26. Juni 2017

Mama im Gepäck

Brave New Girl versteht auf der Asienreise, was sie unmöglich einzupacken vergessen kann ...

Mutter mit Kleinkind nachts am Meer
Damals hatte Mama die Kontrolle über das Wohlbefinden der Kleinen noch: Mutter mit Kleinkind am Meer. (Bild: Pixabay.com)
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«Meine Mama würde mich umbringen, wenn sie mich hier sehen würde», sagt Ivana. Die Kroatin und ich sind soeben auf einen ziemlich unsicheren Felsen irgendwo in der vietnamesischen Bucht von Halong geklettert. Neben uns geht es Dutzende Meter steil herunter.

Wie Sie, liebe Lesende, vielleicht mitgekriegt haben, weile ich derzeit für einen Monat in Asien. Mit Rucksack, Heimweh, Abenteuerlust und den gelegentlichen Bauchkrämpfen. Die Hostelböden sind jeweils zugepflastert mit unseren Habseligkeiten. Dabei gibt es etwas, das wir alle eingepackt haben: unsere Mama.

Sie ist überall. Sie fragt Veronica aus Kanada, was sie heute so vorhabe. Als Veronica berichtet, dass wir uns von Schluchten und Wasserfällen abseilen werden, meinte ihre Mom bloss: «Warum nur habe ich gefragt …»

Ein anderes Mal schwimme ich mit meinem Ferienschatz um Mitternacht und nach ein paar Dosen «Bia Saigon» ins dunkle Meer hinaus. Der Deal: so weit, bis jemand Schiss kriegt. Wir kehren rasch um. Nicht wegen uns, sondern weil ich meiner Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen habe. Sie wäre nicht sauer, sondern «enttäuscht» – was viel schlimmer ist.

Für die Menschen, deren Hauptlebensinhalt während Jahren darin bestand, uns am Leben zu halten, ist unsere Abenteuerlust die reinste Tortur. Meine Mutter sagte mir am Telefon: «Dass du so weit weg bist, das fühlt sich ein bisschen an wie damals, als du zum ersten Mal ins Skilager gingst.»

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