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Wachstumsstärke der Schweiz wird oft unterschätzt

Migros-Bank-Ratgeber: Dass unsere Wirtschaft so gut dasteht, liegt auch am harten Franken.

74 000 Milliarden Dollar: So hoch ist der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die letztes Jahr weltweit hergestellt wurden. Dieses Welt-Bruttoinlandprodukt (BIP) hat sich innert 20 Jahren mehr als verdoppelt. Dazu beigetragen hat die Zunahme der globalen Bevölkerung um 1,6 Milliarden Menschen. Wichtiger aber ist ein anderer Faktor: Den Menschen geht es deutlich besser als früher.

Die Gewinner und Verlierer der letzten 20 Jahre

So hat sich das nominale BIP verschiedener Länder in Relation zum Welt-BIP entwickelt. Lesebeispiel: Der Anteil der Schwellenländer stieg von 1997 bis heute von 22% auf 39%. Ihr Gewicht am Welt-BIP ist damit rund 80% grösser.

Die Profiteure des grösseren Wohlstands sind die Schwellenländer. Ihr Anteil am Welt-BIP stieg nämlich von 22 auf 39 Prozent. Im Gegenzug ist das Gewicht der Industrieländer von 78 auf 61 Prozent geschrumpft. Relativ gesehen sind die westlichen Länder also die klaren Verlierer der beiden letzten Jahrzehnte.

Wie die Grafik eindrücklich zeigt, gibt es allerdings grosse Unterschiede unter den Industriestaaten. Sehr erfreulich ist das Abschneiden der Schweiz, die ihren Anteil am globalen BIP halten konnte. Doch wie ist dieser Erfolg möglich? Zwar wuchs unser Land stetig, aber einen eigentlichen Boom haben wir nicht erlebt.

Die Antwort gibt die Entwicklung des Schweizer Frankens. Um das Wachstum der verschiedenen Länder vergleichen zu können, müssen die BIP-Zahlen in einer einheitlichen Währung – in der Regel in Dollar – ­gemessen werden. Weil der Franken als stärkste Währung der Welt kon­­ti­nuierlich an Wert gewonnen hat, ist auch das Wachstum der Schweiz im Vergleich zu den meisten Industrieländern stärker ausgefallen.

In der Grafik deutlich sichtbar ist der zunehmende Vorsprung gegenüber Deutschland: Obwohl unser nördlicher Nachbar punkto Wachstum zu den europäischen «Musterknaben» gehört, ist der Anteil am weltweiten BIP rückläufig. Weshalb? Ein wesentlicher Unterschied zur Schweiz besteht in der Entwicklung der Währung: Denn im Gegensatz zum Franken wertet sich der Euro immer mehr ab – womit Deutschland einen ständig kleineren Beitrag zum Welt-BIP beisteuert.

Auch wenn wir gern über den starken Franken klagen: Im Grunde ist er ein Segen für die Wirtschaft. Er hilft mit, dass die Schweiz ihre Spitzenposition im internationalen Vergleich behaupten kann.

Aktuell auf blog.migrosbank.ch: Warum der starke Franken für die Schweiz ein Segen ist.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 2
9. Januar 2017

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Der Experte

Albert Steck ist verantwortlich für Markt- und Produktanalyse bei der Migros Bank.


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1 Kommentar

Markus Peter Meier [Gast]

Geschrieben am
9. Januar 2017

Das BIP ist eine der Messgrössen für die Wirtschaftskraft von Staaten – erfreulich, dass die Schwellenländer einen grösseren Anteil am Welt-BIP haben.
Wechselkurse, wie der von der EZB tief gehaltene Euro, der vor allem die Exporte von Deutschland stützt (subventioniert) können Vergleiche erschweren.
Gemäss Bundesamt für Statistik ist das BIP der Schweiz pro Kopf seit 2008 konstant oder gar rückläufig.
Das BIP lässt sich beispielsweise steigern, wenn sich möglichst viele Leute ein Bein brechen, da dann der Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen steigt. Produktivitätssteigernd ist das ja nicht.
http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/verhaltenes-wachstum-in-der-schweiz-das-pro-kopf-einkommen-sinkt-ld.111164#kommentare
http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/meinung/die_verklaerte_zuwanderung_die_bip-pro-kopf-luege/

Vielleicht braucht es ein bessere Mass - die Arbeitsproduktivität, also die Effizienz, mit der die personellen Ressourcen im Produktionsprozess eingesetzt werden: Hier ist die Schweiz im internationalen Vergleich zurückgefallen: «Das starke und quantitative Wachstum der letzten Jahre hat nicht unbedingt die Produktivität gefördert.»
http://dievolkswirtschaft.ch/de/2015/12/busch-01-02-2016/

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