31. März 2014

Kleine Panne mit der Hacke

Eigentlich wollte Marisa Flores ja ihren Plattenweg fertig verlegen, nun hat ihr Teich ein Loch. Gartenbloggerin Almut Berger nimmt einen Augenschein.

Maria Flores mit Schubkarre in ihrem Garten
Eine Frau, eine Garette: Marisa Flores sprüht vor Ideen für ihren Garten und setzt sie auch selber um – Muskelkater hin oder her.

«Was, ‹Bohne, Bluescht & Berger› will meinen Garten porträtieren?» Marisa Flores (50), Gartenblog-Userin der ersten Stunde, reagiert am Telefon erst einmal erschrocken. «Mein Garten ist die reinste Baustelle», warnt sie, «ich verlege gerade den Gartenweg, damit mein Jüngster endlich sein eigenes Buddelbeet bekommt.» Und die Wiese sehe aus, als habe eine Herde Elefanten darauf Fussball gespielt und nicht nur der ältere Sohn mit seinen Kumpels. Und ja, den Kompost habe sie auch noch nicht umgeschichtet und blühen täte im Übrigen wenig bis gar nichts.

Kiste mit Tomatenkeimlingen.
In der warmen Stube wachsen Tomatenkeimlinge dem Sommer entgegen.

Eine Woche nach dem etwas hektischen Telefongespräch ist alles anders: In Beinwil am See AG regiert der Frühling, Blausterne, Märzenbecher, Primeli und Zaubernuss blühen um die Wette, und selbst die uralte Pfingstrose, Marisa Flores’ Lieblingsstaude und daher auch ihr Profilbild (siehe Box rechts) bei «Bohne, Bluescht & Berger», hat erste Knospen angesetzt. Und die Haus- respektive Gartenherrin, die im realen Leben nicht Marisa Flores, sondern Marisa Djiro heisst und zwei Tage pro Woche als Pharmaassistentin arbeitet, sitzt entspannt auf dem Bänkli neben der Terrassentür und streicht Familienkatze Mari übers schwarze Fell.

Der Brunnendrache in Marisa Flores Garten.
Der Brunnendrache speit kein Feuer, aber auch kein Wasser: Die Quelle ist versiegt.

Dabei hätte sie gerade jetzt allen Grund, wie auf Nadeln zu sitzen. Zu ihren diversen Gartenbaustellen hat sich nämlich unverhofft eine weitere gesellt: Der Teich, den die begeisterte Hobbygärtnerin vor drei Jahren zusammen mit ihrem Mann Harouna (35) angelegt hatte, verlor über Nacht nahezu alles Wasser. «Erst habe ich gedacht, die Folie sei spröde», erzählt sie. «Doch dann ist mir eingefallen, dass unser Sohn Nouha tags zuvor mit einer Hacke beim Teich zugange war.» Der Siebenjährige habe all das grünbraune Geschluder aus dem Teich fischen wollen – und dabei wohl versehentlich ein Loch in die Folie gehackt. Anders als sein Bruder Tas (9) sei Nouha nämlich äusserst garteninteressiert und helfe fleissig mit. In dem Fall sei das Ganze aber wohl schiefgelaufen. «Jänu, jetzt muss der Gartenweg halt noch einen Moment warten.» Wie sie die Teichreparatur anpacken soll, ist Marisa Flores aber noch nicht wirklich ganz klar. «Vielleicht kriege ich ja Hilfe auf dem Gartenblog», hofft sie. Eile tut auf jeden Fall not. Denn: «Bereits haben einige Frösche gelaicht, und die ersten Molche werden wohl auch schon bald eintreffen.»

Ein Platz an der Sonne: Die Stufen bieten einen Rundumblick auf den Garten.
Ein Platz an der Sonne: Die Stufen bieten einen Rundumblick auf den Garten.

Die Djiros haben das aus dem Jahr 1898 stammende Handwerkerhaus mit rund 600 Quadratmeter Land vor vier Jahren übernehmen können. Besondere Freude bereiten ihnen der uralte Apfelbaum und die zwei Zwetschgen, die den Buben auch als Klettergerüst dienen. «In unserem ersten Jahr hier wusste ich gar nicht, wohin mit all den Früchten», erzählt Marisa Flores, «dafür herrschte dann im Jahr darauf tote Hose.» Jetzt hofft sie einfach, dass sich der Winter nicht noch einmal zurückmeldet: «Frost und Bienen, das geht nämlich gar nicht zusammen.»

Praktisch: Das Dachwasser wird in einem grossen Tank aufgefangen.
Praktisch: Das Dachwasser wird in einem grossen Tank aufgefangen.

An der Hauswand schlingt sich eine ebenfalls alte Weinrebe hinauf zum Dach, daneben steht ein kleiner Feigenbaum. «Der war mal riesig, kaum zu glauben! Als wir dann aber im Badezimmer überhaupt kein Tageslicht mehr hatten, schnappte ich mir die Motorsäge.» Unglücklicherweise sei der folgende Winter besonders hart gewesen. «Ein Weile dachte ich, die Feige habe meine Aktion nicht überlebt. Nun treibt sie immerhin wieder aus.» Vorsichtig untersucht sie eine Knospe. «Vielleicht trägt sie ja dieses Jahr.»

Marisa Flores mit der Schaufel am Gartenteich.
Während im Teich Ebbe herrscht entwickelt sich der Garten zum Blumenmeer.

Him-, Brom-, Johannis- und Cassisbeeren – Früchte sind auch sonst stark vertreten im Familiengarten. Ein Neuzugang ist eine Aronia oder Apfelbeere, deren Früchte an Heidelbeeren erinnern. «Die Aronia hat sich mein Mann ausgesucht.» Eigentlich sei Gärtnern nicht so sein Ding, formuliert Marisa Flores es diplomatisch und schmunzelt. «Aber die Früchte meiner Gartenarbeit schätzt er dann doch sehr.» Was sie im Gemüsegarten pflanzen will, hat sie noch nicht entschieden. Härdöpfel sicher. Und Buschbohnen. Letztes Jahr habe sie erstmals Bohnen gesteckt: «Meine Buben haben sie geliebt.» Tomaten wird sie wohl wie bisher in Kübeln an der Hauswand ziehen. «Ich wälze ja schon ewig Pläne für ein Tomatenhaus aus den alten Fenstern, die ich beim Hausumbau gerettet habe.» Aber ob sie das diesen Frühling noch schaffe nach dem Teichdebakel, bezweifelt sie.

«Was solls, das wird schon irgendwann!» Sagts und beugt sich über einen Trupp gelber Sternchen. «Was haben wir denn da? Da muss ich nachher unbedingt noch ein Foto auf den Gartenblog stellen, vielleicht kennt das jemand.» Erst wolle sie aber noch die Schneeglöggli einpflanzen, die in einem Mörtelkessel vor sich hindarben. «Die habe ich hier im Quartier von einer Baustelle gerettet.» Baustelle? Anscheinend haben auch Baustellen ihre guten Seiten.

Fotografin: Almut Berger

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