16. Oktober 2017

Kunden als Kassenleute

Wer will, kann heute seine Waren in der Migros selber einscannen. Die beliebten Subito-Bezahlstationen haben eine vergessene Urahnin: die Selbsttipp-Kasse der 60er-Jahre.

Zürich Wollishofen eine Selbsttipp-Kasse
Lange vor Subito: Eine Kundin bedient 1965 in einer Migros-Filiale, in Zürich Wollishofen, eine Selbsttipp-Kasse (Quelle MGB-Archiv).
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Als die Migros im September 2011 das Subito-System einführte, war das eine Sensation: Das Migros-Magazin schrieb von einer «Revolution an der Kasse» und erklärte, dass die Kundinnen und Kunden nun «nicht nur in ihrem eigenen Tempo einkaufen, sondern auch zahlen» konnten. Heute gehören die Subito-Stationen zum Einkaufsalltag; es ist eine Selbstverständlichkeit geworden, dass Konsumenten ihre Waren selber einscannen.

Kaum jemand weiss heute noch, dass Subito so etwas wie eine Urahnin hat: Die Rede ist von der Selbsttipp-Kasse der 60er-Jahre.
Auslöser für das Experiment waren damals die ständig wachsenden Warteschlangen in den Migros-Filialen: Die Schweizerinnen und Schweizer hatten Geld, um häufig einzukaufen. Zugleich herrschte in der Ära der Hochkonjunktur ein Mangel an Arbeitskräften, und es war schwierig, genügend Kassenpersonal zu finden.

Darum wurden in einer Migros-Filiale, in Zürich Wollishofen, 1965 versuchsweise 14 Kassen aufgestellt, an denen die Kunden ihre Einkäufe selbst eintippen konnten. Anschliessend begaben sie sich an die sogenannten Endkassen, wo Migros-Mitarbeiter den Gesamtbetrag registrierten und einkassierten.


Das System erwies sich aber als zu kompliziert und fehleranfällig. Immer wieder tippten Kunden in der Hast falsche Beträge ein. Nach vier Jahren beendete die Migros den Versuch. Erst 42 Jahre später machte es der technische Fortschritt möglich, dass die Selbsttipp-Kasse als viel praktischere Subito-Bezahlstation zurückkehrte.

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