21. Januar 2020

Meister ihres Fachs

Schlitteln, Snowboarden und Langlaufen war gestern. Vier Sportler üben spezielle Schneesportarten aus – darunter auch einige, die tatsächlich von gestern sind, wie Holzskilauf – und nehmen regelmässig an Rennen teil.

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Die schnellste Sportart auf dem Eis: Paul Aegerter alias IceXpaul rast mit seinen Schlittschuhen über die Eisbahn. Bild: Jörg Mitter
Die schnellste Sportart auf dem Eis: Paul Aegerter alias IceXpaul (ganz links) rast mit seinen Schlittschuhen über die Eisbahn. (Bild: Jörg Mitter)

Red Bull ice cross

Paul Aegerter (43) aus Zollikerberg ZH

Das ist die erste Saison von Paul Aegerter alias IceXpaul in der Sportart Ice Cross Downhill. Die wichtigsten Fakten zum Sport auf dem Eis:

700 Meter lang ist die eisige Strecke maximal, die Aegerter mit seinen Schlittschuhen hinuntersaust. Auf der Bahn gibt es Schanzen, scharfe Kurven oder Gräben.

4 Fahrer starten gleichzeitig und fahren gegen die Zeit.

49 Kilometer pro Stunde erreichte Aegerter bei einem Rennen. Die höchste gemessene Geschwindigkeit bei einem Fahrer beträgt 82 Kilometer pro Stunde.

7 verschiedene Schutzelemente zieht der Sportler für ein Rennen an: ein Helm, eine Schutzbrille, ein Brustkorb- und Schulterpanzer, Ellenbogenschoner, Handschuhe, gepolsterte Hosen und Beinschoner. «Vor einem Rennen nehme ich mir 20 Minuten Zeit, um meine Schutzausrüstung richtig zu montieren.»

0 schlimme Unfälle hatte Paul Aegerter bis heute. «Natürlich habe ich immer Respekt, bevor ich zum ersten Mal eine Bahn hinunterfahre.» Aber mit der Zeit wisse man, was möglich ist.

43 Jahre alt ist Aegerter, und damit einer der ältesten Fahrer, der an diesen Rennen teilnimmt.

59. wurde der Sportler beim letzten Rennen in Frankreich.

80 Teilnehmer waren am Start.

7–8 Rennen fährt er in diesem Jahr, zwei hat er bereits hinter sich.

2026 finden die übernächsten Olympischen Winterspiele statt. «Ich hoffe, dass Ice Cross Downhill bis dahin olympische Disziplin wird und ich teilnehmen kann.

Schnell durch den Schnee: Daniela Kobel hat das Horischlittenrennen in Meiringen schon zehn Mal gewonnen. Bild: zvg
Schnell durch den Schnee: Daniela Kobel hat das Horischlittenrennen in Meiringen schon zehn Mal gewonnen. (Bild: zVg)

Horischlitten

Daniela Kobel (45) aus Meiringen BE

Was ist der Unterschied zwischen einem normalen und einem Horischlitten, Daniela Kobel?

Der Horischlitten ist viel grösser und breiter als ein normaler Schlitten. Man sitzt da meist zu zweit drauf. Er wurde früher als Arbeitsgerät zum Transportieren von Heu und Holz genutzt.

Seit wann fahren Sie diesen speziellen Schlitten?

Ich habe im Jahr 2003 zum ersten Mal einen Hori gefahren und war begeistert. Dann musste ich aber eine Mitfahrerin finden, um bei den Rennen zu starten. Susanne Sommer konnte ich überzeugen und habe mit ihr die perfekte Partnerin gefunden.

Sie haben das Horischlittenrennen schon zehn Mal gewonnen. Was brauchts dazu?

Es braucht ein bisschen Glück, eine gute Abstimmung im Team und man muss seinen Schlitten gut kennen. Zudem ist es bei den Frauen ein bisschen einfacher, weil weniger teilnehmen als bei den Männern.

Was fahren Sie für einen Schlitten?

