23. August 2017

Jungweibersommer

Brave New Girl leidet an Sommertorschlusspanik.

Nochmals eine Melone kaufen
Nochmals eine Melone kaufen ... (Bild: Pixabay.com)
Lesezeit 1 Minute

Gemerkt habe ich es nach einem Dienstagabend auf der Zürcher Werdinsel. Wir packten Champagner, Grillzeug, Kerzen, Decken und einen Geburikuchen ein, um das Wiegenfest eines Freundes zu feiern. Gegen Mitternacht fuhren wir mit den Velos der Limmat entlang nach Hause. Bloss die Hälfte von uns hatte Licht an ihren Rädern, in den Bäumen bildeten sich Schatten, die warme Nachtluft liess unsere Haare und Röcke fliegen. Wir rochen nach Rauch und Abenteuer.

Das letzte Festival, der letzte Sprung in den See, die letzte Glace, das letzte Freiluftkino, der letzte Mückenstich, der letzte Sommerflirt, das letzte Mal ohne Strümpfe nach draussen. Es graut mir schon jetzt davor. Ich leide an einer Sommertorschlusspanik.

Sommer bedeutet Leben. Der Geruch von Sonnencreme, der uns an Familienferien am Strand erinnert. Die endlosen Nächte, die sich am nächsten Tag im Büro bemerkbar machen. Die Offenheit der Leute, die das Leben so viel schöner macht. Die Stadt befindet sich in einem schier endlosen Mittsommernachtstraum – und ich habe null Bock, aufzuwachen.

Was tun, während vor dem Fenster die ersten Blätter welken? Nochmal ein Sommerkleid kaufen, nochmal ins Tessin reisen, nochmal Melone kaufen, nochmal zum Sommerhit «Despacito» tanzen.

So viel Sommer tanken, dass man sich auch noch am kältesten Januartag an den Geruch von warmem Asphalt nach einem Sommergewitter erinnern kann. 

Benutzer-Kommentare