Content: Home

Das Jahr 2014 in den sozialen Medien

Warum die Jungen Facebook nicht mehr so stark nutzen, sich 2014 aber trotzdem eiskaltes Wasser über den Kopf kippten, erklärt Social-Media-Kenner Konrad Weber.

Konrad Weber, was war 2014 das herrschende Element auf Social Media?

Ellen DeGeneres' Selfie von den Oscars 2014 (Bild: Twitter @TheEllenShow). Ganz klar die Selfies. Das Selfie von der Oscar-Verleihung zum Beispiel ist das am meisten auf Twitter verbreitete Bild überhaupt.

Das Selfie des Bundesrats vom Reisli 2014 (Bild: Twitter @alain_berset). In der Schweiz war das Bild von der Bundesratreise sehr beliebt. Durch Social Media sind die Leute greifbarer geworden. Vor ein paar Jahren wäre es nicht vorstellbar gewesen, dass die Bundesräte einfach zum Spass ein spontanes Foto schiessen. Wir haben 2014 aber auch gesehen, dass Smartphone-Bilder Gefahren bergen. Spätestens seit der Geri-Müller-Affäre wird die Frage nach Privatheit und Öffentlichkeit vermehrt diskutiert.

Konrad Weber, Social-Media-Experte und SRF-Mitarbeiter

Ist die Facebook-Nutzung bei den Jungen eigentlich immer noch rückläufig?

Es ist sicher noch die Plattform, mit der man die meisten Leute er reicht. Allein in der Schweiz gibt es drei Millionen Konten. Vielleicht wird es aber nicht mehr so exzessiv genutzt, zudem hat sich alles auch auf andere Plattformen verteilt. Das Abendessen oder den Sonnenuntergang postet man nicht mehr automatisch auf Facebook, sondern vielleicht auf Instagram oder teilt es per Whatsapp.

Ein lästiger Facebook-Trend war die «Ice-Bucket-Challenge», bei der Menschen sich kübelweise Eiswasser über den Kopf gossen. Wieso haben so viele mitgemacht?

Einerseits war das sicher ein typisches Gafferphänomen: Man schaut zu, wie andere leiden. Zum anderen wäre der Trend sicher nicht so rumgegangen, wenn man nicht seine Freunde hätte weiternominieren müssen.

Das meistgebrauchte Social-Media-Wort 2014?

Das ist wohl der durch die Masseneinwanderungs-Initiative erfundene und durch Ecopop wiederaufgenommene «Dichtestress».

Welches Youtube-Video kam bei den Schweizern gut an?

Das am meisten geschaute Video hat ein Pole gedreht. Es geht um einen als Spinne verkleideten Hund, den «Mutant Giant Spider Dog», der die Leute erschreckt.

Quelle: YouTube

Das Video hatte weltweit 120 Millionen Klicks. Der Erfolg ist relativ einfach erklärbar: Beim Video handelt es sich um einen Scherz, bei dem man erschrickt und trotzdem lacht.

Die Fussball-WM 2014 war bei Google das Trendthema. Was wird nächstes Jahr für virale Effekte sorgen?

Ein so grosses Sportereignis wird es 2015 nicht mehr geben. Aber die nationalen Wahlen werden sicher viel Aufmerksamkeit generieren.

Was war 2014 Ihre Lieblingsstory?

Eine konkrete Geschichte fällt mir nicht ein. Mir ist aber aufgefallen, dass Bad News wie die Ukraine-Krise oder Ebola auf Social Media weniger gefragt sind. Die Menschen suchen nach Aufstellern, nach konstruktiven Ansätzen.

Ihr grösster Aufreger?

Die Selfies im Bundeshaus. Da wurde viel hochgekocht, obwohl es nicht relevant ist. Leider verstärken solche Artikel den Vertrauensverlust der Leser in die gesamte Medienbranche.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 1
29. Dezember 2014

Text
  Mag ich   Kommentare  0

 Drucken  E-Mail

Die beliebtesten Artikel der Rubrik

 


Kommentar verfassen


0 Kommentare

  • Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet