17. Februar 2018

Der Lockruf der Läden

Kolumnistin Lisa Stutz pickt sich von ländlicher und urbaner Welt das Beste heraus. Beim Ausverkauf fällt das aber schwer ...

Ausverkauf (Schaufenster)
Bild: Unsplash.com
Lesezeit 1 Minute

Wir haben es geschafft. Die Sale-Saison sollte überstanden sein. «SALE SALE SALE» prangte es quer und knallrot über den städtischen Schaufenstern. Kein Wunder, sagt niemand mehr «Ausverkauf».
Wo hundert SALE Platz haben, lassen sich der Länge wegen nur etwa die Hälfte an «Ausverkauf» anbringen. Und die Botschaft soll sich schliesslich in unser Gehirn bohren: Hier gibt es etwas billiger! Billiger! SALE!

Es war hart. Vor allem für mich als modeinteressiertes Landei. Und nein, Sie Fiesling, das ist kein Widerspruch in sich!

Man muss sich das mal vorstellen: In unserem Dorf gibt es etwa eine Handvoll Kleiderläden. Und das auch nur, weil wir ein relativ grosses Dorf sind. Jedenfalls haben drei davon nicht den gewünschten Style im Angebot, in einem ist die Verkäuferin unfreundlich, und im fünften kann ich mir eigentlich nichts leisten. Mir ist also in vier von fünf Fällen egal, ob nun Sale ist oder nicht.

Und dann kommt das modeinteressierte Landei in die Stadt. Und ihm, also mir, fallen die Pupillen fast aus den Augen vor lauter queren knallroten SALE-Klebern vor den Lieblingsgeschäften. Mantraartig muss ich mir dann selbst gut zureden: «Du hast bereits ein volles Kleiderzimmer. Richtig gehört: Zimmer, nicht Schrank. Da sind so viele schöne Sachen drin. Du brauchst nichts. Du brauchst nichts. Widerstehe dem Sale!»

Und so geht das fast die ganzen zwei Monate nach Weihnachten. Aber wie gesagt: Wir haben es geschafft. Die Kleber verschwinden, die Frühlingskollektion trifft ein. Ich bin hart geblieben. Ob ich mir zur Belohnung ein neues Blüsli gönnen soll?


Das Video zu «Stadt, Land, Stutz»:

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