19. Juni 2017

Malta mit Herz und Kultur

Willkommen im Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen. Der Inselarchipel ist übersichtlich und reich befrachtet mit Weltkulturerbe, Geschichte und herzlichen Menschen.

Bunte Boote in Marsaxlokk, Malta
Die fröhlich-bunten Boote sind typisch für Malta. Auch im Hafen von Marsaxlokk.
Lesezeit 5 Minuten

Das kleine Inselreich, nur 81 km südlich von Sizilien gelegen, wird bei der Ferienplanung gern übersehen. Gut, es hat ja auch keine Flüsse, Berge oder Wälder, die zu ausgedehnten Wanderungen einladen, die Sandstrände muss man suchen (aber es gibt sie!), und im Sommer ist es erbarmungslos heiss. Aber was Malta an Kulturreichtum zu bieten hat, das lässt sich vielleicht am ehesten mit einem «Buch über die Menschheitsgeschichte» vergleichen. Und mitten in vielen dieser wahrlich alten Mauern pulsiert das moderne Leben.

Cornelia Schmid lebt seit 16 Jahren in Malta. Sie liebt das Shoppen in Valletta
Cornelia Schmid lebt seit 16 Jahren in Malta. Sie liebt das Shoppen in Valletta.

Sehr eindrücklich erfahren wir das im Restaurant Rampila in der Hauptstadt Valletta. Es befindet sich in einem Tunnel, der durch eine Festungsmauer aus dem 16. Jahrhundert auf eine Terrasse führt, die einst als Geschützstellung für die Bewachung des Festungseingangs diente. Von dort sieht man in den Burggraben und kann sogar ein paar Sonnenstrahlen geniessen. In diesem Restaurant treffen wir die Schweizerin Cornelia Schmid (58), die seit 16 Jahren in Malta lebt.

Sie landete wegen einer Empfehlung des Kinderarztes auf der Insel, weil drei ihrer sechs Kinder stark unter Keuchhusten litten und der Arzt zu Ferien im Mittelmeer geraten hatte. Die Wahl fiel auf Malta, und schon nach einer Ferienwoche ging es den Kindern besser.

Sofort zu Hause gefühlt

Nach den zweiten Malta-Ferien mit positivem Effekt auf die Kinder, nimmt der Gedanke, für ein paar Jahre auf der Insel zu leben, Formen an und wird rasch umgesetzt. «Ich habe mich sofort zu Hause gefühlt», erzählt die St. Gallerin. Nur das Kochen war anfangs ein Problem, weil es in Malta –­damals noch nicht EU-Mitglied – ganz andere Produkte gab. 2005 wurde dann alles besser. «Einzig Rivella gibt es heute noch nicht», ärgert sich Schmid.

Von der ärztlichen Versorgung jedoch schwärmt sie in den höchsten Tönen: «Die Ärzte sind gut ausgebildet, und die Behandlung ist kostenlos – sogar für Ausländer!»

Der Keuchhusten gehört schon lange der Vergangenheit an, zwei Töchter und zwei Söhne leben heute auf der ganzen Welt verstreut, und Cornelia Schmid gefällt es mit den beiden verbliebenen Kindern immer noch gut in Malta. Ob sie es je verlassen will? «Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt», sagt sie – ohne die Frage zu beantworten. Später erzählt sie: «Aber ich kann mir fast nicht vorstellen, morgens ohne Sonnenschein zu erwachen.» Malta wird mit rund 300 Sonnentagen pro Jahr verwöhnt.

Cornelia Schmid wohnt in San Ġiljan und kommt gern nach Valletta zum Einkaufen und für den abendlichen Ausgang. Beispielsweise in der Straight Street, der ehemaligen «Rotlichtgasse», haben sich originelle Lokale eingerichtet, in denen bis weit in die Nacht gefeiert wird. Die Malteser finden stets einen Grund zum Feiern. Deshalb ist das Jahrgespickt mit Festivitäten, vo mWein- über das Film- bis zumFeuerwerkfestival. Dieses beginnt jeweils Ende April und findet am 1. Mai, dem Beitrittsdatum von Malta in die EU, seinen Höhepunkt.

Am Abend brodelt die Stadt

Internationale Teams versuchen sich jeweils gegenseitig zu überbieten. Wir erleben die von Musik untermalten, grandiosen Nachtbilder der Pyro-Teams von Rumänien, Tschechien und Malta. Die Konkurrenz ist hart, es wird das Letzte gegeben. Und das Publikum dankt es mit frenetischem Applaus. Eine Woche später sind dann Italien, Kroatien und wieder Malta (aber mit einem anderen Team) dafür besorgt, die Menschen in Valletta zu begeistern. An diesem Abend wird die Stadt geradezu brodeln – als wäre noch nicht genug Betrieb in Malta.

