30. Oktober 2017

Selbständige müssen die Berg-und-Tal-Fahrt lieben

Céline Bardy ist seit zwölf Jahren selbständige Choreografin, Pilatesinstruktorin und Tanzlehrerin. Was sie als herausfordernd empfindet und was sie besonders liebt am Selbständigsein, erzählt sie im Interview.

Turbo Achterbahn
Als Selbständige gehts mal hoch, mal runter. Dessen muss man sich laut Céline Bardy bewusst sein, wenn man sich aufs Abenteuer Selbständigkeit einlässt.
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Letzte Woche habe ich mit Arbela über Tolles und weniger Tolles am Selbständigsein geplappert. Sie schwärmte und verriet: «Ich brenne für mein Baby.» Ihr Baby ist ein noch sehr junges Food-Start-up. Nun wollte ich noch jemanden interviewen, der schon ein alter Hase im selbständigen Business ist. Noch nicht alt, aber schon lange selbständig ist Céline Bardy (37). Sie ist seit zwölf Jahren hauptberuflich als Choreografin, Pilatesinstruktorin und Tanzlehrerin tätig, und siehe da: auch sie liebt die Unabhängigkeit.

Was war der Auslöser zur Selbständigkeit?

Als Bühnentänzerin musste ich mich selbständig machen, ausser ich hätte mich irgendwo an einem Tanztheater engagieren lassen, was ich nicht wollte. Und die Choreografen hätten mich ohne SVA–Bestätigung gar nicht gebucht.

Was motivierte dich?

Ich wollte mein eigener Chef sein – ich liebe die Unabhängigkeit!

Céline ist auch nach zwölf Jahren Selbständigkeit täglich motiviert zu tanzen, zu choreografieren und Pilates zu unterrichten. Voller Elan und Begeisterung.

Welches sind die Vorteile?

Ich kann meine Freizeit so einteilen, wie ich will. Ich bin unabhängig und frei und kann mehr Geld verdienen, wenn ich hart arbeite. Zudem schätze ich die Verantwortung und das Ansehen, das mir entgegengebracht wird. Als Selbständige bin ich jeden Tag aufs Neue motiviert, arbeiten zu gehen.

Worin siehst du Nachteile?

Der selbständige Erwerb gibt meiner Meinung nach mehr Aufwand und kostet mehr Zeit. Teils fehlt dir eine 100-prozentige finanzielle Sicherheit: Läuft es nicht gut, kommt weniger Geld rein. Dann muss man sich wieder etwas mehr ins Zeug legen, werben, das Geschäft ankurbeln usw. Diese wellenförmige Auslastung ist teils etwas anstrengend. Leider ist die Mutterschaftsentschädigung für Selbständige – die es übrigens noch nicht lange gibt – etwas tiefer als die von Festangestellten. Und dann wäre da noch die Administration und die soziale Absicherung (Rente, Taggeld usw.) - darum muss man sich halt selber kümmern :).

Was sind die Herausforderungen?

Alles unter einen Hut zu bringen. Das Business wie auch die Familie müssen gut organisiert sein. Wer bringt die Kinder in den Kindergarten, wer holt sie ab, wer kauft ein? An welchen Tag sind beide – mein Partner ist ebenfalls selbständig – für einen Job unterwegs und brauchen deswegen einen Hütedienst? Zudem sehe ich es als herausfordernd, mich ständig weiterzuentwickeln - ich möchte nie stehen bleiben.

Die grösste Challenge? Business und Familie unter einen Hut zu bringen.

Welchen Tipp hast du für diejenigen, die sich selbständig machen wollen?

Nehmt euch genügend Zeit für das Erstellen des Businessplans und die Gründung des Unternehmens.

Worauf müssen zukünftige Selbständige gefasst sein?

Man muss sich des finanziellen Risikos bewusst sein sowie gerne und viel arbeiten wollen - vor allem in der Anfangszeit. Und man muss die Berg-und-Tal-Fahrt lieben :). Manchmal kann es auch psychisch belastend sein, zum Beispiel bei Unsicherheit der Auftragslage oder der Finanzen, da muss man stark sein und auch mal zurückstecken können, sprich Geld auf der Seite haben.

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