16. August 2017

London überrascht mit neuen Adressen

Die britische Hauptstadt hat von ihrer Strahlkraft trotz Terroranschläge kaum etwas verloren. Und Schweizer Touristen profitieren vom schwachen Pfund.

The Sharp Themse London
Die Skyline von London verändert sich dramatisch: Der Wolkenkratzer The Shard gehört mit über 300 Metern zu den höchsten Gebäuden Europas (Bild: zVg).
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Bei Hotelplan Suisse ist London das beliebteste Städtereiseziel von Herr und Frau Schweizer im Jahr 2017 - vor New York und Dubai. Die Rangliste überrascht auf den ersten Blick, denn immerhin gab es allein dieses Jahr zwei Terroranschläge in der Stadt an der Themse. Allein, die Schweizer Touristen denken wohl pragmatisch: London lockt mit einem historisch tiefen Wechselkurs. Bezahlte man Mitte 2015 gegen 1.55 Franken für ein Pfund, sind es jetzt noch 1.25. Da rücken Terrorbedenken in den Hintergrund.

Und London hat immer wieder neue Attraktionen, die alles überstrahlen. Mein Lieblingshotel ist derzeit das Corinthia , das nur einen Steinwurf vom Trafalgar Square, der Downing Street, dem Big Ben und dem London Eye entfernt ist (die U-Bahn-Station Embankment erreicht man mit einem zweiminütigen Fussmarsch, im Bild oben die Aussenansicht des Hotels). Im viktorianischen Prachtbau und Flaggschiff der maltesischen Hotelgruppe sind 294 Zimmer untergebracht - davon 36 Suiten und sieben Penthouses mit Dachterrasse. Das Haus im Stil eines Grandhotels eröffnete 2011, wirkt aber noch immer brandneu. Die Zimmer kosten allerdings gegen 500 Franken, wobei sie für Londoner Verhältnisse richtig gross sind. Ein Highlight für die Sommertage: die neue Garden Lounge im exotischen Stil. Sie bietet den ganzen Tag Speisen und entspannt den Abend mit 62 Whisky- und 52 Zigarrensorten. Das Spa erstreckt sich über vier Etagen!

Neueren Datums ist auch das über 300 Meter hohe Glasgebäude The Shard, direkt an der Themse und nur unweit der Tower Bridge. Die Aussicht vom Wolkenkratzer auf die Stadt ist sehr beeindruckend - auch bei starker Bewölkung, wie das Bild oben zeigt. In diesem Gebäude befindet sich ein weiteres neues Luxushotel: das Shangri-La. Im 35. Stockwerk ist das Gourmet-Restaurant Ting untergebracht, das ich sehr empfehlen kann. Dort kostet ein Dreigänger 55 Pfund oder eben noch rund 70 Franken. Klar, das ist viel Geld. Nur gibt es in Zürich Restaurants, die für einen Hauptgang schon fast 60 Franken verlangen und nicht im Gourmetbereich tätig sind. Und im Ting ist die spektakuläre Aussicht auf die veritable Weltstadt im Preis inbegriffen (frühzeitig reservieren!).

In unmittelbarer Nähe des Shard befindet sich der populäre Borough Market (Bild oben), den man sich unbedingt anschauen sollte. Er lädt geradezu ein, sich dort eine Zwischenmahlzeit zu gönnen und allerlei lokale Produkte wie kleine Speisen oder Biere zu degustieren. Experimentierfreudige verkosten Wodka mit Marshmallow-Geschmack. Die Öffnungszeiten sind für eine Weltstadt eher ungewöhnlich: Der Markt schliesst schon um 17 Uhr, sonntags öffnet er gar nicht.

Am Rand des Borough Market befindet sich mein zweiter Restauranttipp: das einfache Bedales im Stil einer gemütlichen Weinbar. Die grosse Küche findet man hier nicht. Aber wer gern unkompliziert ein Glas Wein geniesst, fühlt sich hier bestens aufgehoben.

