18. Mai 2018

Jung, weiblich – und mit Coach

Gute Ausbildung, Ambitionen – und doch fehlt jungen Frauen oft der Mut zur Karriere. Das Coachingprogramm #Frauenarbeit der Werberin Regula Bührer Fecker will dies ändern und bringt Frauen zusammen, die sich unterstützen. Wir haben vier Frauen und ihre Coaches getroffen.

Lesezeit 4 Minuten

Selfbranding ist das Wichtigste

Juliana Rigassi (30), Freelance-Projektmanagerin, und Coach Anna Markmann (31), Produktmanagerin bei Credit Suisse (rechts).


Juliana, was ist Ihr Ziel?
Juliana: Ich möchte in der Schweiz beruflich Fuss fassen. Ich bin vor zwei Jahren mit meinem Ehemann, der Schweizer ist, aus Brasilien hierhergezogen. In meinem Heimatland war ich Projektmanagerin in der Versicherungsbranche. Momentan arbeite ich als Freelancerin, suche aber nach einer Festanstellung.


Anna, wie können Sie ihr helfen?
Anna: Ich bin in Russland geboren, habe in mehreren Ländern gelebt und bin seit bald neun Jahren in der Schweiz. Ich weiss, wie es ist, wenn man sich neu orientieren muss. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach das Selfbranding, man muss eine eigene Marke werden.


Wie soll Juliana vorgehen?
Anna: Ich riet ihr zum Beispiel, Networking-Events zu besuchen und das berufliche Netzwerk LinkedIn gezielt zu verwenden.


Was haben Sie schon erreicht?
Juliana: Trotz vieler Bewerbungen gab es bis jetzt nur automatische Absagen, generiert von den HR-Algorithmen. Dank Anna gebe ich die Hoffnung nicht auf und hake bei jeder Absage persönlich nach. Ich habe nun einige Kontakte und bin guten Mutes.
Anna: Sie macht das super. Der grösste Fehler wäre, sich keine Unterstützung zu holen.


DIE INITIANTIN
Das Interview mit Regula Bührer Fecker findest du hier.

Nicht immer sofort auf Mails reagieren

Coach Ariane Ellenberger (33), Work-Smart-Coach & Projektleader bei der Swisscom, und Nadia Kägi (27), Selbständig mit einem Beratungsunternehmen (rechts).

Nadia, warum brauchen Sie einen Coach?
Nadia: Gerade in der Selbständigkeit gibt es viele Unsicherheiten. Es ist nicht immer leicht, Berufliches von Privatem abzugrenzen. Dazu gibt mir Ariane gute Tipps.


Zum Beispiel?
Ariane: Man muss für sich selber Regeln aufstellen und sich daran halten. Ich habe Nadia vorgeschlagen, die Geschäftsmails nach Feierabend nicht mehr aufs Handy zu synchronisieren. Sonst schaut sie kurz vor dem Zubettgehen die Mails an, schläft schlecht und ist am Morgen sofort wieder beim Beantworten.


Bei Ihnen ist also Work-Life-Balance das grosse Thema.
Nadia: Wir nennen es Lifebalance, das Arbeiten gehört ja zum Leben dazu. Wichtig ist auch, sich Zeit zu nehmen und mal eine Tramstation früher auszusteigen oder Yoga zu machen. Ich müsse aber auch akzeptieren, wenn ich mal nicht abschalten könne, riet mir Ariane.


Was haben Sie beide gemeinsam?
Ariane: Wir sind beide perfektionistisch veranlagt. Deshalb fällt es auch so schwer, mal nicht sofort auf eine E-Mail zu reagieren.
Nadia: Zudem beschäftigen uns ähnliche Themen, zum Beispiel wie Technologien und Veränderungen den Menschen bei der Arbeit beeinflussen.

Sie hat mir die Angst genommen

Coach Cornelia Wiederkehr (33), Leiterin Cumulus-Programmführung beim Migros-Genossenschafts-Bund, und Jessica Feldmann (27), ab Juni 2018 Marketing-Koordinatorin bei M.A.C. Cosmetics (rechts).

Jessica, wieso sind Sie beim Coachingprogramm dabei?
Jessica: Ich habe davon erfahren, als mir gerade gekündigt wurde. Also habe ich mich beworben. Ich konnte Cornelia alles erzählen, und sie hat mir meine Angst vor der Arbeitslosigkeit genommen.


Wie denn?
Cornelia: Ich sagte ihr, dass sie nicht das Gefühl haben muss, dass die nächste Arbeitsstelle der Job fürs Leben sein muss. Gewisse Unsicherheitsfaktoren gibt es bei der Stellensuche immer – und das beidseitig. Wenn es nicht mehr passt, dann kann sie auch mal wieder gehen. Das ist kein Weltuntergang, im Gegenteil.
Jessica: Genau so war es. Ich fand eine neue Stelle. Als ich merkte, dass ich nicht glücklich werde, habe ich gekündigt. Nun starte ich im Juni bei M.A.C. – eine Traumstelle.


Dank Cornelia?
Jessica: Sie konnte mir auf jeden Fall helfen. Sie hat mir auch Tipps betreffend Lohnverhandlung gegeben. Wir haben eine besondere Beziehung, sie sieht die Dinge mit mehr Distanz als zum Beispiel meine Familie.


Cornelia, wie kommt man zur Traumstelle?
Cornelia: Da gibt es kein allgemeingültiges Rezept, das Timing ist ein entscheidender Faktor. Gerade als junge Frau sollte man sich die Traumstelle auch zutrauen. Manchmal braucht es den Sprung ins kalte Wasser.

Sie soll einfach mal Nein sagen

Coach Eva Krueger (33), Leiterin Customer Experience & Touchpoint-Management bei den SBB, und Stephanie Haberkern (30), Projektleiterin Herstellungsleitung bei tpc.

Stephanie, was können Sie von Eva lernen?
Stephanie: Ich arbeite in einem von Männern dominierten Umfeld. Eva kennt das, weil sie lange in der IT-Branche tätig war. Ich erzähle ihr von meinen Erlebnissen, und sie erkennt sich darin wieder. Sich anzuhören, wie sie mit einer Herausforderung umgegangen ist, hilft mir.


Was sind die Tipps?
Eva: Das Wichtigste ist, authentisch zu bleiben. Sie darf sich nicht zu fest in eine Rolle drängen lassen. Auch ein gesundes Selbstbewusstsein ist wichtig: Man soll sich nicht zu klein machen. Ich riet ihr, dass sie einfach mal Nein sagen soll, für sich und ihre Wünsche einsteht.


Und, hat das schon geklappt?
Stephanie: Das Neinsagen fällt mir immer noch schwer. Aber ich sage es immer häufiger, wenn für mich etwas nicht stimmt oder ich das Gefühl habe, dass mein Geschlecht eine Rolle spielt, wenn es das nicht sollte.


Eva, was ist der grösste Fehler, den eine junge Frau machen kann?
Eva: Es nicht wagen, Karriere zu machen, weil sie irgendwann einmal eine Familie haben möchte. Die Frauen sollten ihre Ziele verfolgen, und wenn es dann so weit ist, findet man eine Lösung. Wir Frauen machen uns manchmal zu viele Gedanken.

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Regula Fecker

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