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Kann die Frankreich-Wahl den wirtschaftlichen Aufschwung bremsen?

Im Migros-Bank-Ratgeber stellt Chefökonom Christoph Sax (40) fest, die Wahlen in Frankreich überschatten den seit sechs Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Europa.

Höhere Bestelleingänge, verbesserte Umsatz- und Gewinnaussichten und sinkende Arbeitslosigkeit: Europäische Unternehmen schauen so zuversichtlich in die Zukunft wie seit sechs Jahren nicht mehr. Nicht nur
in Deutschland, sondern auch in den meisten übrigen Mitgliedstaaten der EU ist ein Aufschwung im Gang. Die Börse und der Aussenwert des Euro tragen dieser Entwicklung allerdings noch nicht vollumfänglich Rechnung.

Hauptgrund ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen will im Fall eines Wahlsiegs eine Volksabstimmung über den Verbleib Frankreichs in der EU abhalten. Sollte sie zur Präsidentin gewählt werden, wäre mit einer stark negativen Reaktion der Finanzmärkte zu rechnen. Der Euro würde wohl ebenfalls erheblich unter Druck geraten.

Umfragen zufolge kann Marine Le Pen im ersten Wahlgang am 23. April mit ähnlich vielen Stimmen rechnen wie der gegenwärtige Favorit Emmanuel Macron. In den Prognosen für die Stichwahl vom 7. Mai liegt sie jedoch deutlich hinter ihm, weil die Wähler der ausscheidenden Kandidaten hauptsächlich Macron unterstützen würden.

Selbst im Fall eines Wahlsiegs Le Pens erscheint es alles andere als klar, ob Frankreich aus der EU austreten würde. Die EU-Mitgliedschaft Frankreichs ist in der Verfassung verankert. Le Pen müsste vor dem Referendum somit vermutlich die Verfassung ändern. Dazu bedarf es jedoch der Zustimmung des Parlaments. Falls die Nationalversammlung die Verfassungsänderung wider Erwarten zuliesse, würde die Vorlage womöglich an der Urne scheitern.

Die Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts Frankreichs erscheint somit relativ gering. Wenn es trotzdem so weit käme, wäre der potenzielle Schaden für den Euro und für die europäische Wirtschaft allerdings umso grösser. Aus diesem Grund raten wir trotz der guten Konjunkturlage momentan von Aktienzukäufen ab. 

 

Erschienen in MM-Ausgabe 16
18. April 2017

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