10. Juli 2018

Keinem schlägt die Stunde

Ein Tag im Leben eines Pornobuchverkäufers, die Revolution der Ratten und eine Wohngemeinschaft mit Hitler. Die Buchkritik zu Charles Bukowskis Erzählband

Buchcover: «Keinem schlägt die Stunde»
Lesezeit 2 Minuten

Über den Skandal- und Kultautor Charles Bukowski streiten sich seit jeher die Geister. Fraglos ist, dass er Generationen von Dichtern und Möchtegern-Schreiberlingen massgeblich beeinflusst und inspiriert hat und somit heute zu den einflussreichsten Schriftstellern der US-amerikanischen Literatur zählt.

Nach seinem Tod 1994 wird weiter fleissig aus seinem Nachlass, der scheinbar unerschöpflich ist, veröffentlicht. Ob das immer schlau ist und dem alten Hank gefallen würde, sei dahingestellt. Manches kommt ein bisschen unfertig, lendenlahm und manch einem zu altersweise daher. Immer wieder finden sich aber auch Perlen darunter, wie die 2015 unter dem Titel «The Bell Tolls for No One» bei City Lights Books, dem legendären Buchladen und Verlag aus San Francisco, auf Englisch erschienene Sammlung bisher unveröffentlichter Storys, die im Fischer Verlag nun auf Deutsch vorliegen.

«Keinem schlägt die Stunde» – der Titel ist ein Seitenhieb auf Hemingsways «Wem die Stunde schlägt», den Bukowski gleichsam bewunderte und verachtete – beinhaltet selbstillustrierte Geschichten, die er in seinen Zwanzigern schrieb, aber auch unveröffentlichte oder überarbeitete Texte aus der Reihe «Notizen eines Dirty Old Man» bis hin zu den Skandalstorys der 1980er.

In diesem Buch zeigt sich die grosse Bandbreite Bukowskis hinsichtlich Schreibstil und Genres, von der Science-Fiction-Story über die Western-Parodie bis zu Geschichten über Jockeys und Footballspieler.

Auf der Zeitachse finden sich Texte von 1948 bis 1985. Neben seinem turbulenten Sex- und Liebesleben thematisiert Bukowski auch politische und soziale Umbrüche und beweist mehr als einmal, wie belesen er eigentlich war. Trotz einfacher Herkunft, Knochenjobs und Sauf- und Prügeltouren.

Für Bukowski-Fans ist das Buch ein Must. Für alle anderen gut als Einstiegsdroge geeignet.

Bei Ex Libris: Keinem schlägt die Stunde
Autor: Charles Bukowski
Verlag: Fischer

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