16. August 2018

Kaminer auf Kreuzfahrt

In seinem vergnüglichen neuen Buch taucht der russisch-deutsche Autor Wladimir Kaminer tief ein in den eigentümlichen Kosmos von Kreuzfahrtreisen. Und hat darin auch gleich ein Sinnbild für den schwierigen Zustand der heutigen Welt gefunden.

Wladimir Kaminer
«Ein Kreuzfahrtschiff ist eine Art Arche Noah, auf der man den Widrigkeiten und Zerstörungen der Realität entfliehen kann», sagt Wladimir Kaminer.

Wladimir Kaminer, Sie sind auf den ersten Blick nicht der typische Kreuzfahrer. Hats Spass gemacht?

Durchaus. Man lernt auf Kreuzfahrten interessante Menschen kennen, denen man sonst nie begegnen würde. Und ich habe jetzt im ganzen Land neue Freunde.

Sie haben diese Reisen jeweils gemacht, weil Sie selbst Teil des Kulturprogramms an Bord waren – kamen Sie gut an?

Und wie! Ich war der Guru. Es gibt auf Kreuzfahrten ja sonst keine hochwertige Unterhaltung. Zudem habe ich Erfahrung bei dieser Form des Auftritts. Als junger Autor begann ich meine Karriere mit dem Vorlesen kurzer Geschichten in Kneipen – wenn man das Publikum da nicht in der ersten Minute gewonnen hat, ist es sofort weg am Tresen. Das hilft mir bis heute. Auf einem Schiff stellt sich dafür ein anderes Problem: Während das Publikum auf dem Festland nach dem Auftritt verschwindet, ist man an Bord ohne Unterlass mit ihm zusammen. Du hast deine Zuhörer auch zum Frühstück und zum Abendessen. Im Grunde habe ich 14-tägige Lesungen gemacht.

Sie mussten immer etwas bieten?

Ich hatte jeweils Ruhe bis zur ersten Lesung, danach hat mich jeder gekannt. Für mein neues Buch war es natürlich praktisch, man kriegt auf einem Schiff in kürzester Zeit eine Fülle an Geschichten, für die man auf dem Festland viel länger bräuchte. Überrascht hat mich, dass es sogar meiner Frau mit der Zeit zu gefallen anfing. Sie mag menschliche Gesellschaft eigentlich nur in homöopathischen Dosen. Auf Kreuzfahrten ist man aber dauernd mit fremden Menschen zusammen, isst mit ihnen, sitzt mit ihnen an der Bar – muss also stets neue Leute kennenlernen.

Also eigentlich nichts für Ihre Frau.

Allerdings. Dennoch fing sie auf der zweiten Kreuzfahrt an, sich mit fremden Leuten für gemeinsame Ausflüge zu verabreden. So waren wir plötzlich mit einem tauben Friedhofsgärtner aus Fulda und seiner Frau in einer spanischen Stadt unterwegs. Wahnsinn! Auch der deutschen Folklore, zu der sie bisher kein besonderes Verhältnis hatte, war sie plötzlich irritierend zugeneigt. Sie konnte am Ende sogar einige dieser Volksmusiktexte auswendig.

Hat sie sich zu ihrem ungewöhnlichen Verhalten geäussert?

Ich habe sie mehrfach gefragt, sie konnte es nicht wirklich erklären. Aber es half sicher, dass auf so einer Kreuzfahrt alle konstant ein wenig angetrunken sind.

Gibts Leute, denen man auf Kreuzfahrtschiffen nicht begegnet?

Es gab alles: Alt und Jung, Arm und Reich, Berufe aller Art. Nur Snobs fehlten, denn Kreuzfahrten sind natürlich die Spitze des Massentourismus. Die Leute werden eingeladen, ohne Unterlass massiv unterhalten und wieder ausgeladen. Sie gleichen sich dabei auch immer mehr an, die Unterschiede verblassen. Sich all dem hinzugeben, ist eine interessante Erfahrung. Natürlich kann man sich auch mal zurückziehen, wenn man möchte. Vielleicht kann man sogar ganz auf Alkohol verzichten. Persönlich habe ich das zwar nicht versucht, aber ich halte es für möglich. Überhaupt denke ich, dass auf einem Kreuzfahrtschiff am Ende nur ein Unterschied zählt: wie gut die Trinkfestigkeit ist.