Nach so viel Essen und Trinken tut Bewegung not: Ich schlage vor, der Themse entlang Richtung Westminster Bridge zu spazieren. Hier begegnet man Strassenkünstlern, und wer schon längere Zeit nicht mehr in London war, ist erstaunt darüber, wie viele neue Attraktionen, Restaurants und Cafés entstanden sind.

Kunstinteres-sierte machen einen Abstecher zur Tate Modern (Bild oben), deren Eintritt abgesehen von einzelnen Ausstellungen kostenlos ist. Sie gehört zu den weltweit grössten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Allein das Gebäude, ein umgebautes Kraftwerk, ist schon eine Attraktion. Die Wege entlang der Themse eignen sich übrigens auch zum Joggen. Den vielen Passanten weicht man aus, wenn man vor 9 Uhr oder nach 18 Uhr unterwegs ist.

Und wenn wir schon auf dem Kulturtrip sind, muss noch eine andere Adresse erwähnt werden: Die Serpentine Gallery in den Kensington Gardens (Bild oben) stellt ebenfalls moderne und zeitgenössische Kunst aus. Sie hat einen Schweizer Bezug, ist doch der Ostschweizer Hans-Ulrich Obrist künstlerischer Leiter.

Er ist in Kulturkreisen sehr bekannt. Noch bekannter - und dies auch über die Landesgrenzen hinaus - ist Jamie Oliver. Der 42-jährige Koch verdankt seine Popularität seinen TV-Sendungen. Er verantwortet in London vier verschiedene Restaurants. Mein Favorit ist das «Jamie Oliver's Fifteen» , das seit 2002 existiert. Das Publikum ist jung, der Raum eng (Bild oben), die Speisen innovativ, der Service freundlich und effizient. Das Lokal eignet sich nicht für ein romantisches Dinner, bietet aber Einblick in eine moderne britische Küche und internationale, gut gekochte Gerichte. Mir gefällt das Fifteen sehr gut, zum Start laden lokale Austern ein, die für Schweizer Verhältnisse preiswert sind.

Der Stadtrundgang endet dort, wo er angefangen hat: im Corinthia-Hotel. Das beherbergt neben einem Italiener mit dem Northall ein begeisterndes britisches Restaurant. Und die Briten müssen sich für ihre lokale Küche nicht mehr schämen (seit ihnen französische Chefs unter die Arme gegriffen haben ...). Ein halbes Dutzend Grouville-Bay-Austern von der Insel Jersey kosten 20 Pfund, und zum Hauptgang empfehle ich das Lamm (Bild unten), das 28 Pfund kostet. Köstlich war auch die Seezunge aus Dover zu 39 Pfund. Tipp: Das «Theatre Menu» (von 17.30-19 Uhr oder ab 21.30 bis 23 Uhr) kostet für drei Gänge 28 Pfund. Degustieren Sie dazu englische Schaumweine: Drei halbe Gläser (normal, Rosé und Blanc de Noir) vom Weingut Biddennden aus Kent kosten 15 Pfund (auf der Karte unter «Sparkling Wine Flights»).

Kurz: Gerade in diesen Tagen zeigt sich London mit dem Riesenrad (Bild unten) so attraktiv wie nie zuvor - trotz Diskussionen über den EU-Austritt und Terroranschläge. Und das an sich teure London wird mit dem starken Franken deutlich preiswerter. Allerdings kostet beispielsweise der Heathrow-Express, die 15-minütige Bahnfahrt zum Flughafen noch immer mindestens 15 Pfund. Ich empfehle allerdings ohnehin den kleinen und übersichtlichen Flughafen City zur An- und Abreise. Von dort fährt man mit den Dockland Light Railway (DLR), einer Hoch- und Untergrundbahn, bequem und schnell ins Zentrum. Einen Haken gibt es auch hier: Die Tickets zum Flughafen City sind immer rund 50 Franken teurer als nach Heathrow, Gatwick oder Luton.

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