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Kennen Sie die Familie Hauser?

Ich muss Sie das jetzt fragen. Nicht, dass Sie bereits eng miteinander befreundet sind und ich hier einen Roman schreibe. Wenn Sie Hausers aber nicht kennen, dann empfehle ich Ihnen dringend, das zu ändern.

Hausers sind einfach der Hammer. Da wäre die immer gut frisierte Mutter Hauser, ihre entzückenden Töchter Lena (ungefähr 6) und Anna (schätzungsweise 3). Zur Familie gehören ausserdem Papa Hauser und diverse Haustiere. (Obwohl ich mir bei den Viechern nicht ganz sicher bin, da müsste ich meine Töchter fragen.) Hausers sind Playmobil-Männchen, die seit zirka zwei Jahren auf Youtube Abenteuer erleben. Sie brechen sich ein Bein, sie besuchen die Kita, sie schippern auf der «Aida» durchs Mittelmeer, sie feiern Kindergeburtstag. Alle Einstellungen werden von Hand gemacht, Hausers ruckeln durchs Bild, sprechen mit süddeutschem Akzent und benützen ausschliesslich Playmobil-Requisiten.

Keine Ahnung, ob man das Wort heute noch verwendet, aber ich finde die ganze Nummer oberaffengeil. Die Hauser-Filmchen sind so old-fashioned, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Als die Hauser-Kids neulich beispielsweise die wilden Blattern hatten, haben die Macher des Videos nachträglich rote Pünktli in die Gesichter der Plastikfigürchen gezaubert. Ein geradezu waghalsiger Special Effect.

Meine Kinder sind jeweils live dabei, wenn sich Lena den Zeh anschlägt oder Anna Ostereier sucht. Ich muss gestehen, ich gucke auch gerne mit (aber natürlich nur, wenn bei Arte nix Gescheites kommt). Vielleicht, weil die Storys so authentisch sind? Weil es bei uns daheim genauso abgeht wie bei Hausers?
Neulich hatte die Playmobil-Familie beispielsweise den Elektriker im Haus. Der machte zwar ein wenig am Sicherungskasten rum, aber kaum war er weg, ging ein Teil der Lampen nicht mehr an. Frau Hauser telefonierte dem Handwerker hinterher. Er kam einige Tage später erneut. Nun ging das Licht zwar wieder, dafür war kein Saft mehr auf den Steckdosen. Köstlich!

Besonders mag ich auch die Folge, in der die vier Plastikmännchen in die Schweiz reisen (Link). Sie kehren dort in einer bayerischen Almhütte ein (Playmobil hat keine Schweizer Chalets im Programm, aber der gute Wille zählt) und werden von einer Schwiizertüütsch sprechenden Oktoberfest-Servierdüse im Dirndl empfangen.

Im ersten Moment dachte ich: Wow, die Macher von «Familie Hauser» haben scheinbar sogar eine Eingeborene engagiert, um die Schweiz-Episode zu drehen. Dann habe ich aber herausgefunden, dass die Serie von einer echten Familie produziert wird, die doch tatsächlich am Bodensee lebt. Die mussten quasi nur eine Schweizer Freundin bitten, die drei entscheidenden Sätze ins Mikro zu sprechen. Ja, Sie haben es richtig verstanden. Hausers sind irgendwie real. Es gibt Mutter, Vater und zwei Töchter. Die vier produzieren und synchronisieren alles selbst. Aus einem ersten Video, das mehr als Gag gedacht war, wurde diese gigantische Hauser-Bewegung, die nun Jung und Alt rund um den Globus begeistert.

Das meistgeklickte Filmchen, in dem Lena in eine Glasscherbe tritt und verarztet werden muss, hat bisher fast siebeneinhalb Millionen Klicks. Und da auch holländische, italienische oder amerikanische Kinder auf Hausers stehen, gibt es mittlerweile synchronisierte Fassungen von «Familie Huizer» , «La Familia Hauser», «Histoires de la famille Hauser», «The Hauser Family», «Hauser Ailesi» (türkisch), «Rodzina Hauserow» (polnisch) oder «عائلة عمر» (arabisch?).

Playmobil hat sehr schnell kapiert, dass Hausers das Potenzial zu Stars haben. Seit wenigen Wochen können echte Fans das «Familie Hauser Päckchen» mit den vier Originalfiguren ( Bestellnummer 6530) erwerben.
Dooferweise ist das Set immer mal wieder ausverkauft und muss nachproduziert werden, weil alle auf die vier vom Bodensee stehen. Ich muss gestehen: Mir würde die Packung mit der Nummer 6530 auch gefallen. Also nur für den Fall, dass jemand von Playmobil das hier liest.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 12
20. März 2017

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Die Kolumnistin

Bettina Leinenbach

Bettina Leinenbach (40) ist Journalistin und zweifache Mutter.

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1 Kommentar

Christina Keller

Geschrieben am
19. März 2017

Ich habe mich köstlich amüsiert über die Videos! Ob das meine Enkel als Abwechslung zu Pokemon auch mögen?

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