Leser-Beitrag
19. Oktober 2017

Kleidersammlung

In Florian Riners Gedanken zur Vorbereitung auf den Winter geht es um (mehr als) Winterkleider.

Vorbereitung auf den Winter

Die letzten Tage im Nebel haben ihr zugesetzt.

«Wo ist meine Jacke!»

Die Frage, der Schrei, ist an niemand Bestimmten gerichtet. Das Wühlen im übervollen Wandschrank scheint sie zu beruhigen.

Die Hunde haben sich konsterniert in eine Ecke unter der Heizung zurückgezogen. Große, verwunderte, verängstigte Augenpaare blicken in die abendliche, dunkle Wohnung.

«Wo ist die Mütze, die Handschuhe?»

Franklin winkt die Jungs mit einem Handzeichen, packt Leine und Halsbänder. Alle drei scheinen die Situation richtig einzuschätzen, hecheln freudig. Draußen vor dem Gartentor legen sie ruhig das Geschirr an und schleichen über farbiges Laub in den Herbstabend. Die schwächelnde Sonne wirft ihre Schatten auf den Boden. Der Himmel, am Horizont in ein wunderbares Rot gehüllt, ein weisser Schleier am Kämpfen mit dem noch sommerlichen, klaren Blau,

Durch einzelne Windböen lösen sich farbige Blätter, tänzeln im Wind zu Boden. Rot, gelb, braun, verschiedene Nuancen. Die Baumkleider werden lichter, vereinzelt werden Stämme und Äste noch von saftigem, grünem Efeu eingekleidet.

Am Straßenrand stehen weiße Säcke. Kleidersammlung.

Franklin lässt die Hunde an die Beutel pinkeln, dreht um und eilt zurück. Ein Gedankenblitz durchzuckt ihn. Die Presse überschlägt sich mit Artikeln von Armut im Land.

In der Wohnung angekommen, werden sie schon angeschnauzt,

«Hast du meine braunen Schuhe gesehen?»

Die Partnerin gebückt am Wühlen, zwischen ordentlich zusammengelegten Kleiderbüscheln, einem ausgeräumten gebündelten Haufen.

«Schatz, ich helfe dir suchen. Ich packe die Kleider in die weißen Säcke, so kannst du sie nachher leichter einräumen.»

«Jaja, super, aber bitte sortiere alles.»

Pia wundert sich an diesem Abend darüber, dass im Schrank, nachdem sie ihre Winterjacke, Pullover und Schuhe gefunden hat, nach dem Verstauen noch so viele Regale leer sind. Sie überlegt nicht weiter, freut sich auf den morgigen Tag. Gedanken plagen sie. Die Sachen sind gewaschen, in, noch modisch, aber sie muss dennoch dringend neue Kleider haben. Irgendetwas fehlt.

Franklin öffnet an diesem Abend eine Flasche Wein. Eigentlich müsste er ja glücklich sein. Mehrere, prall gefüllte weiße Säcke sind von der Kleidersammlung abgeholt worden. Wahrscheinlich werden sich viele Menschen an noch neuwertigen Kleider erfreuen. Doch sein Plan hat, für das nächste Mal, noch Details, welche zu korrigieren sind.
Ansonsten seine Geldbörse zu leiden hat.

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