07. Dezember 2018

Martin Steffen ist der Weihnachts-Erleuchter

Zur Adventszeit verwandelt er die Stegmatt in Lyss in ein Lichtermeer von 20 000 Leuchten. Angefangen hat der Brauch vor 36 Jahren mit einer schlichten Lichterkette.

Martin Steffen im Garten
Am liebsten hat er Weihnachtsdekorationen, an denen er selbst herumtüfteln kann: Martin Steffen in seinem leuchtenden Garten. (Bild: Marco Zanoni)
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Martin Steffen besuchte seine Schwester in Kanada und war entzückt ob der bunten Weihnachtsdekorationen. An der heimischen Tanne in Lyss BE sähe das bestimmt auch toll aus, dachte er, und kaufte eine Lichterkette als Souvenir. Heute, 36 Jahre später, ist die Tanne gefällt. Doch in Steffens Garten leuchten seither jedes Jahr zur Weihnachtszeit Lämpchen. Inzwischen über 20 000. Ist Steffen ein Weihnachtsfanatiker? «Sagen wir es so: Ich habe es einfach gern hell. Weil der Dezember so dunkel ist, helfe ich halt etwas nach.»

Zur ersten Lichterkette kam jedes Jahr etwas hinzu. Manchmal nur etwas Kleines, wie ein Leuchtwasserfall über die Hausfassade. Öfter aber grosse Projekte, die viel Zeit kosteten, wie die 60 bemalten Samichläuse aus Holz, die den Betrachter anlachen – aus jeder Gartenecke einer. Auch daran ist eine Kanadareise schuld: Mit seiner Frau Hedy (66) genoss Steffen den «Indian Summer». Sie spazierten durch ein orange leuchtendes Waldstück, als er sich vorstellte, wie es wäre, wenn ein Schwarm Chläuse herauskäme.

Martin Steffens Garten
Martin Steffens Stolz: 60 Samichläuse, 9 Stromkreise, 20 000 Leuchten.

«Weil ich in jenem Jahr 62 wurde, wollte ich 60 Chläuse basteln. Zwei gab es ja schon: meine Frau und mich.» Kaum zu Hause, begann er mit der Arbeit, bereits war es Oktober. Der noch Vollzeit Angestellte verbrachte halbe Nächte in der Garage, erstellte Schablonen, sägelte und bemalte die Chläuse. Ohne seine Frau, sagt er, wäre das nicht möglich gewesen. Auch sie sei ein Kitsch-Liseli, wirke aber eher im Hintergrund mit.

Der Lysser Samichlaus

Steffen nennt seinen Deko-Stil zwar «Freestyle», aber alles kommt ihm nicht in den Garten: Er mag Dinge, die er selbst herstellen kann. Ungern kauft er Fertiges, etwas Tüftelei muss sein. «In meinem Beruf als Sicherheitschef musste ich immer kreative Lösungen finden. Dass schätze ich auch an meinem Hobby.» Der Nebeneffekt: In keinem anderen Garten findet man dasselbe Weihnachtsdeko-Ensemble.

Alles ist exklusiv, wie die 30 schwarzen Röhren, die eigentlich für Wasserleitungen verwendet werden. Steffen zersägte sie, schnitt Sterne heraus und bemalte die Rohre. Doch: «Das Material ist so konzipiert, dass möglichst nichts daran haften bleibt, also auch keine Farbe. Prompt war nach dem ersten Regen alles weg.» Inzwischen leuchten sie aber gelb-schwarz in allen Gartenecken. Aufgeben ist nicht Steffens Ding.

Samichlaus-Ariline
60 Chläuse sind in Steffens Garten verteilt. Doch sie müssen Platz machen: für die Landebahn der «Samichlous-Airline».

Trotzdem musste er auch Ideen begraben: Mit einem Beamer eine Landschaft auf die Garage zu projizieren, wäre mit vernünftigen Mitteln nicht zu finanzieren gewesen. Und weil es Anfang Dezember selten schon schneit, hätte er sich gern eine Schneekanone angeschafft. «Aber das wäre definitiv ein ökologischer Blödsinn.»

