18. November 2019

Für Komiker Hape Kerkeling ist das mit Prinz Harry vorbei

In «Die Eiskönigin 2» kommt es ab 20. November zum Wiedersehen mit dem liebenswürdigen Schneemann Olaf, dem der deutsche Komiker und Autor Hape Kerkeling seine Stimme leiht. Ein Gespräch über Disney-Helden, Adlige, Ritterorden und legendäre Gags.

Schneemann Olaf mit Rentier Sven
Schneemann Olaf und Rentier Sven verstehen sich ohne Worte.
Lesezeit 7 Minuten

Herr Kerkeling, wann haben Sie zuletzt einen Schneemann gebaut?
Das ist, ehrlich gesagt, schon ein paar Tage her. Ich denke, da war ich etwa zehn Jahre alt. Der war so gross wie dieser Papp-Olaf, der da in der Ecke steht. (Zeigt auf den kindshohen Kartonschneemann, der neben der Eingangstür platziert ist.)

Wo war das?
Bei uns vor dem Haus, in Recklinghausen im Ruhrgebiet.

Hätten Sie gern einen Olaf als Freund?
Dass so ein Schneemann lebendig wird, ein Herz hat und zum Freund wird, finde ich eine tolle Vorstellung. Ich glaube, den Olaf hätte jeder gerne als Freund – auch ich.

Was mögen Sie an ihm?
Er ist liebenswürdig. Ich mag die Art und Weise, wie er die Welt sieht. Zudem hat er eine gesunde Naivität. Man kann bestimmt eine Menge von ihm lernen.

Im neuen Film machen Olaf und seine Freunde sich auf eine abenteuerliche Reise durch einen Zauberwald. Trotz unheimlicher Umgebung ist der Schneemann überzeugt, dass eines Tages alles Sinn ergeben und er alles verstehen wird. Wie sehen Sie das?
Ich finde, dass Olaf recht hat. Er soll hoffen, dass er als Erwachsener alles versteht. Das sollen alle Kinder hoffen. Die Wahrheit ist, dass man später noch viel weniger versteht. Man versteht aber, warum man so wenig versteht. Das ist ja auch schon etwas.

Wo sind Sie wie Olaf?
Ich versuche, in die Welt zu gucken wie er. Ich halte nach dem Guten Ausschau.

Und werden Sie fündig?
Manchmal. (Lacht) Doch, man wird immer fündig. Ich habe viel mit anderen Menschen zu tun, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht eine positive Begegnung habe.

Hape Kerkeling (54)
Hape Kerkeling (54) spricht im neuen Film «Die Eiskönigin 2» den Schneemann Olaf.

Was unterscheidet Sie von Olaf?
Ich glaube, ich bin ungeduldiger als er. Die Ungeduld ist mir in die Wiege gelegt. Zum Beispiel, wenn ich bei der Post anstehen muss. Ich nehme das dann aber als kleine Meditationsübung. Das mache ich immer, wenn ich irgendwo warten muss.

Olaf ist im neuen Film wissbegierig. Wo wissen Sie noch zu wenig?
Ich bin neugierig auf alles. Auf fremde Kulturen, auf andere Länder, auf Geschichte – ich lerne immer noch dazu, was die Geschichte unseres Planeten und der Menschheit angeht. Und ich bin neugierig, was das Lernen neuer Sprachen betrifft. Früher dachte ich, dass Neugierde kein guter Charakterzug ist. Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich so bin.

Wie sind Sie dazu gekommen, den Olaf zu sprechen?
Disney hat mich angefragt, das war im Jahr 2013. Da wusste ich noch nicht genau, worum es geht, aber ich habe zugesagt. Und diese Zusage habe ich nie bereut.

Wie sind die ausgerechnet auf Sie gekommen?
Ich unterstelle den Leuten von Disney, dass sie gucken, wer auch vom Typ und Charakter her auf die Figur passt. Ich interpretiere das so, dass sie mich für liebenswürdig, ein bisschen naiv und irgendwie doch lebensklug halten. Das hat mir natürlich geschmeichelt.

