18. Juli 2017

Komplexe Kleiderordnung

Die Sache mit der Anzieherei im Hause Vogt ist schwieriger als in Wimbledon.

Die Wickelkommode – ein echt komplizierter Ort im Kinderzimmer
Die Wickelkommode – ein echt komplizierter Ort im Kinderzimmer (Bild: zVg).
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Verglichen mit den Problemstellungen eines Twindads war seine Maturitätsprüfung ein Klacks.

Damals: Ich schrieb im Vorbeigehen Buchabhandlungen, parlierte Französisch, zog Wurzeln im Quadrat und führte Buch, wie das ein Profibuchhalter eben so tut. Ämu fast.

Heute: Kurze oder lange Hosen? Body oder T-Shirt? Schuhe, Schuhe, welche Schuhe? Und wenn ja, wo ist das alles, verdammt?

Meine Frau Claudia muss mir jede Woche neu erklären, welche Kleider jetzt wo versorgt sind. Und selbst das nützt nicht viel: Informationen wie diese werden in meinem Bürogummihirni so abgespeichert, dass sie zum richtigen Zeitpunkt ganz sicher nicht abrufbar sind. Zu meiner Ehrenrettung darf ich immerhin hinzufügen, dass a) unsere Wickelkommode (echt!) viele Fächli und Tablärli hat und b) sie (die Frau) die Kleider ebenfalls im Wochentakt (quasi) umräumt.

Doch damit nicht genug: Finde ich nach langem Suchen doch noch das gefühlt richtige Kleidungsstück, wars dann halt in Tat und Wahrheit doch das falsche. Präsentiere ich Claudia einen frisch angezogenen Buben, könnte sich folgender Dialog entwickeln:

«Was hast du ihm jetzt schon wieder angezogen?»

«Öppe das, was du mir letztes Mal gezeigt hast!» (empörte Stimme)

«Ja, aber da war es noch Winter und etwa fünf Grad kalt.» (noch empörtere Stimme)

«…»

Zustände wie in Wimbledon

Als Vollzeit arbeitender Teilzeitpapi fehlen mir am Schluss meist die Argumente, um die Diskussion zu meinen Gunsten zu entscheiden. Womit? Mit Recht, vermutlich. Aber item, das ginge ja alles noch. Seit die beiden Jungs jedoch eine eigene Meinung zu ihren Klamotten haben, ist die Gesamtsituation nicht wesentlich einfacher geworden. Im Gegenteil.

Während sich Felix mehr schlecht als recht (also gar nicht) für einen Pulli entscheiden kann – oder jeden Vorschlag konsequent ablehnt –, wählt Bastian oft das erstbeste Kleidungsstück. Damit ist, natürlich, der Entscheid von Felix gefallen: Er will nun das, und nur das, was sein Zwillingsbruder trägt. Manchmal lässt sich dieser umstimmen und dazu bewegen, das Libli mit dem «Müsli» auszuziehen und sich stattdessen ins «Bärli» zu werfen. Doch wer sich jetzt freut, hat die Rechnung nicht mit Felix gemacht:

«BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄRLI».

Ich dachte, die Spieler und Zuschauer in Wimbledon hätten eine komplexe Kleiderordnung zu befolgen. Aber wir haben, ganz offensichtlich, unser eigenes «Windeldon».

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