23. Juni 2017

Karriere-Ping-Pong

Die Arbeitswelt ist ein hartes Pflaster. Das weisst du genauso gut wie ich. Darum sammele ich Tipps und Tricks, frage Experten – und dich! Wie sind deine Erfahrungen zwischen Studium und Karriere? Ich freue mich auf den Dialog.

Karriere-Ping-Pong
Manchmal komme ich mir vor wie Alice im Wunderland.

Ich spiele Karriere-Ping Pong. Mit 18, nach dem Gymi, stand ich vor der ersten grossen Entscheidung meines Lebens: Welches Studium ist das richtige? Und vor allem: für mich? Tausend Interessen zu haben, war gerade nicht sehr hilfreich.

Meeresbiologin wollte ich nicht mehr werden, Modedesign schien mir zu kompliziert und für Architektur, naja, meine Liebe zur Mathematik hielt sich in engen Grenzen.

Ich erinnerte mich an eine Szene aus Alice im Wunderland:

Was würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?

Alice

Das hängt zum größten Teil davon ab, wohin du möchtest

Grinsekatze

Ach wohin ist mir eigentlich gleich

Alice

Dann ist es auch egal, wie du weitergehst

Grinsekatze

Die Message von Lewis Carol war für mich klar: Weitergehen, nicht Stillstehen!

«Etwas mit Medien» – wie bei so vielen anderen, war das auch meine Lösung. Ich entschied mich für Medien- und Kommunikationswissenschaften. Drei Jahre Bachelor konnten beginnen. Ich fand einen tollen Nebenjob (so toll wie die eben sein können), arbeitete an vielen Wochenenden, und finanzierte mir so ein ziemlich angenehmes Leben. Es lebte sich allerdings so rasant, dass bald die nächste Entscheidung bevorstand: Master anhängen oder Arbeitserfahrung sammeln?

Obwohl ich im Nebenfach BWL studierte – die wirtschaftliche Denkweise liess sich leider ganz schlecht auf mein Privatleben übertragen.

Doch der Alice-Grinsekatze-Dialog klingelte in meinen Ohren, also ging ich weiter, und entschied mich für einen Master im Bereich Marketing.

Sobald ich diesen in der Tasche hatte, fand ich ein Praktikum in der Uhreindustrie. Die Lohnerhöhung gegenüber meinem ersten Praktikum mit fünf Jahren Studium dazwischen: 100 Franken.

Wow! Es lohnt sich also zu studieren. Ich wollte mehr. Also bewarb mich in Zürich auf eine Stelle, die mich hätte glücklich machen können – es aber nicht tat. Doch mein Durchhaltewillen siegte und so blieb ich für zwei Jahre in einer Marketingagentur, wurde Projektleiterin, lernte viel und verdiente endlich Geld.

Was reinkam, wurde wieder ausgegeben – wie bisher. Dass dies der Moment zum Sparen gewesen wäre, realisierte ich erst als es schon zu spät war: Doch wann hätte ich es merken (geschweige denn lernen) sollen? Bisher war ja nie etwas zum Sparen da. Sowieso erkannte ich, dass Geld allein eben wirklich nicht glücklich macht. Das Agenturleben schlauchte mich, zu viele Überstunden, zu wenig Freude. Ich zog die Notbremse und stand für einmal still. Alice schimpfte.

Links und rechts von mir sah ich viele hadern, schlimmer noch, als ich es tat.

Vier Praktika und doch keine Festanstellung, hangeln vom einen mickrig bezahlten Projekt zum nächsten. Generation Y in full action. «Die können sich einfach nicht festlegen» – danke für die Erinnerung, aber wie sollen wir, wenn wir unendlich viele Möglichkeiten haben, alles Entdecken können, wir ohne Grenzen unser Leben leben?

Ich riss mich zusammen – Alice sei dank – und bewarb mich für ein Praktikum im Journalismus. Nochmals ganz von vorn, der Lohn war halb so hoch wie damals in der Uhrenindustrie – das Weitergehen kann eben auf mehreren Ebenen passieren: Auf einer geht’s vor-, auf der anderen rückwärts.

Und jetzt, ein Jahr später, bin ich froh über die Ehrenrunde: Inzwischen bin ich Volontärin, eine Art Berufslehre für Journalisten. Ich habe zwar wieder mal kein Geld, dafür aber einen Job der mir richtig Spass macht und mich erfüllt. Und: für einmal bin ich nicht nur weitergegangen, sondern habe den für mich richtigen Weg eingeschlagen.

Die nächste Kreuzung kommt bestimmt.

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