Wo würden Sie sich und Ihre Frau da einordnen?

Wir sind flexibel. Wobei wir richtig starke Alkoholika nicht mögen. Meine Frau trinkt gern Prosecco und Weissweinschorle, ich neige eher zu Rotwein. Auf den Aida-Schiffen gibts eine schöne Rotweinbar mit grossem Sortiment. Ich fand das alles jedenfalls hochinteressant. Für mich ist das Kreuzfahrtschiff auch ein schönes Bild für den aktuellen Zustand der Welt.

Inwiefern?

Es ist eine Art Arche Noah, auf der man den Widrigkeiten und Zerstörungen der Realität entfliehen kann. Mit Leuten an Bord, die keine Hoffnung mehr haben, noch irgendwo ein gutes Land zum Leben zu finden. Sie ziehen lieber weiter, immer weiter, mit lauter Musik von einem Meer zum anderen, atemlos durch die Nacht.

Eine Arche Noah?

Meine erste Fahrt machte ich im November 2016 durchs Mittelmeer. Wir erreichten Griechenland, aber niemand wollte raus und sich etwas ansehen. Dem Land gings nicht besonders gut, ausserdem regnete es dauernd, und dann wurde auch noch Trump gewählt. Die Deutschen haben sich total aufgeregt, viel mehr als die Amerikaner. «Mein Gott, jetzt brauchen wir erst recht nicht von Bord zu gehen, das Festland ist ohnehin verloren», fanden sie. Man sass also an Deck, lästerte über die Welt, trank drei Cocktails zum Preis von einem und sang wilde Lieder. Es entstand eine ganz seltsame Mischung aus Traurigkeit und Party.

Wladimir Kaminer am Trinken
Trinkfestigkeit ist laut Kaminer die entscheidende Kernkompetenz auf einem Kreuzfahrtschiff.

Es ging nie jemand von Bord?

Ab und zu natürlich schon. Aber dabei kollidierte man unweigerlich mit unschönen Realitäten. Es sind ja derzeit sehr viele Menschen in Bewegung, oft in Gruppen. Zu den grössten gehören die Flüchtlinge und die Touristen, also die freiwillig und die unfreiwillig Reisenden. Die sich etwa auf den griechischen Inseln gelegentlich auch begegnen. Dabei behandeln sie einander mit Respekt, weil sie genau wissen, wie schwammig die Grenze zwischen ihnen ist: Vielleicht ist der Migrant schon morgen ein Tourist – und umgekehrt. Aber alles in allem empfand ich das Verhalten der Kreuzfahrer schon stark als Übersprunghandlung.

Was heisst das?

Das ist, wie wenn der Fuchs in den Hühnerstall kommt und dem Huhn an sich klar ist: Das wars jetzt. Und was macht es? Es fängt an, sich zu putzen, eine klassische Übersprunghandlung. Auch bei Russen übrigens derzeit weitverbreitet: Wenn du sagst: «Leute, noch 20 Jahre Putin, was meint ihr?», reden sie sofort über das Wetter. So ist das auch mit Kreuzfahrern, die im Angesicht der untergehenden Welt abgeschnitten von allem auf dem Meer nochmals so richtig Party machen. Wohin sie dabei fahren, ist im Grunde egal.

Ist die Lage der Welt wirklich so düster?

Etwa nicht? So was wie heute gab es noch nie. Da stehen wir nun mit unserer hastig aufgebauten Zukunft, unserer modernen, globalisierten Welt des Wohlstands und des Glücks, wo wir alle 100 Jahre alt werden, nicht mehr arbeiten müssen und nur noch Spass haben. In der allerdings immer mehr Leuten dämmert, dass nicht alle zehn Milliarden darin willkommen sein werden. Einige ziehen die Konsequenzen, wollen zurück aus dem Globalen ins Lokale, zurück aus der Moderne in die Archaik. Aber so richtig funktioniert auch das nicht mehr. Und so sitzen wir nun alle zusammen in einer Sackgasse – und ein vernünftiger, guter Ausgang ist nirgends in Sicht. Es bräuchte jetzt kluge Leute in wichtigen Positionen, de facto haben wir das Gegenteil: viele dumme Menschen als politische Führer. Aber Nationen sind ohnehin nicht mehr relevant.

