28. Juni 2017

Magdeburg lockt mit Luther und mehr

Die ostdeutsche Stadt Magdeburg überrascht mit vielen Attraktionen – und mit diversen Ausstellungen zum Thema 500 Jahre Reformation. Ein Ferientipp für die ganze Familie.

Das Stadtbild von Magdeburg ist vom Dom und der Elbe geprägt.

Mit 30 000 Einwohnern war das ostdeutsche Magdeburg – zwischen Hannover und Leipzig gelegen - im 16. Jahrhundert eine der grössten Städte Europas. Und sie nahm bei der von Martin Luther in Wittenberg ausgehenden Erneuerung der Kirche eine Vorreiterrolle ein. Mehr noch: Sachsen-Anhalt ist das Ursprungsland der Reformation. Luther besuchte die Domstadt übrigens bereits schon als Jugendlicher. Magdeburg verstand sich als Bollwerk des Protestantismus. Im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation stehen nun diverse Veranstaltungen an, etwa ab dem 1. September 2017 eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum zum Thema «Gegen Kaiser und Papst – Magdeburg und die Reformation». Auf den Spuren Luthers kann man sonntags bei der öffentlichen Stadtführung folgen.


Inzwischen hat Magdeburg rund 238 000 Einwohner oder über 50 000 weniger als noch zum Ende der DDR. Und auch wer an der neueren Geschichte interessiert ist, findet in der Stadt an der Elbe Staunenswertes. Oder hast du gewusst, dass New Yorks Broadway Magdeburger Händlern zu verdanken ist? Sie bauten in der Neuen Welt eine Kopie des Magdeburgers Breiter Weg und nannten ihn Breede Weg, woraus Broadway entstanden ist. Ein Stück New York in Magdeburg findet man noch bis zum 9. Juli mit Leonard Bernsteins «West Side Story», die dieses Jahr am Domplatz unter freiem Himmel Premiere feiert.

Magdeburger Dom

Der Magdeburger Dom, seit über 800 Jahren das Wahrzeichen, gilt als erster gotischer Kathedralbau auf deutschem Boden. An ihm wurde tatsächlich von 1209 bis 1520 gebaut. Im Dom befindet sich der grösste Tischaltar der Welt. Der Dom schrieb in den 1980er Jahren erneut Geschichte: Hier starteten die bekannten Montagsdemonstrationen in der DDR, die zum Zusammenbruch des Unrechtsstaats beitrugen.

Elbe Elbauenpark

Zur Zeit dieser DDR war die Elbe ein stinkender Fluss fast ohne Fische. Heute gilt er als beliebtester Fernradweg. Teil davon ist der Elbauenpark von Magdeburg, der in eine Auenlandschaft eingebettet ist. Das ehemals militärisch genutzte Areal wurde anlässlich der Bundesgartenschau 1999 in einen Natur- und Freizeit ungestaltet, der zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt. Wissbegierige können im «Schlausten Turm der Welt» auf eine interaktive Zeitreise durch die Wissenschaften gehen und über 6000 Jahre Technikgeschichte hautnah erleben. Die Ausstellung ist ein ideales Schlechtwetterprogramm für Erwachsene und Kinder. Alternative: die grösste öffentliche Figurenspielsammlung Mitteldeutschlands am Puppentheater Magdeburg in der Warschauer Strasse 25. Über 1200 Puppen, Objekte und Gestalten können dort bewundert werden.

Grüne Zitadelle Hundertwasserhaus in Magdeburg

Eine weitere Attraktion ist das zentral gelegene Hundertwasserhaus des österreichischen Künstlers. Die Grüne Zitadelle, 2005 fertiggestellt, besteht aus zahlreichen Wohnungen, zwei Restaurants und dem empfehlenswerten Drei-Sterne- Arthotel am Breiten Weg. Alleine wegen Hunderwasser machen 250 000 Besucher einen Abstecher nach Magdeburg, das zu den grünsten Städten Deutschlands gehört.

Restaurant Hoflieferant Magdeburg

Magdeburgs Innenstadt wurde zwar im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört (Magdeburg war als Industriemetropole für die Alliierten strategisch wichtig). Doch heute präsentiert sich die Stadt mit gegen 20000 Studierenden abends erstaunlich quirlig. Zur Einkehr drängt sich das Restaurant Hoflieferant mit seiner lauschigen Terrasse (Bild oben) ganz in der Nähe des Doms auf. Die lokale Küche überzeugt.

Montego Beach Bar Magdeburg

Danach lohnt es sich, die Elbpromenade flussaufwärts bis zur Sternbrücke zu schlendern, diese zu überqueren und den Spaziergang bis zum Stadtpark Rotehorn fortzusetzen. Dort befindet sich die Montego-Beach-Bar , die von April bis September geöffnet hat. Bequeme Sessel, Beachvolleyballfelder, ein Pool und Cocktails sorgen für Karibikatmosphäre. Angenehm sind auch die Preise, wie man sich das von Deutschland ohnehin gewohnt ist: Der Mojito kostet 7 Euro.

Ein kulturelles Alternativprogramm bietet das Theater an der Angel . Ein vergnüglicher Abend in diesem Theater an der Elbe kostet 24 Euro. Im Juli heisst es «Sommerverwir(r)land. Die Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.

Wer weiter ziehen will, sollte über die Sternbrücke zum Hasselbachplatz, wo sich viele Bars und Kneipen ausgebreitet haben – sehr zur Freude des Partyvolks (Bilder Reto E. Wild).

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