Wir haben einen etwa 50-jährigen Schlitten von einem Bauern aus Innertkirchen gekauft. Dafür mussten wir noch Eisenkufen anfertigen und montieren lassen. Mit diesem Schlitten fahren wir jedes Rennen.

Wie viele Rennen fahren Sie im Jahr?

Früher waren es zehn bis zwölf pro Jahr. Heute fahren wir noch vier bis fünf. Meiringen steht aber immer auf dem Programm.

Ein Velo mit Kufen: Stefan Schweizer ist Weltmeister im Velogemel. Bild: Raffael Waldner
Ein Velo mit Kufen: Stefan Schweizer ist Weltmeister im Velogemel. (Bild: Raffael Waldner)

Velogemel

Stefan Schweizer (35) aus Bern

Wenn Stefan Schweizer mit seinen zwei Freunden Peter Messer und Tim Blumenstein bei der Velogemel-WM in Grindelwald BE startet, liegt bereits eine lange Vorbereitung hinter ihnen. «Wir reisen jeweils am Freitag vor dem Start an, um ein Gefühl für die Strecke zu kriegen», erzählt Schweizer. Auf ihrem Programm stehen eine Pistenbesichtigung, eine Testfahrt, Kufen schleifen und lange Diskussionen über das perfekte Wachs für die vorherrschenden Schneeverhältnisse. Denn die dreiköpfige Gruppe hat ein ehrgeiziges Ziel: Die drei wollen mindestens Gruppen-Weltmeister werden.

Der Velogemel ist eine Holzkonstruktion, die aussieht wie ein Velo auf Skiern. Das Gefährt wurde in Grindelwald von einem Pöstler erfunden. Er konnte sich so im Winter mühsame Fussmärsche ersparen. «Ich bekam meinen ersten Gemel von meinem Vater geschenkt, der ihn auf einem Ausflug nach Grindelwald entdeckt hatte», erzählt Schweizer. Da war er zwölf Jahre alt.

Mit seiner Leidenschaft hat er auch seine Freunde angesteckt, und gemeinsam nehmen sie bereits zum zehnten Mal am Rennen teil. «Bereits sechs Mal sind wir Teamweltmeister geworden», sagt Schweizer und freut sich. Im vergangenen Jahr hat er es in der Kategorie Herren zum ersten
Mal auf den ersten Platz geschafft, ein emotionaler Moment für ihn. «Ich hatte eine Scheissfreude!»

Wie in vergangenen Jahren: Werner Imdorf war der Schnellste am letztjährigen Holzskirennen in der Lenk. Bild: zvg
Wie in vergangenen Jahren: Werner Imdorf war der Schnellste am letztjährigen Holzskirennen in der Lenk. (Bild: zVg)

Holzski

Werner Imdorf (82) aus Lenk BE

«Ich stand 1940 als zweieinhalbjähriges Kind zum ersten Mal auf den Skiern. Die waren damals noch aus Holz und hatten einfache Riemenbindungen. Das heisst die Ferse war nicht auf dem Ski befestigt. Das sind genau die Skier, die man am Holzskirennen in der Lenk fährt. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal bei diesem Rennen mitgemacht und gleich die anderen knapp 30 Teilnehmer geschlagen – obwohl ich mit Abstand der älteste Fahrer war. Damit hatte ich niemals gerechnet. Dass ich gewonnen habe, liegt sicher daran, dass ich von klein auf gelernt habe, mit dieser Ausrüstung zu fahren. Vielleicht haben auch die vielen Jahre als Bergführer und Skilehrer geholfen.

Mit Holzskiern ist man viel langsamer unterwegs und nicht so wendig wie mit den heutigen Modellen. Um eine Kurve zu nehmen, braucht man den vollen Körpereinsatz. Dieses Jahr fahre ich beim Rennen wieder mit, aber ich mache mir keine grossen Hoffnungen, meinen Titel zu verteidigen. Ich bin ja in diesem Jahr nicht jünger geworden.»

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