Was ist die Herausforderung beim Sprechen dieser Rolle?
Dass die Originalsprache, also Englisch, prägnanter und knapper ist – sowohl bei Pointen als auch bei emotional starken Sätzen. Im Deutschen braucht man für die gleiche Aussage oft etwas länger. Und wir haben ja trotzdem nur die 20 Sekunden des Original-Takes. Das dann auch noch lippensynchron zu gestalten, ist nicht immer ganz einfach.

Was machen Sie, wenn ein Satz viel zu lange dauert?
Man entscheidet gemeinsam mit der Regisseurin, dass man ein, zwei Füllwörter wie «aber», «doch» oder «nur» rausnimmt. Wenn die Situation oder der Satz es jedoch verlangt, dass jedes Wort stattfinden muss, dann muss ich auf die Tube drücken.

Wenn ich selber dann Olaf zum ersten Mal mit meiner Stimme höre, kann es mir schon passieren, dass ich darüber lachen muss.

Müssen Sie manchmal selber lachen nach einer witzigen Aufnahme?
Manchmal höre oder sehe ich durch die Scheibe, dass sich Regisseurin, Toningenieur und Produktionsleute köstlich amüsieren. Das heisst für mich, dass alles gepasst hat. Wenn ich selber dann Olaf zum ersten Mal mit meiner Stimme höre, kann es mir schon passieren, dass ich darüber lachen muss. Ich habe die Gags ja nicht geschrieben, insofern darf ich das auch.

Hätten Sie Olaf als Kind lustig gefunden?
Ja. Er wäre sicher auch einer meiner Lieblingsdisneyfiguren gewesen.

Welche waren das denn?
Ich mochte alle: Mickey, Donald, Goofy, Pluto, Peter Pan, Schneewittchen, Cinderella, Bambi, Klopfer, Tim und Struppi – ich könnte jetzt alle aufzählen.

Heute tragen die Kinder Elsa-Kostüme und gehen mit Olaf-Rucksäcken zur Schule. Was war damals anders?
Gar nicht so viel: Ich besass meine Helden als Spielzeugfiguren. Es gab bereits Merchandising, nur Produkte wie Bettwäsche konnte man vielleicht noch nicht kaufen. Auch Themenpartys zu einem bestimmten Film haben wir noch nicht gefeiert. Aber man hat schon die Filme nachgespielt. Ich selber hatte neben den Figuren auch zahlreiche T-Shirts. Die passen mir jetzt nicht mehr, aber die Figuren habe ich noch.

Sind sie ausgestellt bei Ihnen zu Hause?
Nicht alle, aber einige. Von den anderen weiss ich aber genau, wo sie sind.

Sie haben als Achtjähriger die Mutter verloren und lebten dann bei Ihren Grosseltern, wo Sie viel fernsehen durften. Vermochten lustige Filme Sie aufzuheitern?
Ich habe viel ferngeschaut, das stimmt. Allerdings fing das Programm erst um 17 Uhr an und war für ein Kind um 19 Uhr schon wieder beendet. Es waren also zwei Stunden am Tag. Ich sah das Fernsehen immer als ein unglaubliches Fenster hinaus in die Welt. Das «fern Sehen» macht ja aus, dass man etwas sieht, das nicht an dem Ort stattfindet, an dem man gerade ist. Ich fand das schon immer faszinierend, das ist doch Zauberei!

Welche Rolle spielen Geschichten im Leben von Kindern?
Geschichten sind ganz wichtig. Da hat gerade Disney eine besondere Aufgabe. Die Filme vermitteln ja immer eine hohe Moral. Disney hat dabei stets den richtigen Ton getroffen, finde ich. Die Geschichten sind immer versöhnlich und verbindend, sie streben nach Gemeinsamkeiten und nicht auf das Gegeneinander. Es werden schöne ethische Ansprüche verkörpert. Auch im neuen Film geht es wieder um hohe Werte. Darum etwa, die eigene Bestimmung zu finden. Das hat einen philosophischen, spirituellen Aspekt.

