25. Juli 2017

Livigno lockt mit E-Bikes für Kinder

Livigno ist bei vielen Schweizern vor allem für zollfreies Einkaufen und Wintersport bekannt. Unter dem Motto «Active You» will das italienische Dorf vermehrt Familien auch im Sommer anziehen. Beispielsweise mit E-Bikes für Kinder.

Mountain-E-Bike
So macht Wandern auch Kindern Spass!
Lesezeit 4 Minuten

«In die Berge? Etwa wandern?» Die erste Reaktion des Sohnemanns (10), mit Mama und Papa ein verlängertes Wochenende im ans Münstertal angrenzende Livigno (I) zu verbringen, ist – gelinde gesagt – bescheiden.

Nun aber steht er auf einem Wanderweg mit Blick auf das 1816m ü.M. gelegene Hochtal, staubig, verschwitzt und – über das ganze Gesicht grinsend. Okay, das, was wir gerade tun, hat mit Wandern ja auch nicht viel zu tun. Ausser, dass wir auf einem Wanderweg unterwegs sind. Jedoch nicht zu Fuss, sondern auf einem Mountainbike. Genauer gesagt auf einem E-Mountain-Bike. Die gibts nämlich auch, wie ich seit rund zwei Stunden weiss (bitte jetzt keinen Shitstorm, ich radle halt normalerweise ausschliesslich mit Muskelkraft). Und zwar sogar für Kinder. Was hingegen eher die Ausnahme zu sein scheint, wie ich aus all den überraschten – und ja, ich sags gerne –, etwas neidischen Reaktionen schliesse, die wir auf unserem Weg vom Velovermieter bis zum eigentlichen Trail erhalten haben.

Wander- und Bikeweg oberhalb Livignos
Der Höhenweg oberhalb Livignos bietet einen wunderbaren Blick über das ganze Tal.

Wie auch immer. Mit solch einem E-Mountain-Bike (in Sohnemanns Fall ein 24-Zoll-Haibike, dies als Info für alle Aficionados) kriegt man selbst den unmotiviertesten Zehnjährigen auf jeden Berg. Und zwar ganz ohne Gondelbahn oder Sessellift. Und: je steiler der Berg, desto höher. Denn umso grösser ist der Spassfaktor, über Stock und Stein, durch Bäche und über Kiesfelder zu – na ja – biken. Velo fahren kann man das ja schon nicht mehr nennen, was wir da tun.

Reicht die Muskelkraft nicht mehr aus, wird halt fix das Motörli dazugeschaltet. Drei Gänge stehen zur Verfügung: Eco, Standard und High. «Bubi einfach», findet der Sohnemann. Die Mutter (also ich) hingegen kommt jeweils erst dann auf die Idee, sich Stromunterstützung zu holen, wenn sie schon am Steilhang feststeckt. Was darauf hinausläuft, dass sie immer mal wieder notfallmässig abspringen und stossen muss. Zur Belustigung von Herzens- und Sohnemann notabene.

Biker am Trinken
Biken macht Durst - E-Motor hin oder her.

Nichtsdestotrotz bekomme auch ich immer mehr Spass am E-Mountain-Bike. Der grosse Vorteil zum «normalen» Bike ist nämlich, dass man damit nicht wirklich schneller unterwegs ist (zumindest nicht auf den Wanderwegen, schliesslich sind wir keine Wanderweg-Rowdies), sondern vor allem entspannt. Nämlich immer im Wissen, dass man notfalls auf den Motor zurückgreifen kann.

Und drum stellt sich bei jeder Weggabelung erst gar nicht die Frage, ob man nicht vielleicht langsam ans Umkehren denken sollte. Die Frage lautet vielmehr: Wanderweg («Nö, langweilig!», so der Sohnemann) oder Hochgebirgspfad («YES!», so derselbige).

Trepalle, Livigno
Das Seitental von Trepalle ist alleweil einen Abzweiger wert – ein Klacks mit dem E-Bike.