Warum nicht?

Weil wir heute in jedem Land, an jedem Ort beides finden: eine Gruppe strebt nach der Moderne, eine fast gleich grosse Gruppe nach Archaik. In der Zukunft werden die Menschen sich nicht mehr nach Nationen bündeln, sondern nach Haltung, Kultur und Sozialkompetenz.

Wie schadet man dem Westen am besten? Indem man ihn dazu bringt, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Stimmt es, dass Sie sich nicht mehr in Ihre alte Heimat Russland getrauen, weil Sie sich zu oft zu kritisch geäussert haben?

Das ist so. Seit der Krim-Invasion 2014 war ich nicht mehr dort. Wie viele andere auch.

Aber ein offizielles Einreiseverbot haben Sie nicht?

Nein. Dennoch besteht für Leute, die sich kritisch geäussert haben, immer das Risiko, verhaftet zu werden. Umso mehr als die Lage im Land chaotisch ist. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Russland von einer starken Hand regiert wird. Es handelt sich eher um einen Handschuh, in dem Tausende von kleinen Fingerchen stecken, die alle um die Vormacht ringen. Der Handschuh selbst trifft kaum eigene Entscheidungen. Aber beim Ringen um Macht und Einfluss kann es dann halt sein, dass ein Fingerchen mal auf Eigeninitiative jemanden verhaftet. Jedenfalls ist es eine sehr instabile Situation.

Und Putin? Kontrolliert er die Situation oder wird er kontrolliert?

Er kontrolliert nicht. Wenn man eine Autokratie aufbaut, ist man auf andere angewiesen. Und kann sie nicht auf Dauer kontrollieren. Wenn man das will, muss man sie töten – oder ihnen zumindest das Gefühl geben, dass dies eine Option sei. So wie Stalin das gemacht hat. Putin ist kein Stalin, er ist kein Diktator. Aber er würde gern ein System mit einer gewissen Stabilität aufbauen. Er hat ja seine Überzeugungen und sein sehr trauriges Weltbild, das noch aus dem Handbuch für KGB-Agenten aus den 1970er-Jahren stammt.

Was stand da drin?

Dass der Westen niemals der Freund Russlands sein könne, auch wenn er vielleicht so tue. Das einzige Ziel des Westens sei die Weltherrschaft, der nächste Krieg also unausweichlich. Und wie schadet man dem Westen am besten? Indem man ihn dazu bringt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. So kann man diesen unvermeidlichen Krieg hinauszögern. Genau das tut Putin nun. Aber letztlich ist auch er einfach ein Kreuzfahrer in einer kaputten Welt.

Klar ist: Das Böse gewinnt immer.

Basierend auf diesem Weltbild, war er in den letzten Jahren recht erfolgreich unterwegs, nicht?

Absolut. Trump kann machen, was er will, noch in 50 Jahren wird man darüber spekulieren, ob er als russischer Agent ins Amt kam. Fakten spielen keine Rolle mehr, dazu hat Trump selbst fleissig beigetragen.

Aber hat Putin das alles gezielt so eingefädelt? Oder ergab es sich durch Zufall?

Putin ist ein Zyniker, kein Stratege, er hat keine längerfristigen Ziele, aber auch keine Illusionen. Er weiss, dass sein Land niemals ein interessanter Produktionsstandort wird; nicht mal das, was sie in der Sowjetunion einst produzieren konnten, können sie heute noch, weil westliche Technologien das inzwischen viel günstiger schaffen. Aber als Zerstörer muss man kein Stratege sein. Die Welt geht auch von allein kaputt, denn die Menschen sind schwach und leicht zu verführen, sie laufen jedem Schurken gerne hinterher. Und klar ist: Das Böse gewinnt immer.

Wie bitte?