Trotz der vielen Lichter ist Steffen nicht verblendet: Er ist sich bewusst, dass sein Hobby Strom frisst. Aber er achtet darauf, den Verbrauch möglichst klein zu halten. Vor zehn Jahren hatte er nur halb so viele Lichter, benötigte aber fünf Mal so viel Strom wie heute: «Als LED-Lämpchen auf den Markt kamen, stellte ich rigoros um. Darum brauche ich heute nur noch etwa drei Kilowattstunden. Das kann ich verantworten.» Ein durchschnittlicher Schweizer Zwei-Personen-Haushalt benötigt pro Jahr 2350 Kilowattstunden.

In erster Linie mache ich meiner Frau und mir eine Freude.

Auch finanzieren kann und will er die Beleuchtung selbst. Eine Kollekte kommt nicht infrage: «In erster Linie mache ich ja meiner Frau und mir eine Freude.» Die Menschen sollen vorbeispazieren und sich an den Lichtern erfreuen. Gleichwohl erhält Steffen Lohn für seine Arbeit: «Es gibt viele Erlebnisse, die ins Herz gehen.» An einem 24. Dezember spielte der Drehorgelmann vor seiner Garage Weihnachtslieder – weil er die Lichter so schön fand. Ein andermal kam eine Grossmutter mit ihren Enkeln vorbei. Die Kinder hatten heisse Marroni bekommen und wollten sie nicht selber essen, sondern dem Samichlaus in Lyss schenken. «Es rührt mich noch heute, dass diese Knöpfe mir die Marroni gebracht haben», sagt Steffen.

Martin Steffen im Garten
Dass er selbst manchmal als Samichlaus bezeichnet wird, stört Martin Steffen nicht: «Ich bin ja wirklich manchmal ein Chlaus.» (Bild: Marco Zanoni)

Spannung – elektrisch und mental

Der ganze Weihnachtszauber wäre unmöglich, wäre Steffen nicht ein guter Planer. Ein Grundriss des Gartens, am Computer erstellt, zeigt, welche Elemente wo platziert werden, welche Lichter an welchem der neun Stromkreise hängen und welche Dekoration in welcher Kiste zu finden ist. Dazu gibts jährlich die grosse Excel-Liste, auf der jede Handlung und die dafür benötigte Zeit eingetragen ist.«Wenn ich kurz vor Schluss vor der ausgefüllten Liste stehe, fühlt sich das unheimlich gut an.» Helfer hat er – neben seiner Frau – nur selten. Zwei Freunde kämen hie und da vorbei, auch Nachbarn seien da, falls mal mehr Hände gebraucht würden.

Stegmatt Lyss leuchtet
Die Stegmatt in Lyss wurde zum Weihnachtsdorf: Inzwischen leuchten sechs Häuser.

Ohnehin ist die Nachbarschaft in der Lysser Stegmatt vom selben Schlag: Inzwischen sind zur Weihnachtszeit sechs Häuser beleuchtet. Abgesprochen würden nur das Ein- und Ausschaltdatum, den Rest behalte man für sich, «so bleibt es eine Überraschung, wenn jemand wieder etwas gebastelt hat». Konkurrenzdenken gebe es nicht. Wenn er sonstwo eine Weihnachtsbeleuchtung sehe, vergleiche er nicht mit der eigenen. «Jeder findet etwas anderes schön. Für mich ist das eine Inspirationsquelle.»

Trotz aller Planung: Einen Endspurt gebe es immer, damit am Samstag vor dem ersten Advent um 17 Uhr sämtliche Lichter angehen. Eine gewisse Spannung sei dann immer vorhanden: «Duets oder duets nid?» Manchmal mache er Fehler beim Stellen der neun Zeitschaltuhren. «Aber dass nichts geleuchtet hat, das gabs noch nie.»

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