16. Februar 2015

Kinder kosten: Je älter, desto teurer

In welchem Alter steigt der finanzielle Aufwand für den Nachwuchs? Wie viel spart die Durchschnittsfamilie beim Konsum für das Kind? Die Zahlen und Fakten des Bundes im Überblick.

Eltern schwingen Kind
Nicht alle meistern den neuen Budgetposten «Kind» spielend. (Bild: Getty Images)

Die Familien-Initiative möchte die ökonomische Belastung von Schweizer Familien lindern, indem die Kinder- und Ausbildungszulagen generell von der Steuerpflicht befreit werden. Diese Zulagen sind je nach Kanton unterschiedlich hoch, liegen seit 2009 gesamtschweizerisch aber bei mindestens 200 Franken pro Monat vor und mindestens 250 während der Ausbildung.

Für Befürworter wie Gegner dreht sich die Diskussion vor allem darum, ob diese Verbesserung wie vorgesehen allen zugute kommen soll – auch jenen, bei denen dank hoher Einkommen die Besteuerung der Zulagen wenig ins Gewicht fällt. Kritiker meinen: Bessergestellte profitieren so prozentual viel stärker von der Steuerbefreiung als die schlechter Verdienenden.

Die Initianten aus der CVP halten dem entgegen, dass es durchaus willkommen sei, auch in Familienbudgets ohne jedes Armutsrisiko etwas mehr auszugleichen, was Kinder an Kosten verursachen. Dies fördere die Motivation, (mehr) Kinder gross zu ziehen.

Wäre der Beschäftigungsgrad ohne Kind höher?

Doch wie viel kosten Kinder wirklich? Natürlich sind die Kostenfolgen stark von der Arbeitstätigkeit der Eltern (Doppel- oder Einzel-Verdiener, alleinerziehend), deren Lohn, dem Bedarf an externer Betreuung, aber auch von der Wohnregion, der Wohnungsgrösse oder einfach der Anzahl Kinder abhängig. Am schwierigsten einzuschätzen ist nur schon die Frage, ob bei einem Paar mit Kind(ern) der Beschäftigungsgrad deutlich höher wäre, wenn es kinderlos leben würde – und wie viel.

Anders gesagt: Kinder kosten als Ausgaben einen bestimmten Betrag, in der Regel jedoch mindestens ebenso viel in Form von entgangenem Verdienst. Auf der Gegenseite erhalten Eltern kantonal unterschiedlich hohe Unterstützungen wie zum Beispiel die eingangs erwähnten Zulagen oder steuerliche Entlastungen für angefallene Betreuungskosten.

Dennoch lassen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik viele Schlüsse zu: Einerseits dank der Vergleiche von Eltern oder Alleinerziehenden mit kinderlosen Paaren oder Singles, andererseits aber auch dank detaillierten Budgetübersichten aus der sogenannten «Haushaltserhebung» (HABE) des Bundes.

Das Migros-Magazin hat die wichtigsten Erkenntnisse gesammelt. Hier die TOP 6:

1. 180'000 Franken und mehr …
… kosten Kinder in der Schweiz heute während der Kindheit und Jugend mindestens. Also bei Absolvent(inn)en einer Berufsbildung, die mit 18 Jahren oder etwas später ins Erwerbsleben eintreten und allenfalls zu Hause ausziehen. Im Gesamtschnitt bedeutet dies einen Aufwand von 10‘000 Franken pro Jahr und gut 833 Franken im Monat.

2. Mit der Anzahl Kinder sinken die Kosten
Unbestritten wird das Familienleben mit mehreren Kindern anstrengender, auf die Kosten eines Kindes bezogen ab dem zweiten aber auch klar günstiger. Die Ersparnis beträgt laut Bundesamt für Statistik beim zweiten Kind pro Monat immerhin 188 Franken, für das dritte (im Vergleich zum Einzelkind) gar 335 Franken.

3. Mit zunehmendem Alter wird es teurer
Verursacht ein Kind bis zum Abschluss der schulischen Basisstufe (in der Regel 6. Klasse) durchschnittliche Kosten von erst 691 Franken im Monat, so steigt der Aufwand ab 12 Jahren gleich auf 1005 Franken. Noch weiter steigt der Betrag über 18 Jahren für ein Studium, besonders wenn auswärts eine zusätzliche Unterkunft benötigt wird.

4. Alleinerziehende bezahlen mehr
Eine alleinerziehende Mutter (oder auch ein Vater) kostet das erste Kind bereits 27,5% mehr. Dabei dürfte ins Gewicht fallen, dass der Verzicht auf Vollbeschäftigung einschneidender ausfällt, als wenn man sich zu zweit organisieren kann. Zudem ist im Durchschnitt der Bedarf an externer Betreuung grösser. Und zu guter Letzt lässt das Budget einer/eines Alleinerziehenden weniger Einsparungen zugunsten des Kindes zu.

5. Eltern schränken sich ein
Die Annahme, dass die Ausgaben für Kinder ab Geburt des ersten Nachwuchses einfach zu den bisherigen Ausgaben hinzugerechnet werden können, führt in die Irre. Je nach Einkommensniveau und Lebensstil finanzieren Eltern die Kosten von Kindern zu einem ansehnlichen Prozentsatz durch Einsparungen im (bisherigen) Haushaltsbudget. Beim Beispiel eines Paares mit zwei Kindern und einem Budget von gut 7000 Franken (eventueller Sparbetrag von den Einnahmen bereits abgezogen) wird rund die Hälfte des Mehraufwands durch Konsumverzicht finanziert: Genau 760 von 1507 Franken oder 50,4%. Bei einem Kind ist der Prozentsatz noch höher.

6. Besser-Verdienende lassen sich Kinder nicht mehr kosten
In höheren Haushaltsbudgets wird prozentual weder mehr noch weniger Geld für ein Kind ausgegeben. Am Ende beträgt der Konsumanteil für das erste Kind in Schweizer Familien minim unter oder genau ein Siebtel. Beim Viertel der tieferen Budgets ist es mit 13,9% nur geringfügig weniger als mit 14,4% beim Viertel der höheren Budgets. Um eine Nasenspitze voraus ist der elterliche Mittelstand – allerdings nur um knapp 0,05%. Scheinbar bewegen sich die Mehrausgaben für ein Kind praktisch genau im Gleichschritt mit den übrigen Ausgabenposten.

Man könnte auch sagen: Unabhängig von der sozialen Schicht sind Schweizer Eltern ihre Kinder gemessen am Portemonnaie ungefähr gleich wichtig.

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Die Statistiken des Bundes zum Haushaltsaufwand von Familien mit einem oder mehreren Kindern

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