

Ob bewusst oder nicht, kreativ oder einem Trend folgend: Eine sinnvollere Beschäftigung als Fernsehen ist Ausmalen allemal. 

AUSSER WETTBEWERB

Hier zeigen wir Ihnen ein paar spezielle Malereien, die ohne unsere Vorlagen auskamen und deshalb nicht ins obige Voting aufgenommen werden konnten:

Das Bild «Father» von Eva Walser

Das Bild «Father» von Eva Walser

Das Truck-Bild von Eva Walser

Das Truck-Bild von Eva Walser.

J. Fröhlich aus Au (Wädenswil, ZH) hat vor dem Ausmalen seine eigene Vorlage erstellt.

J. Fröhlich aus Au (Wädenswil, ZH) hat vor dem Ausmalen seine eigene Vorlage erstellt.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 2
9. Januar 2017

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5 Kommentare

Gabriela Roesl

Geschrieben vor
5 Tagen, 5 Stunden

Ausmalen, die Welt und alles Schreckliche um sich vergessen, eins werden, mit den Farben und dem Motiv.

Jana Schaad [Gast]

Geschrieben vor
1 Woche, 1 Tag

Entspannung für Gross und Klein. Die Bücher entdeckte ich letztes Jahr als ich die Wartezeit aufs dritte Kind verkürzen wollte ;-) Aus einem Ausmalbuch wurden bald mehrere, da sich mein Mann und auch die Jungs mit dem Ausmalvirus ansteckten.

Regina Freitag [Gast]

Geschrieben vor
1 Woche, 2 Tagen

Ich habe mir ein ganz normales Kindermalbuch gekauft. Macht Spass und entspannt so schön!

 

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