28. September 2018

Katzen: Man liebt sie oder ...

Süsse Schmusekatze oder intriganter Stubentiger? Ein Pro und Contra zum beliebtesten Haustier der Schweiz.

Lisa Christ (links) und Gabriel Vetter
Lisa Christ (links) und Gabriel Vetter sind sich beim Haustier Nummer 1 nicht ganz einig ... (Bild: Basil Stücheli, module+)
Lesezeit 1 Minute

PRO: Lisa Christ (27), Slam Poetin und Kabarettistin

Menschen, die Katzen nicht mögen, sind mir suspekt. Was gibt es Süsseres als diese kleinen Flauschballen? Nicht umsonst sind sie die von allen Generationen akzeptierten Youtube-Stars: Katzenbabys sind das absolut Zuckersüsseste, Tollpatschigste und Herzerwärmendste, was man überhaupt im Internet findet – und das ist bekanntlich gross.

Klar, andere Tiere haben auch schönen Nachwuchs, aber nichts kommt an Katzenbabys heran. Hündeler werden nun die Nase rümpfen und ihrem Wauwau mit den Worten «Es kommt aber auch auf die inneren Werte an, gell Schnuffi» übers Haupt fahren. Ja, das stimmt. Aber davon haben die Katzen mehr als genug.
Man wirft ihnen zwar Eigensinnigkeit vor, Unzähmbarkeit und gar Egoismus. Doch nun frage ich Sie: Welcher Mensch bevorzugt denn unterwürfige Gefährten, und wer kann sich an einem eigenwilligen Gegenüber erfreuen? Ich lobe mir querköpfige Wesen, die bis zu einem gewissen Grad auf ihrer Autonomie beharren – bei Menschen wie bei Tieren.

Ausserdem sind Katzen auch ausgewachsen immer noch Heimeligkeit pur: Nichts geht über einen heissen Tee, ein gutes Buch und eine eingerollte, schnurrende Katze.

CONTRA: Gabriel Vetter (35), Kabarettist und Schriftsteller

Es ist kompliziert mit mir und den Katzen. Ich mag sie ein wenig – die schier offensive Nutzlosigkeit, die alle Katzen mit einer eleganten Nonchalance zur Schau tragen. Meine These ist: Wer sich langweilt, will eine Katze. Wer Beruhigung braucht, will einen Hund.

Jedes Mal, wenn ich versuche, eine Katze irgendwie zu beeindrucken, komme ich mir vor, als würde ich als Guschti Brösmeli bei den Wagner-Festspielen Lastwagenfahrerwitze erzählen: Ich stosse auf verständnislose Ignoranz. Fakt ist: Wer auch nur einen Funken Zweifel hat, wer also nur ein wenig Menschsein in sich trägt, der kann niemals mit einer Katze glücklich werden. Katzen sind passiv­aggressive Pädagogen, sie sind die bösen, bebroschten Klavierlehrerinnen der Vierbeiner. Sie versuchen, ihre Halter zu erziehen. Beginnt man als Mensch eine Beziehung mit einem Katzenhalter, ist schon von vornherein alles verloren – die Katze duldet keine Nebenbuhler.

Man kann also davon ausgehen, dass zwei Drittel aller Scheidungen ihren Ursprung bei Katzen haben. Hunde zerstören Mobiliar im Spiel. Katzen zerstören mit der einzigen Absicht, den Menschen einen Denkzettel zu verpassen. Das Problem mit Katzen ist simpel: Sie sind dem Menschen einfach zu ähnlich.

Benutzer-Kommentare