Natürlich! Das Gute kämpft ja nicht, es ist einfach da, es ist die Quelle des Lebens. Das Böse handelt gezielt, das Gute reagiert immer nur, oft hilflos. Aber was, wenn das Böse schliesslich gewonnen hat? Es kreiert ja nichts, es zerstört nur. Am Ende sitzt es allein da – und löst sich auf. Dann kommt was Neues. Die Frage ist, ob die Menschen dann noch was zu melden haben oder ob die Erde ein Planet der Insekten wird.

Die 90er-Jahre waren die einzige Zeit, wo die Menschen in Russland wirklich frei waren. Aber alle hassen diese Zeit, weil sie über den Tisch gezogen wurden.

Was ist schiefgelaufen? Nach dem Kollaps der Sowjetunion hoffte man auf die grosse Verbrüderung der Menschheit, stattdessen klingt das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen wieder fast so wie damals im Kalten Krieg.

Die westlichen Eliten hatten nach dem Mauerfall die Vorstellung, dass alle Menschen letztlich das Gleiche wollen. Und dass sie nur den Diktator in einem nichtdemokratischen Regime absetzen müssen, und schon werde das Volk wie von allein die Segnungen der Demokratie entdecken und die gleichen Werte teilen wie die Amerikaner. Man ging also von Anfang an von falschen Voraussetzungen aus: Menschen wollen nicht alle das Gleiche, manche zieht es mehr zur Moderne, andere mehr zu Archaik. Und Demokratie kann nicht über Nacht installiert werden und einfach so funktionieren.

Die grosse Verbrüderung war also immer eine Illusion?

So ist es. Doch die modernen Menschen wollten sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen, also dachten sie sich zunächst: Na gut, dann füttern wir die archaischen Menschen halt durch, denn allein schaffen sie es eh nicht. In den letzten Jahren jedoch wurde dieses Durchfüttern zu teuer, und da dachten sich die modernen Menschen: Warum eigentlich sollen wir sie weiterfüttern? Sind sie für uns irgendwie nützlich? Nein, eigentlich nicht. Und so fühlen sich heute viele Menschen von den Eliten verraten. Sie haben realisiert, dass die versprochene strahlende Zukunft sie wohl nicht miteinschliessen wird. Die Schere zwischen Arm und Reich geht gerade in den Industriestaaten weiter auf, und die Rebellion der archaischen Menschen hat begonnen: Brexit, Trump, Putin, Orban – haben wir alles dank ihnen. Und die beiden Gruppen, die archaischen und die modernen, verstehen einander kaum noch. Sie haben sich nichts mehr zu sagen.

Und Russland ist also ein Vertreter der Archaik?

Was sonst? Wo sollte der Platz für dieses Land im 21. Jahrhundert sein, wenn die vernünftigen Länder der Welt ernsthaft anfangen, auf erneuerbare Energien umzusteigen? Also sagt der Agent aus dem Turm dem Bösen: Wir sind unser eigener Planet, wir machen unser eigenes Ding. Unsere Kraft liegt darin, dass wir alle anderen schwach machen. Wir zeigen, wie fragil die demokratischen Werte in Wahrheit sind, wie einfach man die Meinungsbildung manipulieren kann, wie verlogen der Kapitalismus in Wirklichkeit ist. Wir säen Unruhe, Zwietracht, Zweifel. Und es funktioniert prächtig.

Hätte der Westen nach dem Mauerfall etwas tun können, damit die Entwicklung in eine andere, bessere Richtung gegangen wäre?

Mehr Menschlichkeit, weniger Kapitalismus – das hätte geholfen. Aber statt freundlicher Kapitalisten kamen Raubritter, es herrschte Turbokapitalismus, und das war ein Schock. Profitiert haben am Ende ein paar wenige Leute, darunter viele ehemalige KGB-Offiziere, die zu einem neuen politischen und wirtschaftlichen Machtzentrum wurden. Alle anderen haben Demokratie und Kapitalismus als Chaos und Ausplünderung erlebt. Die 90er-Jahre waren die einzige Zeit, wo die Menschen in Russland wirklich frei waren. Aber alle hassen diese Zeit, weil sie dort derart über den Tisch gezogen wurden. Wäre das damals anders gelaufen, würde die Situation heute wohl anders aussehen.