Es ist ein Schmelztiegel der Völker, Kulturen und Sprachen und fordert alle Sinne, will man sich darin zurechtfinden. Aber trotz aller Wuseligkeit – getoppt von unbändigem Autoverkehr – ­erobern wir Malta Schritt für Schritt.

Valletta zählt zum Unesco-Weltkulturerbe und wird 2018 Europas Kulturhauptstadt sein. Vom grossen Hafen an der Südseite von Valletta verkehren Fähren und auch kleine, traditionelle Boote, die die Passagiere schnell und bequem nach Three Cities bringen. Damit sind die Städte Senglea, Cospicua und Vittoriosa gemeint, die einiges älter als Valletta und bei den Touristen noch nicht so bekannt sind.

Sie laden zum gemütlichen Bummeln ein oder zu einer spritzigen Tour mit den Elektrocarts von Rolling Geeks. Mithilfe des Navigationsgeräts fährt man der ausgewählten Route entlang und wird mit Informationen versorgt. Ein echtes Vergnügen!

Rikardu Zammit bei der Herstellung von Frischkäse
Rikardu Zammit stellt Frischkäse her...

Zu den Muss-Besuchen auf Malta zählt auch die Cittadella von Victoria auf Gozo. Sie ist heute zwar kaum noch bewohnt, leider... aber es gibt dort ein sehr empfehlenswertes Restaurant, das gleichzeitig ein Laden ist: Ta' Rikardu – bei Ricardo. Rikardu Zammit (65) steht jeden Tag in seiner kleinen Käserei um die Ecke, wo er kleine Frischkäse zubereitet, die im Restaurant aufgetischt und verkauft werden.

legt sie zum Teil ein...
Restaurant Ta' Rikardu auf Gozo
...und bietet sie in seinem Laden und im Restaurant an.

Sein Haus, so erzählt Rikardu, sei älter als die berühmte Kathedrale Mariä-Himmelfahrt gleich nebenan, und er habe es eigenhändig restauriert.

Das ist ihm wahrlich gelungen, und so kann man heute, auf drei Etagen verteilt, echt gozitanische Hausspezialitäten geniessen.

Sogar den Wein produziert Rikardu selber. Und von den inseltypischen Süssspeisen sollte man unbedingt Ħelwa tat-tork (ein wenig mit Nougat zu vergleichen) und Qagħaq tal-għasel (Gebäck mit Honig-Mandel-Füllung) versuchen – ein Traum für Naschkatzen.

Olivenholz und Wein

Das geschmackliche Gegenteil haben wir bei Emanuel Cini (74) gefunden. Er gewinnt aus den Salzpfannen von Gozo, in der Nähe des Dorfs Xwejni, feinstes Meersalz. Natürlich verkauft er es, sorgfältig in Jutesäcklein verpackt, und erzählt interessierten Zuhörern noch so gerne alles über sein Salz. Von Mai bis September baut er es von Hand ab, und im Winter verpackt er es. Hilfe bekommt er neuerdings von seiner Tochter.

Das Thema Handarbeit spielt an vielen Orten eine Rolle: Im Crafts Village in Ta'Qali auf Malta zum Beispiel. In einer Ansammlung von alten Militärhangars sind Glasbläser tätig. Ein eingespieltes Team stellt farbenfrohe Vasen, Karaffen, Türknäufe und vieles mehr her.

Ein paar Gebäude weiter ist der Holzbildhauer und Designer Elezar Galea (36) kreativ. Er bearbeitet fast ausschliesslich Olivenholz. Mit viel Hingabe formt er daraus Skulpturen, Schalen, Untersetzer und Weinflaschenständer.

Wer jetzt zum Ständer aus Olivenholz noch die passende Flasche sucht, muss gar nicht weit fahren. Das «Meridiana Wine Estate» liegt neben dem Crafts Village. Man kann sich auf dem Gut, das dem italienischen Weinbaron Piero Anti-nori gehört, für Führungen und Degustationen anmelden. Qualitativ hochstehende Weine werden hier produziert. Insbesondere bei den Roten wären «Celsius» und «Nexus» zu empfehlen, die als Souvenir die Malta-­Ferien verlängern. 

Die Recherche dieser Reise wurde durch Malta Tourism Authority und Air Malta ermöglicht.

Fotograf: Heinz Jucker

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