Content: Home

E Bueb mit Name Fritz

Mit Fritz war es immer etwas kompliziert. Denn er hiess wie sein Vater, und der hatte schon wie sein Vater, also Fritzens Grossvater, geheissen: Fritz. Fritz Kaufmann. Wir reden hier von Fritz Kaufmann, dem vierten, der in der vierten Generation einen Gasthof nahe dem Dorf führt, in dem ich aufgewachsen bin. Und wie tauften dieser vierte Fritz und seine Elisabeth nun ihren Ältesten? Fritz. Das wäre dann der fünfte.
Ist im Dorf von ihm, dem Jüngsten, die Rede, ergeben sich Wortwechsel wie dieser: «Weisch, Choufme Fritzens Fridus Fritz, em Fritzli dr Fritz.» – «Jää, wele jetz?» – «Dr Choufme Fritz.» Und wenn dann jemand fragt: «Den Fritzli meinst du?», erhält er zur Antwort: «Nein, den Fritz, dänk!» Weil man den Vater im Dorf selbst im Pensionsalter gern noch Fritzli nennt, besteht der Sohn auf Fritz, ohne -li. Ich hatte Sie ja gewarnt, es werde kompliziert.

Bänz Friedli (51) mischt sich ein. Wir reden nicht von Gotthelfs Zeiten. Sondern von der Gegenwart. Der heutige Wirt, Fritz der Vierte, genannt «Fritzli», wäre scheints gern Pfarrer geworden und nicht Beizer wie sein Vater, Gross- und Urgrossvater. Er habe dann aber doch das «Rössli» übernommen. Nicht, weil er musste. Sondern, weil er als Jüngling sein Flair fürs Wirten entdeckte. Fritz IV. war in der fünften Klasse, als er dank einer neuen Knetmaschine das Züpfebacken entdeckte. Seine Butterzöpfe gelangen auf Anhieb so gut, dass ein Gast ihm als Lob und Preis einen Fünfliber gab. Von da an wollte er nur noch Wirt werden. Und wahrlich, ich sage Ihnen: Seine Züpfesandwiches sind noch heute die feinsten «zäntume».

Bald übernimmt nun Fritz V. den Gasthof. Der lernte zuerst zwar Landmaschinenmechaniker, absolvierte danach aber die Hotelfachschule und ist für die Nachfolge gerüstet. Als ich ihm unlängst begegnete, musste ich die Frage einfach stellen, auch wenn er sie bestimmt längst nicht mehr hören mag. Aber Sie hätten sie auch gestellt, nicht wahr? Ob seine Partnerin und er denn einen allfälligen Sohn … «Nein.» Es werde keinen sechsten Fritz Kaufmann in Folge geben. Der fünfte Fritz verneinte klipp und klar, noch ehe ich die Frage ausformuliert hatte.

Was mich jetzt fast ein wenig schade dünkt. «Wirtshaus zum Rössli, Fritz Kaufmann, seit 1887» – das Schild würde sich doch einfach gut machen! Stattdessen soll dort dereinst der Name Noah Kaufmann zu lesen sein, Liam Kaufmann oder Yannis oder Leon und was der Modenamen mehr sind?! Geht mich überhaupt nichts an, ich weiss. Und vielleicht kommt ohnehin alles anders, und eine Tochter übernimmt die Beiz dereinst in der sechsten Generation … Eine Frieda vielleicht? 

Die aktuelle Bänz-Friedli-Hörkolumne, gelesen vom Autor (MP3)
Abonnieren: Hörkolumnen mit RSS-Client
Website: www.baenzfriedli.ch

 

Erschienen in MM-Ausgabe 7
13. Februar 2017

Text
Bilder
  Mag ich   Kommentare  1

 Drucken  E-Mail

Die beliebtesten Artikel der Rubrik

 


Kommentar verfassen


1 Kommentar

Viktor Hofstetter [Gast]

Geschrieben vor
1 Tag, 15 Stunden

Es ist eine schöne Ergänzung zu dieser schönen Fritz-Kolumne, dass unser grosser Friedrich Dürrenmatt auch Fritz genannt wurde. Dazu eine Geschichte, die mir sein Freund Hugo Lötscher persönlich erzählte. Als die beiden einmal in der Kronenhalle beim Essen diskutierten, sagte Dürrenmatt plötzlich : "Weisch Hugo, i bi än Agnostiker !" Die Antwort von Hugo Lötscher brachte es auf den Punkt : "Fritz, säg das nid s'lut; du glubschäs ja säuber nid !"
Viktor Hofstetter, Dominikaner, Zürich

  • Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet