23. Juli 2018

Eine Lebensmittel-Chemikerin macht in der Migros Karriere

Ohne sie geht nichts: Fast zwei Drittel der Migros-Mitarbeitenden sind Frauen. Viele gehören dem Kader an – auch Peggy Schuhmann, Leiterin der Swiss Quality Testing Services in Dietikon ZH.

Peggy Schuhmann im Labor der SQTS
Peggy Schuhmann im Labor der SQTS in Dietikon
Lesezeit 1 Minute

DER STECKBRIEF
Name: Peggy Schuhmann (47)
Geboren in: Halle/Saale (D)
Bei der Migros seit: 1995
Familie: verheiratet, zwei Kinder (8 und 10)
Freizeit: alles rund um die Familie

Peggy Schuhmann kam aus Deutschland in die Schweiz. Ganz Klischee: eine Mitfahrgelegenheit im Trabi. Die studierte Lebensmittelchemikerin hatte ihre Zelte in Dresden abgebrochen und
ein Praktikum in der Schweiz ergattert. Im Migros-eigenen Labor analysierte sie drei Jahre lang Zusammensetzung, Echtheit und Hygiene von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs –«so richtig hands-on», wie sie es heute formuliert. Eine wichtige Erfahrung, denn dort lernte sie, was im Studium nicht wirklich möglich war: Analytik mit allen Stolpersteinen und Optionen.

Dann wurde das Labor umstrukturiert, und als 1998 eine Nachfolge für den Verantwortlichen der Abteilung Lebensmittelrecht gesucht wurde, kam sie zum Zug. Später baute sie mit einem kleinen Team das Drittkundengeschäft aus, das mittlerweile über 50 Prozent des Umsatzes ausmacht. Als 2006 die Stelle der Direktionsleitung frei wurde, überlegte sie, «typisch Frau», ob sie sich überhaupt bewerben sollte. «Frauen zweifeln oft erst einmal: Kann ich das?», sagt sie rückblickend. Dass sie das Potenzial besass, hatte ihr Chef bereits erkannt.
Und Peggy Schuhmann wagte es – mit Erfolg: Seit 2006 leitet sie das Labor der Swiss Quality Testing Services (SQTS) und 130 Mitarbeitende.

Wie hat sie die Schweiz in Sachen Frauen und Karriere erlebt, zumal sie im ganz anderen Gesellschaftsmodell der DDR aufgewachsen ist? «Ich empfand die Schweiz in diesen Fragen als extrem konservativ. Eine Familie zu gründen und zugleich Karriere zu machen, konnten sich viele junge Frauen damals kaum vorstellen.»

Eine gute Balance gefunden
Inzwischen seien Veränderungen und Fortschritte spürbar, sagt Peggy Schuhmann. «Heute signalisieren Mütter schon früh, dass sie bald wieder arbeiten möchten.» Frauen, die die SQTS nach dem Mutterschaftsurlaub ganz verlassen, seien die Ausnahme. «Es sind zwar viel mehr Frauen, die Teilzeit arbeiten möchten, aber auch Männer haben diesen Wunsch. Und bei beiden Geschlechtern ist nicht nur die
Familie ausschlaggebend.»

Die Mutter zweier Kinder im Alter von acht und zehn Jahren hat zusammen mit ihrem Mann eine gute Balance gefunden: Die Kinder wurden in den ersten Jahren an drei Tagen in der Woche fremdbetreut – «das war unser Modell, das muss nicht für alle stimmen»; heute teilt sich das Paar diese Aufgabe. Peggy Schuhmann ist 90 Prozent berufstätig, ihr Mann arbeitet 50 Prozent.

Vertrauen ist das A und O
Natürlich braucht es für eine Karriere gewisse Rahmenbedingungen: Erstens müsse man privat eine Lösung finden. Die bringe einem niemand, die müsse man selber suchen. Zweitens müsse das Timing stimmen. «Ich weiss zum Beispiel nicht, ob ich den Job als Leiterin der SQTS erhalten hätte, wenn ich damals schon Mutter gewesen wäre.» Und es brauche das unbedingte Vertrauen der Vorgesetzten.

Wie schlägt sich die Migros als Arbeitgeberin für Frauen, die Karriere machen wollen? Das hänge oft weniger von der Migros ab als vom jeweiligen Chef: «Die Migros bietet die Voraussetzungen, die Vorgesetzten aber müssen sie den Frauen gewähren.» Und sie räumt ein: «Die Migros könnte hier durchaus etwas Druck aufsetzen.»

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