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Bei Rückenschmerzen ist Nichtstun kreuzfalsch

Was tun bei akut auftretenden Rückenschmerzen? Abwarten, sofort den Arzt konsultieren oder sich einer Therapie unterziehen? Meist gilt: Bewegung ist trotz Schmerzen ein Muss.

Rückenschmerzen kommen sehr häufig vor. Eigentlich so häufig wie Erkältungen: wenn nicht jedes Jahr, dann bestimmt jedes zweite Jahr.
In den meisten Fällen sind akute Rückenschmerzen harmlos und verschwinden innerhalb von zwei bis vier Wochen wieder von allein, wie ein Schnupfen auch.

ückenschmerzen gehören zum Leben – Probleme mit dieser Körperregion hat es wahrscheinlich schon immer gegeben. Der einzige Unterschied gegenüber früheren Zeiten ist der, dass man heute schneller zum Arzt geht. Die Ursachen sind meist zu wenig Bewegung und mangelnde sportliche Tätigkeit: Wenn die Muskulatur nicht trainiert wird, ist der Rücken weniger widerstandsfähig.

Langes Sitzen und einseitiges Arbeiten können zu fehlerhafter Körperhaltung und damit zu Belastungen führen. Eine relativ häufig vorkommende Ursache von Rückenschmerzen sind kleine Risse. Sie haben aber ein sehr gutes Heilungspotenzial – wie auch bei den Bändern; Bänderverletzungen werden heute oft nicht mehr operativ behandelt, da sie in vielen Fällen spontan verheilen.

Meistens nichts Ernsthaftes
Bei Rückenschmerzen kann man mit dem Gang zum Arzt bis zu zwei Wochen lang warten. Es sei denn, man hat Lähmungserscheinungen in den Beinen, Probleme mit dem Stuhlgang oder dem Wasserlösen. Oft tritt ein «Hexenschuss» auf, also eine absolute Starre im Rücken. Sie kann Angst auslösen, die Schmerzen vergehen jedoch meist innert einiger Tage. Nur sehr selten steckt etwas Ernsthaftes dahinter. Am besten
ist es, sich trotzdem zu bewegen und sich normal zu verhalten.

Wenn die Rückenschmerzen länger als zwei Wochen anhalten und nicht nachlassen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn die Rückenschmerzen immer wieder, das heisst mehrmals pro Jahr, auftreten. Dann sollte man die Beweglichkeit, den Zustand des Rückens und der Muskulatur untersuchen lassen und sie mit gezielten Übungen, zum Beispiel im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung, wieder ins Gleichgewicht bringen.

Paracetamol wenig wirksam
Bildgebende Verfahren wie MRI oder Röntgen sind sehr selten nötig. Es sei denn, man hat bei akuten Rückenschmerzen die genannten Lähmungserscheinungen. Es ist eher umgekehrt: Bei einem MRI ist immer etwas zu erkennen – es muss jedoch keinerlei Zusammenhang mit den Schmerzen haben.

Auch die Einnahme von Medikamenten wird in den neuesten Richtlinien nicht mehr empfohlen. Studien belegen, dass beispielsweise Paracetamol nicht besser wirkt als Placebo – Schmerzmittel haben keinen Einfluss auf die Dauer der Beschwerden. 

Text: Prof. Dr. PD Hannu Luomajoki, Dipl. Physiotherapeut, Medbase Archhöfe Winterthur und ZHAW (Gesundheit)

 

Erschienen in MM-Ausgabe 20
15. Mai 2017

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Kräftigen Sie Ihren Rücken mit gezielten Übungen

Bewegen Sie sich regelmässig

Vermeiden Sie Übergewicht

Verändern Sie Ihre Sitzposition und stehen Sie zwischendurch auf – man sollte nicht den ganzen Tag mit geradem Rücken sitzen, genauso wenig wie im Bürostuhl hängen.

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