16. November 2017

Luca Hänni, das Multitalent

Der 23-jährige Luca Hänni hat ein Talent für Talentshows: Seine Karriere als Sänger begann mit dem Sieg bei «Deutschland sucht den Superstar», und eben erst hat er auch die RTL-Tanzshow «Dance Dance Dance» gewonnen. Dass dem Berner nicht immer alles in den Schoss fällt, davon handelt sein neuer Song.

Luca Hänni
Luca Hänni setzt sich in seinem neuen Song «Powder» mit negativen Erlebnissen im Showbusiness auseinander.
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«Wow, was für ein Riesenbrot!» Luca Hännis Blick geht an seiner Gesprächspartnerin vorbei. Eine Kellnerin schneidet hinten im Café gerade ein tatsächlich sehr grosses dunkles Brot. «Ich habe noch nie ein so riesiges Brot gesehen!» Er lacht ungläubig. «Sorry – ich lasse mich schnell ablenken, Konzentration ist nicht meine Stärke. Wie war nochmals die Frage?»

Warum sein neuer Song der persönlichste sei, den er je geschrieben habe. Hänni fährt sich mit der Hand durch das braune Haar, setzt sich aufrecht hin, ein letzter Blick zum Brot. «Nun», sagt er, wieder voll professionell, wie man es vom 23-Jährigen kennt, «ich erzähle in ‹Powder›, wie hart das Musikgeschäft ist. Vor allem in jungen Jahren dauert es lange, bis man ernst genommen wird.»

Für manche Leute war es schwierig, dass nun ein Jungspund mit am Tisch sitzt, der mitreden will und kann

Mit gerade mal 17 Jahren gewann der damalige Maurerlehrling bei der RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» – als erster Nichtdeutscher überhaupt. «Für manche Leute war es schwierig, dass nun ein Jungspund mit am Tisch sitzt, der mitreden will und kann», schildert er. So musste Luca Hänni schnell erwachsen werden, lernen, wie man sich durchsetzt. Und das im knallharten Showbusiness. In seinem neuesten Song verarbeitet er die Erfahrung, dass er in seinem Leben schon oft an falsche Leute geraten ist.

Luca und seine «Fännis» – so nennen sich seine Fans.

Firma klaute seine Identität

Zum Beispiel nach seinem Karrierestart, als auf seiner offiziellen Facebook- Seite plötzlich Pornoinhalte gepostet wurden. «Es meldete sich eine Internet-Security-Firma, die mich vor solchen Posts schützen wollte», erinnert sich Luca Hänni. Er vertraute dem Inhaber der Firma, der Zugriff zu Internetkonten und diversen Passwörtern erhielt. Ein Fehler, wie sich später herausstellte. In seinem Namen korrespondierte der vermeintliche Geschäftsführer mit fremden Leuten und verbreitete Lügengeschichten. «Als wir das herausfanden, schalteten wir die Polizei ein. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Hochstapler mit Scheinfirma handelte.»

Es tat Luca Hänni gut, solche Erlebnisse in einem Song zu verarbeiten. Er heisst «Powder» – auf Deutsch: Puder – weil alles Schlechte zu Staub zerfallen soll. «Zu Staub, den ich von mir abschüttle», erklärt Luca Hänni. Im Videoclip wirft der Teenieschwarm tanzend farbigen Puder in die Luft.

Video: Elena Bernasconi

Karriere als Prüfstein für die Beziehung

Tanzen kann Luca Hänni erst seit Kurzem. Als er in diesem Jahr von RTL für die Tanzshow «Dance Dance Dance» angefragt wurde, musste er sich die Zusage lange überlegen. «Ich konnte vorher wirklich überhaupt nicht tanzen. Ich war seit etwa drei Jahren nicht mehr in einer Disco und bewegte mich echt wie ein Brett. Ich hatte Angst, mich zu blamieren.» Trotzdem machte er mit.

Vier Monate lang durchlief er ein tägliches Tanztraining. Und holte sich schliesslich vergangenen Monat mit seinem Tanzpartner den Siegerpokal. «Ich glaube, dass mir ein gewisses Taktgefühl in die Wiege gelegt wurde»,sagt Hänni. «Den Rest musste ich mirerarbeiten.» Mit einem Sieg habe er dennoch nicht gerechnet.

Freunde? Ich habe keine Freunde! Nein, nein. So schlimm ist es nicht.

Luca Hänni hat eine intensive Zeit hinter sich. Eine Zeit, in der auch die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin Tamara oft zu kurz kam. «Wir sahen uns sehr wenig. Auch beim Finale konnte sie nicht dabei sein», bedauert er.

Für das Paar, das seit sieben Jahren zusammen ist (wenn auch mit kurzen Unterbrüchen, wie Hänni sagt), ist gemeinsame Zeit etwas Besonderes. Auch für Freunde hat der Star nicht viel Zeit. «Freunde? Ich habe keine Freunde», sagt er und fügt lachend hinzu: «Nein, nein. So schlimm ist es nicht.» Einen sehr guten Kumpel aus der Schulzeit habe er immer noch. «Meine restlichen Freunde oder Bekannten habe ich alle durch meinen Beruf kennengelernt.»

Auch mit seinem Stiefbruder Cyril ist er oft unterwegs. Er ist sein Manager und gleichzeitig sein Freund. Mutter und Stiefvater erledigen das Administrative und das Merchandising rund um den Star. «Wir sind ein Familienbetrieb. Dadurch liegen die wichtigen Entscheide bei uns, wir geben sie nicht in fremde Hände. Eben weil ich nicht an falsche Leute geraten will.» Und weil er auch keinen Streit mag. Er wisse nicht, wann er sich zum letzten Mal mit jemandem gestritten habe. «Ich bin kein Streiter», sagt er, «sondern eher der lockere Typ.»

Luca Hänni ist seit seinem Sieg bei «DSDS» viel unterwegs.

Ohne Smartphone geht es nicht

Ist Luca Hänni durch seinen Erfolg eigentlich reich geworden? «Reich an Erfahrungen sicher. Und ja, ich kann davon leben.» Materielles habe für ihn keinen grossen Wert, sagt er. Das Einzige, ohne das er nicht leben könnte, sei sein Smartphone. Kürzlich habe er es einen halben Tag lang nicht gefunden – «ich war echt aufgeschmissen».

Zurzeit wohnt Luca Hänni für anderthalb Wochen in einem Hotel in Zürich. Danach kehrt er in seine Wohnung in der Nähe von Bern zurück, in der er mit Tamara lebt. Doch auch diesmal bleibt er nicht lange: Bereits im Januar zieht es ihn für fünf Wochen nach Australien, wo er eine Sprachschule besuchen wird.

Im Frühjahr sollen zwei bis drei weitere Singles erscheinen, bevor er dann sein neues Album herausgibt. Über den Zeitpunkt des Erscheinens und den Namen des Albums kann er noch nichts verraten. Fest steht hingegen, dass er wieder auf Tour gehen wird. «Darauf freue ich mich unheimlich», sagt er. Denn dann ist er wieder bei den «Fännis» – so nennen sich seine Fans – und voll in seinem Element, voll beim Publikum. 

Den nächsten öffentlichen Auftritt hat Luca Hänni am 24. November in Zürich. Im Rahmen von «Animal Christmas» (mehr Informationen und Tickets hier), gibt der Sänger ein unplugged Konzert. Der Eintritt zum Charity-Event kostet 100 Franken.

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