26. Oktober 2017

Jaëls Abenteuer Mama

Sängerin Jaël wird im Dezember Mutter. In ihrer Kolumne für das Migros-Magazin gewährt sie Einblick in ihren Alltag und ihre – durchaus auch kritischen – Einsichten zum Thema Familie.

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Jaëls Buebli ist jetzt schon voll dabei: Singt sie, wird er ruhig, spielt sie Gitarre, strampelt er. «Ob das nun heisst, dass er es toll findet oder sich beklagt wie ein Nachbar, der mit dem Besen gegen die Decke poltert, weiss ich auch nicht», sagt Jaël Malli (38) und lacht.

Lange waren Kinder für die ehemalige Leadsängerin von Lunik kein Thema. Sie genoss die Touren mit der Band verfolgte nach deren Auflösung 2013 zielstrebig ihre Solokarriere. Ein Dokumentarfilmprojekt über kinderlose Frauen liess sie viel über das Thema lesen und nachdenken. Und plötzlich war der Kinderwunsch da. Laut und klar. Bei ihrem Mann Roger (40) und ihr.

Zunächst behielten sie ihr Herzensprojekt für sich. Sie sei eine Planerin, die Vorhaben stets so schnell wie möglich vorantreibe. «Ich wollte nicht auch noch Druck von aussen.» Als sie mit Roger nach Japan reiste, entschied sie sich, auch ihren Kinderwunsch Ferien machen zu lassen. Doch während sie mit Jetlag Sushi ass und Sake trank, fühlte sie sich irgendwie eigenartig. Ein Test trieb dem Paar schliesslich Freudentränen in die Augen: Jaël war schwanger.

Mit dem Kind im Bauch habe sich eine neue Gelassenheit in ihr breitgemacht, erzählt Jaël bei einer Tasse Tee in ihrer gemütlichen Berner Wohnung. Die finanziellen Ängste seien verflogen, das Gefühl, sie müsse die Welt mit ihrer Musik erobern, ebenso. «Ich bin glücklich, wenn ich Konzerte im intimen Rahmen in der Schweiz geben und zu Hause schlafen kann.»

Bei aller Gelassenheit ist Jaël dennoch ziemlich im Schuss: Eben ist ihre neueste CD «Orkestra» erschienen – ein Album mit 15 Hits, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind. Sie signiert und verpackt CDs, trifft Medien, tritt auf und tüftelt an Songs. Bald schon möchte sie es ruhiger angehen. «Beim Singen merke ich, dass ich weniger Raum zum Atmen habe.»

Im Schrank stapeln sich schon die ersten Babysachen.

Wann sie nach der Geburt wieder arbeiten wird, lässt sie bewusst offen. Einen Tag pro Woche wird ihr Mann sich ums Baby kümmern. «Ich weiss nicht, wie es mir dann gehen wird», sagt sie. Wenn der Kleine pflegeleicht und sie voller Tatendrang sei, stehe sie vielleicht schon vier Monate nach der Entbindung wieder im Studio. Vielleicht werde sie aber auch eine Übermutter, die plötzlich ihr Brot selber backen wolle. Sie möchte den Kleinen jedenfalls nicht mit Dingen überhäufen, sondern viel Zeit mit ihm in der Natur verbringen. Es sollen aber auch klare Regeln gelten. «Wir werden sehen, wie ich das dann umsetze ...»

Eins steht für sie fest: Reinreden lassen will sie sich nicht. Zehn Jahre lang sei sie gefragt worden, warum sie keine Kinder habe. Nun gehe es weiter mit unterschwelligen Wertungen: «Du stehst jetzt noch auf der Bühne?» – «Was, der Kleine muss an zwei Tagen in die Kita?» Wie ideologisch aufgeladen alles rund ums Kinderhhaben ist, wird sie auch in ihrer Kolumne thematisieren, die alle zwei Wochen im Migros-Magazin erscheint. Jetzt ist sie erst mal vorfreudig.

CD «Orkestra»: bei Ex Libris für Fr. 21.90

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