25. Januar 2018

Kirschen essen mit Marla Glen

Als die US-Sängerin Marla Glen auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt war, half ihr die Zürcherin Claudia Bossert wieder auf die Beine. Seither geht es wieder bergauf – und die beiden Frauen verbindet eine herzliche Freundschaft.

Claudia Bossert und Marla Glen sind Freundinnen
Zürcher Confiseurin coacht US-Sängerin: Claudia Bossert und Marla Glen sind Freundinnen – und stets für ein Spässchen zu haben.
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«Kann man etwas tun für dich?», schrieb Claudia Schmid vor drei Jahren auf Facebook. Die Frage der Confiseurin aus Zürich galt der US-amerikanischen Sängerin Marla Glen (58): Die hatte gerade ihrem Frust über ihr Leben, über fehlende Auftritte und das Musikbusiness Ausdruck gegeben. Claudia (inzwischen hat sie geheiratet und heisst Bossert) ging das Elend des Stars nahe. «Marla war als Teenager mein grosses Idol», sagt die 40-Jährige. «Ich fand, wenn ich etwas für diese grossartige Sängerin tun kann, mache ich das.»

Auf den Online-Chat folgte bald ein erstes Treffen: Marla stieg in Köln, wo sie damals wohnte, in den Zug und fuhr in die Schweiz. Beide wussten nicht, was sie erwartete – in Affoltern am Albis ZH stieg dann eine Party, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Danach engagierte die Zürcher Confiseurin die Sängerin sogleich als Act für die Feier des einjährigen Bestehens ihrer Chocolaterie «CDG Schmid – Leckereien aus Meisterhand».

«Ich vertraue schnell», sagt Marla Glen mit ihrer unverkennbar rauchig-tiefen Stimme. Sie sitzt an einem langen Holztisch backstage in der Mühle Hunziken in Rubigen BE, schwarzer Hut, golden schimmernder Anzug, Schlangenlederschuhe, und zieht an einer Zigarette. Ihre Gesichtszüge sind androgyn, ihr Lachen ist kehlig, ihr Witz trocken und schnell. Ihre Aura hat etwas Unwirkliches. Es scheint, als wäre sie dem glamourösen Chicago der 1930er-Jahre entstiegen.

Doch die Szene ist ganz real: Freudig begrüsst und herzt sie Claudia Bossert und ihren Mann Beat (43) bei deren Ankunft. Man spürt: Die Zürcherin ist viel mehr als ein treuer Fan. Sie ist mittlerweile Teil der Band. Die beiden Frauen chatten und telefonieren regelmässig, sie haben einander mehrmals besucht, und Claudia kümmert sich um die administrativen Angelegenheiten der Sängerin, sorgt immer wieder für Auftrittsmöglichkeiten. Sie begleitet sie an Konzerte, auch um sich mit den Veranstaltern auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Wieder von guten Menschen umgeben

Vor 25 Jahren, 1993, brachte es Marla Glen mit ihrem ersten Album «This is Marla Glen» und Songs wie «The Cost of Freedom» zu Weltruhm. Doch sie sah nicht viel von dem Geld, das ihre Arbeit einbrachte: Immer wieder wurde sie um ihre Gagen, Tantiemen und Rechte geprellt. Denn sich um Papierkram zu kümmern, war noch nie ihr Ding gewesen. Ihr Ding ist die Musik, die Bühne. Sie will die Leute begeistern, sie mit ihrer Musik mitten ins Herz treffen.
Bald folgten psychische Probleme. Marla Glen genehmigte sich gern ein Glas zu viel, und sie gab ein paar schwache Konzerte. Ihr Ruf war ramponiert – schliesslich verschwand sie in der Versenkung.

Heute ist alles anders. Marla Glen hat neue Songs, ein aktuelles Album ist in Produktion. «Seit ich Claudia kenne, habe ich wieder gute Menschen um mich», schwärmt die Sängerin, die heute in Oppenheim (D) lebt. «Claudia ist loyal und meint auch wirklich, was sie sagt. Sie ist keine von denen, die es auf mein Geld abgesehen haben», sagt sie, um mit ihrem typischen Lachen sogleich anzufügen: «Geld, das ich gar nicht habe!»

Claudia bleibt realistisch. Um etwas bewirken zu können, ist sie auf die Hilfe von Fachleuten aus der Musikwelt angewiesen. «Aber es ist natürlich aufregend, auf diese Weise in die Musikwelt abzutauchen.»
In ihrem eigenen Geschäft ist die Zürcherin hingegen ein Profi. Sie gehört zu den besten Konditoren der Schweiz. 2011 hat sie den «Swiss Chocolate Master» gewonnen, an den «World Chocolate Masters» in Paris erreichte sie als erste Schweizerin die Top Ten, und sie hat zahlreiche renommierte Branchenauszeichnungen eingeheimst.

Seit drei Jahren produziert sie in ihrer eigenen Chocolaterie Feines für Delikatessengeschäfte, etwa für Globus. Auch für Marla Glen hat sie schon Törtchen angefertigt – mit dem Konterfei der Sängerin.
Die beiden Frauen waren sogar zusammen in der Manufaktur aktiv, ganz privat: Sie assen in Alkohol eingelegte Kirschen, die sie vorher in flüssige Schokolade getunkt hatten. «Das war sehr amüsant», sagt Claudia. «Ich war nach drei Kirschen total betrunken!», sagt Marla Glen laut und lacht.

Schon als Kind war Marla Glen wild, unzähmbar und zu Spässen bereit. Und schon als Kind hielt man sie oft für einen Jungen. Fühlt sich die Sängerin denn als Mann oder als Frau? «Als Marla Glen», lautet ihre Antwort. Und was meint Claudia Bossert? «Ich frage nicht danach. Ich nehme sie einfach so, wie sie ist. Ich glaube, das schätzt sie.»
Die Postkarten an Claudias Bosserts Töchterchen jedenfalls unterschreibt die Sängerin mit «Uncle Glen». 

Marla Glen in Concert: 3.2., Chesselhuus, Pfäffikon ZH; www.chesselhuus.ch/events/marla-glen
www.marlaglen.net

Marla Glen und Claudia Bossert

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