27. November 2017

Kleine Kunden

In der Frühzeit der Migros wollten sich manche Erwachsene auf keinen Fall in Gottlieb Duttweilers Läden sehen lassen. Lieber schickten sie ihre Kinder zum Einkaufen.

drei Kinder in einer Migros-Filiale der 50er-Jahre
Ohne Erwachsene unterwegs: drei Kinder in einer Migros-Filiale der 50er-Jahre. (Quelle: MGB-Archiv)
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Die Szene wurde etwa im Jahr 1955 fotografiert: Zwei Buben und ein Mädchen kaufen in einer Migros-Filiale ein. Erwachsene sind nicht im Bild. Es sieht so aus, als würden sich die drei Kinder ganz selbständig im Laden bewegen, als hätten sie keine Mühe, die richtigen Waren zu finden.

Haben die Eltern also keine Zeit zum Einkaufen? In den 50er-Jahren hatte es manchmal auch ganz andere Gründe, wenn Mädchen und Buben unbegleitet in der Migros auftauchten: Gottlieb Duttweilers Unternehmen war damals noch heftig umstritten. Die Läden mit dem orangen M waren zwar enorm erfolgreich: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wollten von den günstigen Migros-Preisen profitieren. Doch weil «Dutti» den etablierten Detailhandel aufmischte, zog er sich den Hass alteingesessener Ladenbesitzer zu. Ihre Wut richtete sich auch gegen die Migros-Kunden, die bisweilen sogar bedrängt und beschimpft wurden.

Darum wollten sich manche Erwachsene auf keinen Fall in der Migros blicken lassen und schickten lieber ihren Nachwuchs zum Einkaufen. Und aus dem gleichen Grund machten Migros-Filialen an weniger belebten Strassen und Plätzen oftmals den grössten Umsatz. Denn an solchen Orten konnte man unentdeckt einkaufen.

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