Königin Elsa, Prinzessin Anna, Kristoff und Sven
Sie retten das Königreich Arendelle: Königin Elsa, Prinzessin Anna, Kristoff und Sven

Besonders beliebt sind Geschichten, die sich um Könige, Prinzessinnen und Schlösser drehen – die funktionieren seit eh und je. Können Sie sich erklären, warum?
Ich weiss es nicht. Aber ich glaube, dass wir alle ein Fantasiekönigreich in uns tragen. Das Königreich Arendelle von «Die Eiskönigin» zum Beispiel ist eine grosse Fantasiewelt, die auch in einem Menschen schlummern kann. Vielleicht ist das der Grund.

Sie selber wissen ja auch über die realen Königshäuser Bescheid …
(Unterbricht) Fragen Sie!

Wie bitte?
Fragen Sie, ich kann es Ihnen beantworten.

Was ist da aktuell so los? Was muss man wissen, um mitreden zu können?
Also: Bei Charlène und Albert von Monaco … Ich will nicht behaupten, dass es kriselt, aber sie ist ein bisschen von der Bildfläche verschwunden. Das gibt mir zu denken. In England vermute ich, dass sich Charles peu à peu darauf vorbereitet, bald in die Fussstapfen seiner Mutter zu treten. Ich glaube, dass die Queen so langsam das Zepter fliessend abgibt – Camilla wird wohl Königin werden. Bei Máxima und Willem von Holland müssen Sie sich keine Sorgen machen, da ist alles in Ordnung, das kann ich Ihnen garantieren. Die haben drei wunderbare Töchter. Bei Frederik und Mary von Dänemark ist auch alles bestens. Ich mach mir allerdings ein bisschen Sorgen um die Spanier.

Um die Spanier?
Genau, um Letizia und Felipe. Da gibt es Rücktrittsforderungen. Die Katalanen wollen keinen König mehr. Das finde ich persönlich bedauerlich. Nicht zuletzt, weil ich von König Juan Carlos I., also vom Vater von Felipe, einen Orden verliehen bekommen habe.

Was?
Kein Scherz, ich gehöre in Spanien quasi zum Adel. Ich habe einen Titel bekommen, der nennt sich Komtur. Das ist ein geistlicher Ritterorden.

Wie kam es dazu?
Das war wegen meinem Buch «Ich bin dann mal weg» über den Jakobsweg. Ich gelte in Spanien seither als «Herausragender», aber ich will Sie damit nicht langweilen.

Sie waren doch auch mit Prinz Harry auf Facebook befreundet.
Das stimmt! Ich war mit Harry auf Facebook befreundet – das endete jäh. Ich wurde auch nicht zur Hochzeit eingeladen. Ich finde, wenn man Facebookfreunde ist, könnte man sich ja einladen. (Lacht) Ich bin allerdings gar nicht mehr bei Facebook. Und das mit Harry, das ist vorbei.

Sie waren selber auch einmal ein Royal: Als Königin Beatrix der Niederlande verkleidet, marschierten Sie ins Schloss Bellevue in Berlin – und alle fielen darauf herein. Einer Ihrer erfolgreichsten Gags überhaupt. Wie fühlte sich das an?
Wenn ich gewusst hätte, dass das so gut gelingt, hätte ich es mehr genossen. Manchmal sehe ich die Aufnahmen wieder und denke: unglaublich! Als ich das Video zum ersten Mal geschnitten gesehen habe, dachte ich: Das kann man nicht ausstrahlen, was ist daran witzig?! Und meine Redakteurin sagte: «Du täuschst dich, das ist witzig!» Sie hat das ganze Team zusammengetrommelt, und die mussten sich das ansehen. Bald kugelten sich alle lachend auf dem Boden.

Und dann?
Der Rest ist Gott sei Dank Fernsehgeschichte.

Was sind Sie denn nun lieber, ein Royal oder Olaf?
In meiner momentanen Lebenssituation bin ich wahnsinnig gerne der Schneemann. Wir leben in schwierigen Zeiten, in denen Liebenswürdigkeit und ein positives Lebensgefühl immer mehr abhandenkommen. Da ist ein Olaf dringend nötig.

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Joel Basman und Hans Kaufmann

Der Filmstar und sein Erstlingsregisseur

Vom Spielvirus angesteckt: André Marti und Michaela Tartnutzer leiten die Spielgilde.

Dem Spieltrieb verfallen

Farbige Grafik

Wo Python keine Schlange ist

Viola Amherd

Armee soll für Junge attraktiver werden