Content: Home

Friede? Freude! Schrebergarten!

Die Lust am Buddeln treibt immer mehr junge Städter in die Schrebergärten. Auch Esther Amberg aus Bern hat vor einem Jahr erstmals eine Parzelle gepachtet. Ganz so glatt wie erwartet verlief der Start aber nicht.

«Von den Ferien zurück, standen wir kniehoch im Jät!», erzählt Esther Amberg (43) und schmunzelt, wenn sie an den vergangenen Sommer denkt. 2016 hatte sie mit zwei Kolleginnen in der Äusseren Enge in Bern eine 200 Quadratmeter grosse Schrebergartenparzelle übernommen. «Nachdem es im Mai und Juni fast nur geregnet hatte, ist das Grün im Juli richtiggehend explodiert.»

Prompt stand denn auch der Arealchef auf dem Platz: «Nett, aber bestimmt erklärte er uns, dass das so nicht gehe. Ob wir das Vereinsreglement nicht gelesen hätten.» Hatten die Schrebergartenneulinge natürlich nicht. Und auch keinen der vier obligatorischen Gartenkurse absolviert.

«Das Jät hatte uns bereits ausgeknockt, bevor wir überhaupt richtig losgelegt hatten», erzählt die Mutter von zwei Buben, die bei der Stadt Bern als wissenschaftliche Mitarbeiterin 60 Prozent Teilzeit arbeitet. Dabei sei sie richtig euphorisch gewesen, als sie nach zwei Jahren Wartezeit den Pachtvertrag unterschrieb. Endlich würde sie ihre Lust am Buddeln nicht nur an den paar wenigen Tomatenstauden auf ihrem Balkon aus­eben können: «An Unkraut habe ich da natürlich nicht gedacht.»

Alles neu macht der Mai

Als sich im Herbst dann auch noch die zwei Kolleginnen entschieden, aus dem Gartenprojekt auszusteigen, sei auch sie knapp davor gestanden, Rechen und Hacke an den Nagel zu hängen. Zumal es immer schwieriger wurde, die damals vier- und sechsjährigen Buben in den Garten zu locken: «Die beiden Giele fandens einfach nur noch l-a-n-g-w-e-i-l-i-g!». Ihr Mann hatte bereits im Vorfeld erklärt, weiterhin lieber biken statt gärtnern zu wollen.

Heuer ist nun aber alles anders: Zum einen erhielt Esther Amberg tatkräftige Unterstüzung durch ­einen Freund: «Wir haben zwei ­­Wochenenden lang alle Beete durchgejätet – jetzt simmer nache.» Gemeinsam haben sie auch den ­ersten der Gartenkurse besucht.

Zum anderen haben die Kinder unterdessen entdeckt, dass man in einem Schrebergarten nicht nur jäten muss, sondern auch pflanzen (vor allem Gurken, Fenchel und Kohlrabi), sägen (den kranken Zwetschgenbaum) und «göötschen» (zu jeder Parzelle gehört ein Wasserbecken) kann. Und dass auch andere Schrebergärtner Kinder haben, also eigentlich immer jemand zum Spielen zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt steigt Esthers Mann zwar noch immer lieber aufs Bike als in die Gummistiefel, sorgt aber nach seinen Biketouren jeweils für den Znacht vom Gartengrill oder übernimmt das Kinder-ins-Bett-Bringen, wenn sie mal noch länger buddeln will.

Die Schrebergärtnerin hat diese Saison nämlich noch einiges vor: So wartet bereits ein kleines Pfirsichbäumchen im Topf darauf, eingepflanzt zu werden. Auf dem Streifen zum benachbarten Rapsfeld soll neben Erdbeeren künftig auch Topinambur gedeihen, und im Minzenbeet hats auch noch ein paar Lücken. Die Kinder hätten gern Schnittmangold (so schön bunt!).

«Hühner sind ja leider verboten, sonst hätten wir unser Gartenhüsli entsprechend umgebaut.» Stattdessen will sie nun die Hütte, die sie für 200 Franken von ihrem Vorpächter übernommen hat, familientauglich einrichten. «Vielleicht streichen wir gemeinsam die Innenwände, das wäre doch ein schönes Regenwetterprojekt.»

Übrigens hat unterdessen auch der Arealchef Freude an den Schrebergartenneulingen, erzählt Esther Amberg: «Als ich ihn fragte, ob er mir ein paar Tipps zu unserem ebenfalls geerbten Kompost geben könne, hat er sogar seine Stechgabel geholt und mir geholfen, ihn neu aufzusetzen.»

 

Erschienen in MM-Ausgabe 20
15. Mai 2017

Text
Bilder
  Mag ich   Kommentare  0

 Drucken  E-Mail

Tipps

Starthilfe für Schrebergärtner

Bevor du wie auch immer loslegst: Studiere das Reglement deines Schrebergartenvereins!

Geh nicht automatisch davon aus, dass deine Lieben bei deinem neuen Hobby mitziehen: Es soll Leute geben, die lieber grillieren oder sünnelen, statt zu jäten.

Schau zu deinen neuen Nachbarn wie zu deinen Pflänzli: Sie kennen deinen Blätz Erde besser als du und können dir gute Tipps geben. Abgesehen davon sind sie verdammt nah – ganz wörtlich.

Schrebergärtner teilen gern. Umso mehr ist es Ehrensache, ausgeliehene Gartengeräte sauber und intakt zurückzugeben.

Englischer Rasen oder Naturwiese? Mono- oder Mischkultur? Jedem das Seine. Bekehrungsversuche sind immer heikel, drum lass es.

Löwenzahn und Springkraut sehen zwar hübsch aus, deren Sämlinge haben aber schon wahre Nachbarschaftskriege ausgelöst.

Greife deswegen aber bloss nicht zur Giftspritze: Unterdessen sind «Roundup» und Co. glücklicherweise in den meisten Schrebergärten verpönt bis verboten.

Beim Nachbar links lampen die Tomaten? Giess sie mit deinen Pflänzli mit – vielleicht schaffst du es ja auch mal nicht rechtzeitig in den Garten.

Alle Salatköpfe gleichzeitig bereit zur Ernte? Der Nachbar links freut sich über ein, zwei Exemplare, während der Nachbar rechts froh ist, dir ein paar Zucchetti in die Hand zu drücken. Überzählige Setzlinge werden übrigens auch gern genommen.

Übernachten im Schrebergartenhüsli ist leider fast überall verboten, das ist nun mal so. Doch pst: Ein Mal ist kein Mal, oder?

Planst du eine Gartenparty? Lade deine Nachbarschaft gleich mit ein. Ein Blick ins Schrebergartenreglement (siehe oben) lässt dich wissen, bis wann und wie heftig ihr feiern dürft.

Die beliebtesten Artikel der Rubrik

 


Kommentar verfassen


0 Kommentare

  • Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet