Content: Home

Valentinstag? Durchatmen!

Kaum betritt man an Valentinstag einen Laden, wird man von der ganzen Ladung Rosen, Schokoladenherzen, Kitschgeschenke, Poesiekarten und Billigparfums schier erschlagen. Für Singles ist das ja immer so eine Sache: Werbematerial für eine Party, zu der man nicht eingeladen ist.

In amerikanischen Romantic-Comedy-Filmen wird die Singlefrau oft als wandelndes Klischee dargestellt: Sie sitzt mit einem Glacebecher vor dem Fernseher, trinkt allein Rotwein, trauert Verflossenen nach und streichelt dabei ein Rudel Katzen. Ein Happy End gibt es nur dann, wenn sie doch noch jemanden abkriegt. Die Botschaft ist klar: bloss nicht allein sein!

Im echten Leben treibt diese Devise mitunter schräge Blüten. Ganze Heerscharen von Frauengruppen treffen sich am Valentinstag auf «ladies nights». Bei Prosecco und Maniküre verkünden sie, dass ihre Freundinnen ohnehin besser seien als jeder Mann. Und dass man sich eine Prinzessin wie sie eben zuerst verdienen müsse. Auf Facebook schreiben sie scherzhafte Sprüche wie «Ich führe eine Beziehung mit meiner Fernbedienung!» Dazu schwärmen sie von ihrer Freiheit, als ob eine Partnerschaft gleich bedeutend mit einer Gefangenschaft wäre.

Mädels, ihr habt das nicht nötig. Ihr müsst euch auch nicht als Single kategorisieren lassen. Ihr braucht keine feste Beziehung, um nicht allein zu sein. Und selbst wenn ihr noch ungeküsst oder seit hundert Jahren ohne Freund seid, müsst ihr euch nicht rechtfertigen. Und falls ihr euch doch mal dabei ertappt, wie der Anblick eines Paares etwas Eifersucht weckt, ist das auch kein Welt­untergang, sondern menschlich. 

 

Erschienen in MM-Ausgabe 7
13. Februar 2017

Text
  Mag ich   Kommentare  1

 Drucken  E-Mail

Die Autorin

Anne-Sophie Keller

Eine starke Stimme für die junge Generation: Anne-Sophie Keller berichtet jede Woche über Ereignisse, die ihr wichtig sind.

Zum Porträt

Die beliebtesten Artikel der Rubrik

 


Kommentar verfassen


1 Kommentar

Hansjörg Menzi [Gast]

Geschrieben vor
1 Woche, 2 Tagen

Ja, Frau Keller, da bin ich mit Ihnen voll einverstanden. Es ist sowieso etwas problematisch und nicht gerade im Sinne der Gleichstellung, wenn für die eine Hälfte der Bevölkerung mindestens 3x pro Jahr Zwangswertschätzungstage (halb)staatlich verordnet werden und für die andere keiner .... um es nicht noch pointierter auszudrücken.

Der Valentinstag ist zudem noch unsympathischer, weil dieser von immer mehr Geschäften benutzt wird, mit psychologischem Gruppendruck ihren Umsatz anzukurbeln. Mein Inbasket ist voll mit Valentinstagwerbung aus den unterschiedlichsten Branchen.

  • Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet