28. März 2019

Kurzer Schwatz mit den Stars von «Dumbo»

Eigentlich wollte das Migros-Magazin eine halbe Stunde mit Starregisseur Tim Burton. Stattdessen erhielten wir je fünf Minuten mit den Darstellern Colin Farrell, Danny DeVito und Eva Green. Kann man in so kurzer Zeit tatsächlich etwas Interessantes erfahren?

Tim Burton
Regisseur Tim Burton an der Europapremiere von «Dumbo» in London. (Bilder. Gareth Cattermole/Getty, The Walt Disney Company)

«Tim! Tim! Ti-iim!» Die Rufe sind gleichzeitig ekstatisch und flehend. Sie gelten dem amerikanischen Starregisseur Tim Burton (60), der in London gerade den roten Teppich an der ­Europapremiere seines neuen Films «Dumbo» betreten hat. Auf der einen Seite des Teppichs stehen die Fans, die ihm Filmplakate für ein Autogramm entgegenstrecken, auf der anderen die Journalisten, die ihm gerne ein, zwei Fragen stellen würden.

Burton geht erst zu den Fans, unterschreibt, lässt ein paar Selfies mit sich machen, dann kurz zu einigen Journalisten, dann erneut zu den Fans. Bis zur Stelle, an der das Migros-Magazin platziert worden ist, dringt er leider nicht vor. Und dann kommt schon Hauptdarstellerin Eva Green, passend zum Namen im grünen Glitzerkleid. «Eva! Eva! Eee-vaa!» rufen die Fans. So ein roter Teppich ist nichts für schüchterne Gemüter. Wer den Star hautnah erleben will, braucht Ellenbogen und ein lautes Stimmorgan.

Eva Green gibt Autogramme und lässt sich fotografieren.
Eva Green gibt Autogramme und lässt sich fotografieren.

Demgegenüber sind Journalisten privilegiert, bekommen sie doch ab und zu die Chance für ein längeres Interview mit einem Star. Jeremy Irons hat dem Migros-Magazin schon 45 Minuten gewährt (für die Schweizer Produktion «Nachtzug nach Lissabon»), «Game of Thrones»-Autor George R. R. Martin 30, und Ian McKellen (Gandalf in «The Lord of the Rings») immerhin 20.

Gerne hätte ich zu «Dumbo» 30 Minuten mit Tim Burton gesprochen, doch der stand für Interviews nicht zur Verfügung. Also hoffte ich auf 30 Minuten mit Darsteller Danny DeVito. Zugesagt wurden mir schliesslich je fünf Minuten mit Danny DeVito (74), Colin Farrell (42) und Eva Green (38). Und ein exklusiver Stehplatz am roten Teppich bei der Europapremiere am 21. März. «Sie werden staunen, wie viel man aus sowas machen kann», versicherte mir ein Schweizer Disney-Mitarbeiter. Ein bisschen was zu staunen gabs dann tatsächlich.

Am Tag der Europapremiere vollbringen die drei Stars im Londoner Nobelhotel Corinthia einen regelrechten Interview-Marathon: Drei Stunden sind sie im Einsatz, und alle etwa sieben Minuten kommt ein neuer Medienmensch aus einem anderen Land für etwa fünf Minuten. Und alle werden dabei von einer Armada von PR-Leuten umschwärmt, die die Stars abschirmt und sicherstellt, dass ja niemand die fünf Minuten überzieht. Oder ein Selfie mit ihnen macht. Oder über was anderes spricht als «Dumbo».

Aber die drei sind absolute Profis und wirken auch nach der Halbzeit ihres Marathons noch so, als würden sie nichts lieber tun und als wäre man der Erste, der sie befragt.

Danny DeVito, von wie vielen Journalisten wurden Sie heute schon interviewt?
Ich weiss es echt nicht, aber es freut mich, Sie zu sehen!

Und ein bisschen was lässt sich tatsächlich in Erfahrung bringen. So sind zum Beispiel alle drei mit Disney-Filmen aufgewachsen, DeVito und Eva Green sogar mit «Dumbo»: «Mich hat die Liebe zwischen ihm und seiner Mutter tief berührt», sagt Green. Colin Farrell hingegen hat den Originalfilm nie gesehen und schwärmte als Kind für «Das Dschungelbuch»: «Die Idee, als einziger Mensch im Dschungel zu leben, mit all den Tieren in einer verschworenen Gemeinschaft, das hat mich sehr angesprochen. Als Kind fühlt man sich ja manchmal etwas seltsam, weiss noch nicht so recht, wie man in diese Welt reinpassen soll, da sprechen einen solche Geschichten an.»

Zirkusartist Holt Farrier (Colin Farrell) und Vandervere-Muse Colette Marchant (Eva Green) arbeiten zunächst nur mässig begeistert zusammen.
Zirkusartist Holt Farrier (Colin Farrell) und Vandervere-Muse Colette Marchant (Eva Green) arbeiten zunächst nur mässig begeistert zusammen.

Natürlich schwärmen alle drei von der Zusammenarbeit mit Tim Burton – für Farrell war es das erste Mal und ursprünglich der Grund, sich überhaupt für «Dumbo» zu interessieren. Wurden seine Hoffnungen erfüllt? «Es war magisch! Die fantastischen Sets, die grundsympathische Geschichte, die grosse Schar talentierter Zirkusartisten – und in der Mitte von all dem Chaos Tim, der seine Symphonie dirigierte.»

Tim Burton, der Dirigent

DeVito und Green hingegen gehören zur Filmfamilie des legendären Regisseurs, der auf düster-schräge Filme und Aussenseiter spezialisiert ist. «Tim ist ein sehr sensibler Filmemacher», sagt Green, «er erklärt nicht so sehr mit Worten, was er sich vorstellt, sondern spricht mit seinen Händen wie ein Dirigent. Und seine Leidenschaft ist sehr ansteckend.» Ob es Zufall ist, dass die Dirigenten-Metapher gleich zwei Mal kommt?

Angeblich sind Green und Burton ein Paar, nachdem dieser sich 2014 von seiner langjährigen Partnerin und Muse Helena Bonham Carter getrennt hatte. Soll man es wagen, Green darauf anzusprechen? Oder werden die fünf Minuten dann noch kürzer? Vielleicht besser nicht.

Für DeVito gabs gleich eine doppelte Wiedervereinigung, denn Michael Keaton war bei «Dumbo» ebenfalls mit von der Partie, wie 1992, als das Trio «Batman Returns» realisierte. «Tim und ich sind gute Freunde, und ich wäre wirklich sehr aufgebracht gewesen, wenn ich bei ‹Dumbo› nicht hätte dabei sein können. Michaels Beteiligung war dann das Sahnehäubchen. Es war wirklich ein Vergnügen, wie eine Familienzusammenkunft – mit Tim als unserem ziemlich schrägen Vater.»

Alle drei freuen sich über die deutliche Tierschutzbotschaft, die der neue Film transportiert – eine der vielen Veränderungen gegenüber dem Original. «Ich bin sehr glücklich, dass Disney so klar Position für tierfreie Zirkusse bezieht», sagt Green. «Wilde Tiere sollten niemals in Gefangenschaft gehalten werden, weder in Zoos noch im Zirkus. Ich hoffe, dieser Film trägt dazu bei, dass sich die Menschen stärker für das Schicksal von Elefanten interessieren. Wir müssen insbesondere die Wilderei und den Elfenbein-Schwarzmarkt bekämpfen, wo wir nur können.»

Danny DeVito begrüsst Fans an der Europapremiere in London.
Danny DeVito begrüsst Fans an der Europapremiere in London.

Colin Farrell bestätigt derweil, dass er es tatsächlich nicht mag, sich in seinen eigenen Filmen zu sehen – «wie so viele Schau­spieler». «Dumbo» hat er aber trotzdem angeschaut: «Er wird durch meine Präsenz weniger ruiniert als andere Filme, weil er einfach so gut gemacht ist. Das fliegende Elefantenbaby hilft natürlich auch …»

Es gelingt sogar – gegen die strikten Regeln der PR-Armada –, eine politische Frage unterzubringen, bei Danny DeVito, der 2016 bei den US-Präsidentschaftswahlen ein lautstarker Unterstützer des demokra-
tischen Kandidaten Bernie Sanders war. «Er hätte Trump damals schlagen können, und er kann das auch 2020. Jetzt haben die Wähler wirklich die Nase voll. Die USA sind eins der wenigen hochentwickelten Länder ohne eine Krankenversicherung für alle, und auch der hohe Anteil von Armen ist eines so reichen Landes unwürdig. Das müssen wir ändern.»

Am Ende liess sich dann auch noch ein Star-Selfie aus dem Hotel schmuggeln.

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