Wladimir Kaminer
«Wahlen in Russland sind eine reine Farce», ist Kaminer überzeugt. Und «Kreuzfahrer Putin» werde alles daransetzen, so lange wie möglich im Amt zu bleiben.

Trotz allem scheint Putin in Russland selbst relativ beliebt, er wurde schliesslich gerade wiedergewählt.

Es gab ja auch keine ernsthaften Gegenkandidaten. Wer ihm hätte Paroli bieten können, kam entweder auf tragische Weise ums Leben, wurde des Landes verwiesen oder nicht zugelassen. Viele, die ihn gewählt haben, sind Staatsangestellte, da hiess es vom Chef: Ihr geht zur Wahl am Sonntag, macht das Kreuz an der richtigen Stelle, ein Foto als Beweis, und dann behaltet ihr euren Job. So lief das. Und Putin ist ohnehin egal, was die Menschen von ihm denken, und sie wissen, dass es ihm egal ist.

Wahlen in Russland sind also eine reine Farce.

Ja. Das ist alles abgekartet.

Beim nächsten Mal darf Putin offiziell nicht nochmals antreten. Wird er trotzdem?

Natürlich. Er wird alles daransetzen weiterzumachen.

Die Wahlen in Russland – das ist alles abgekartet.

Wladimir Kaminer zur russischen Wahlfarce

Was halten Sie eigentlich von den europäischen Putin-Freunden? Gerade unter den Rechtspopulisten gibt’s ja viele Fans.

Die Handlanger des Bösen, ja. Und Putin ist flexibel, er mag Rechtspopulisten genauso wie Linkspopulisten – beide haben eine zersetzende Kraft. Bringen wird es ihnen nichts. Es ist ein bisschen wie bei dieser Insektenschutzlampe, die ich kürzlich für unser Haus auf dem Land gekauft habe. Ihr Licht zieht Insekten magisch an, aber landen sie auf der Lampe, verbrennen sie sofort und fallen unten in eine Schublade, die man ausleeren kann, sobald sie voll ist. Sehr praktisch.

Putin ist die Lampe, die Populisten die Insekten?

So ist es. Am Ende werden sie sich einfach nur die Finger an ihm verbrennen. Der Einzige, der davon profitiert, ist er. Aber rechts und links hat sich eh erledigt. Was wir bräuchten, ist eine neue Partei, welche die liberalen, demokratischen Werte der Linken mit dem schlanken Staat und den individuellen Freiheitsrechten der Rechten kombiniert. Nur ist so was leider nirgends in Sicht. Auch um das wichtigste, bedrohlichste Thema für die Welt, nämlich die dramatischen Folgen der raschen Klimaveränderung, kümmert sich keine Partei ernsthaft. Während sich die Tigermücke mit ihren gefährlichen Krankheitserregern bei uns immer weiter ausbreitet, beschäftigen sich Volk und Politik obsessiv mit ein paar Flüchtlingen.

Die Schweiz ist eine intakte Insel inmitten eines Ozeans von globalem Chaos.

Sie treten auch ab und zu in der Schweiz auf, wie erleben Sie das hiesige Publikum?

Es ist supercool und ehrlich. Wenn den Schweizern etwas gefällt, kommen sie richtig aus sich raus. Und wenn nicht, merkt man das ziemlich schnell. Zu Lesungen nach Zürich kommt auch meine Frau gern mit, anders als nach Hildesheim zum Beispiel. Letztes Mal waren wir am Zürichsee spazieren und beeindruckt, dass man dort praktisch auf die ganze Welt trifft. Im Grunde ist die Schweiz wie ein Kreuzfahrtschiff: eine noch relativ gut funktionierende intakte Insel mit vielen interessanten Leuten inmitten eines Ozeans von globalem Chaos.

Ist sie wirklich noch so intakt?

Okay, auch in der Bugwand der Arche Schweiz entstehen jedes Jahr Hunderte von neuen Löchern, die pausenlos gestopft werden müssen. Und das ist natürlich nicht immer leicht und kostet viel Kraft. Aber bis jetzt funktioniert es doch noch ganz gut.

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