24. November 2018

Keine Teeniemütter

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin ist umzingelt von Schwangeren. Und merkt: Die sind ja gar nicht so früh dran.

Wo Lisa Stutz hinschaut, sieht sie Jöö-Bildli mit Babybauch
Wo immer Lisa Stutz hinschaut, sieht sie Jöö-Bildli mit Babybauch. (Bild: Unsplash)

Momentan sind alle schwanger. Oder waren es gerade. Oder werden es sein. Fast täglich verkündet eine Bekannte auf Facebook oder Instagram mit den Hashtags #mommytobe (werdendes Mami) und #ssw16 (Schwangerschaftswoche 16), dass sie guter Hoffnung ist. Dazu wird stolz der kleine Bauch präsentiert. Am Anfang freute ich mich bei jeder Verkündigung. Süss, da ist ein klitzekleines ­Wesen in Entstehung! Mittlerweile denke ich nur noch: «Die also auch. Habe ich noch Käse im Kühlschrank?»

Ich bin abgestumpft. Es ist wie bei der 23-sten Pushnachricht über eine sexistische Bemerkung von Donald Trump – irgendwann fühlst du nichts mehr. Aber nachdenklich macht es mich schon. Ist bei der Produktion der marktführenden Antibabypille etwas schiefgelaufen? Oder liegt es daran, dass jetzt alle natürlich verhüten? Dann merke ich es: Die wollen diese Babys. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem schwangere Altersgenossinnen nicht mehr als Teeniemütter gelten. Diese Erkenntnis hat mich ehrlich schockiert. Während ich zum ersten Mal die Steuererklärung ohne Papas Hilfe ausfülle, pressen sie zum ersten Mal einen anderen Menschen aus ihrem Körper.

Die schwangeren Ex-Klassenkameradinnen beeindrucken mich. Sie machen mir aber auch Angst. Müsste auch ich schon an den Erhalt meiner Gene denken? In der Stadt hat man da keinen Stress. Hier stecken die Um-die-30-Jährigen tagsüber mitten in der Doktorarbeit, und nachts stillen sie ihren Durst an der Langstrasse. Die Alternative: tagsüber beim Babydoktor und nachts lange stillen. Ich befinde mich irgendwo dazwischen. Und das ist gut so. Eines Tages werde auch ich ein #mommytobe sein.

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