25. August 2014

Jobs für Mütter

Nach der Babypause die Jobkrise? Eine neue Plattform soll das verhindern: Sie richtet sich speziell an Mütter auf Stellensuche.

Jill Altenburger und Nanette Steiner mit Maurice, Kaja und Amelie
Sie ebnen Müttern den Weg zurück in den Job: Jill Altenburger und Nanette Steiner mit Maurice, Kaja und Amelie (von links).

Nanette Steiner (38) und Jill Altenburger (32) sind gut ausgebildet und haben beste Referenzen. Und trotzdem sind sie auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt. Der Grund ist nicht mangelnde Motivation oder fehlende Kompetenz, sondern schlicht und einfach: Sie sind Mütter. Als Nanette Steiner, die nach dem BWL-Studium als Produktmanagerin bei einem Technologiekonzern arbeitete, mit ihrer Tochter schwanger wurde, stellte der Arbeitgeber sie vor die Wahl, entweder zu 100 Prozent weiterzuarbeiten oder gar nicht mehr. «Darüber war ich traurig. Ich mochte meinen Job, wollte mir aber auch Zeit für mein Kind nehmen.» Sich für ein flexibles Arbeitsmodell einzusetzen, kam ihr damals nicht in den Sinn. Also legte sie eine zweijährige «Zwangspause» ein und bewarb sich danach für Stellen, für die sie überqualifiziert war.

Nebenbei half sie einer Freundin in einem Zürcher Kinderkleiderladen aus. Dort traf sie vor zwei Jahren zufällig wieder auf ihre ehemalige Mathe-Nachhilfeschülerin Jill Altenburger (32). Die beiden tauschten sich über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus und merkten: Gut qualifizierte Frauen haben beim Wiedereinstieg ein Problem.

So war das auch bei Jill Altenburger, Mutter einer zweijährigen Tochter und schwanger mit dem zweiten Kind. Sie besuchte die Hotelfachschule in Lausanne und arbeitete für eine internationale Sportmarketingfirma. «Bevor meine Tochter kam, war ich ein richtiges Arbeitstier.» Als sie sich nach dem Masterstudium in Mailand und Madrid für eine Kaderposition bewarb, bekam sie eine Absage. Die Begründung: Frauen in ihrem Alter seien zu riskant. «Damals habe ich zum ersten Mal realisiert, dass es im Job einen Unterschied macht, ob man eine Frau oder ein Mann ist.»

«Viele Frauen schämen sich für ihre familiäre Auszeit»

Als ihre Tochter zur Welt kam, beschloss Jill Altenburger, Müttern den holprigen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Nach dem Zusammentreffen mit Nanette Steiner kamen die zwei regelmässig zusammen und entwickelten Jobsfürmama.ch, die erste Jobbörse, die Mütter und Unternehmen zusammenbringt. Im März ging die Website online, weit über 1000 Kunden gehören der Plattform bereits an. Von der Kunsthistorikerin über die Oberärztin bis zur IT-Fachfrau ist alles dabei. Auch Männer seien herzlich willkommen. «Unsere Plattform richtet sich primär an alle, die flexible Arbeitsmodelle suchen.» Die Ehemänner von Jill Altenburger und Nanette Steiner arbeiten aktuell noch 100 Prozent. Doch auch sie haben schon mit dem Gedanken gespielt, einen festen Papatag einzulegen.

Die Zürcherinnen spüren, dass es langsam eine Trendwende in der Arbeitswelt gibt. Aber: «Es gibt noch zu viele Klischees», findet Nanette Steiner. «Die Frau gilt als ausfallgefährdet, der Mann verliert seinen Ruf als Karrieretier, wenn er sein Pensum reduzieren will.» Viele Unternehmen würden Mütter falsch einschätzen. Dabei belegten Studien, dass Mütter in flexiblen Arbeitsmodellen motiviert und effizient arbeiteten. «Die Ressource Mutter liegt brach.»

Dazu kommt, dass sich Mütter beim Wiedereinstieg unter ihrem Wert verkaufen. «Viele Frauen schämen sich für ihre familiäre Auszeit. Dabei könnten sie beim Vorstellungsgespräch positiv hervorheben, wie stressresistent sie sind», sagt Nanette Steiner, reicht ihrer Tochter Kaja (5) ein Stück Gurke und tröstet ihren Sohn Maurice (3), der sich auf der Schaukel wehgetan hat.

In einem 60-Prozent-Pensum erledigen die beiden Frauen Büroarbeit und stellen ihre Plattform bei Unternehmen vor. Die Arbeit können sie sich flexibel einteilen und haben so Zeit für ihre Kinder. Die zwei telefonieren regelmässig miteinander und sehen sich mehrmals pro Woche. Sie sind ein eingespieltes Team: «Wenn eine von uns mal in den Ferien ist, vermissen wir uns richtig!», sagt Jill Altenburger und rennt ihrer Tochter Amelie hinterher, um ihr Socken anzuziehen.

www.jobsfuermama.ch

Die Tipps der Jobsfürmama.ch-Gründerinnen

Zeigen Sie wann immer möglich berufliches Engagement, auch während der Babypause. Lesen der relevanten Literatur und eine Fortbildung schaden nie. Dazu eignen sich zum Beispiel auch E-Learning-Seminare, die von zu Hause aus getätigt werden können.

Beweisen Sie dem Arbeitgeber, dass Ihre Kinderbetreuung geregelt ist und dass die Familie hinter Ihnen steht. Organisieren Sie nicht nur die «normalen» Betreuungszeiten, sondern versuchen Sie, auch «Notfall­Situationen» abzudecken. Hierfür unbedingt die Hilfe von Familie, Freunden, Nachbarn etc. annehmen.

Bauen Sie sich ein Netzwerk auf und pflegen Sie es. Es hilft immer, auf bestehende Kontakte zurückgreifen zu können.

Treten Sie selbstbewusst und sicher auf. Als Mutter hat man keine Fähigkeiten verloren, sondern viele soziale Kompetenzen dazugewonnen. Mama ist krisenerprobt, kann flexibel auf neue Situationen reagieren, weiss, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen, und entpuppt sich als Leaderin eines Kleinstunternehmens und als wahres Organisationstalent. Solche Softskills werden heute gesucht.

Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auch als Teilzeitbeschäftigte muss man ab und zu bereit sein, Überstunden zu leisten und beispielsweise mal eine Arbeit abends von zu Hause aus zu erledigen.