Und so schaffen wir an einem Nachmittag eine Rundtour, für die wir, hätten wir sie abgewandert, morgens um sechs Uhr aus den Hotelbetten hätten steigen müssen. Und ohne dass der Sohnemann ein einziges Mal gemotzt hat. Echt entspannend, gerade auch für Eltern.

PS: Und wer jetzt sagt, wir seien faule Siechen, uns mit E-Power durch die Berge fahren zu lassen: Nach den insgesamt dreieinhalb Stunden Fahrt war der Akku immer noch zu 60 Prozent voll. Und am nächsten Tag hatten wir zwar keinen Muskelkater in den Beinen, aber dafür deftig in den Armen!

Auf der Hochebene Livignos lässts sich übrigens auf 28 Kilometer Veloweg auch bestens geradeaus fahren – mit oder ohne E-Bike.

Weitere Tipps für Livigno mit (oder auch mal ohne) Kids:

Im Bike Skill Center (Bild oben) können Kinder (ab 6 Jahren) und Jugendliche in diversen Kursen erste Erfahrungen mit dem Mountain Bike machen. Dazu stehen zwei Pumptracks zu Verfügung. Chef Marco kennt das Tal wie seine Hosentasche und gibt auch den Eltern gerne Tipps für Ausfahrten auf allen Schwierigkeitsstufen.

Der Ort, wo sich in Livigno die ganz wilden Kerle mit ihren Mountainbikes runterstürzen, heisst Mottolino Bike Park. Die 13 Trails sind ähnlich wie beim Skifahren in blaue, rote und schwarze Pisten unterteilt. Für eine erste Abfahrt kann gratis ein Bike-Instructor (Bild oben) geordert werden, eine gewisse Fitness ist unabdingbar. Das kleinste Leihbike misst auch hier 24 Zoll, funktioniert also ab etwa zehn Jahren.

Der Stausee von Livigno (Bild oben) darf seit drei Jahren und bei genügend (!) hohem Wasserstand für Wassersport genutzt werden. Neben Pedalobooten und Kajaks können Stand-up-Paddles gemietet werden. Zum Baden ist der See hingegen zu kalt.

Fischen für alle ist ein weiteres Highlight, gerade mit Kindern. Einheimische Fischer führen ins Fischen mit Angelhaken und Fliege ein.

Das Ristoro Val Alpisella (Bild oben) mit der kleinen Kletterwand und dem Streichelzoo ist ein am Stausee gelegenes Beizli, das bestens auch zu Fuss und mit dem Kinderwagen erreicht werden kann. Unbedingt die Polenta und das regionale Bier («1816») probieren.

In der Latteria wird die Milch der Bauern in Livigno zu Käse, Joghurt und diversen Glacesorten verarbeitet. Durch grosse Glasscheiben kann man den Käsern bei der Arbeit zusehen. Die Sonnenterrasse des dazugehörenden familienfreundlichen Restaurants bietet einen schönen Blick übers Tal (Bild oben).

Im Hochseilgarten Larix-Park (Bild oben), in einem Lärchenwald oberhalb Livignos gelegen, ist es gerade im Hochsommer schön schattig und damit kühl. Die verschiedenen Routen funktionieren vom Anfänger (ab vier Jahren) bis hin zum Könner. Ganz kleinen Kindern steht ein Spielplatz zur Verfügung.

Aquagranda heisst das kürzlich total umgebaute Schwimmzentrum. Neben einem Plauschbad mit drei grossen Rutschbahnen bietet es einen 1500 Quadratmeter grossen Wellnessbereich und ein breites Fitnessangebot. Ein netter Service für Eltern: die angeschlossene Kinderhüeti.

Im MUS – Museum von Livigno und Trepalle wird die Geschichte des Tals aufgezeigt – vom einstigen Eisenerzabbau über die Landwirtschaft bis hin zum Beginn des Tourismus. Alle gezeigten Exponate wurden von den Einwohnern Livignos ausgeliehen. Kinder staunen über die Skibindungen und -lifte von anno dazumal (Bild oben) sowie die erste Tanksäule des Tals, eine Leihgabe der – katholischen Kirche!

Die Reportage entstand mit Unterstützung der Azienda di Promozione e Sviluppo Turistico.

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