Leser-Beitrag
13. September 2017

Ja. Nein. Vielleicht.

Die Geschichte einer Schauspielerin, die in einer noch so aussichtslosen Situation die Freude nicht verliert.

Laurence Castiglionis Filmprojekt
Der Trailer zum Film, der nicht erscheinen darf.

Liebe Leserin, lieber Leser, mein Name ist Laurence Castiglioni, und eigentlich hätte ich allen Grund zum Mäusemelken ...

Aber ich erzähle viel lieber, warum es sich lohnt, «s Füdlä» zusammenzukneifen und niemals aufzugeben. Bevor ich des Rätsels Lösung allerdings lüfte, fangen wir doch lieber bei Adam und Eva an. Oder besser gesagt bei mir, wie ich im Dezember 2016 eine zündende Idee hatte.

Vollgefressen vom üppigen Weihnachtsdinner, lag ich äusserst unvorteilhaft auf dem Sofa und überlegte mir, wie ich meinen Hintern hochbekomme, ohne mich sportlich betätigen zu müssen. Ganz einfach: Ich brauchte ein Projekt, das das Feuer in mir entfacht. Schnell kam mir ein Experiment in den Sinn, das ich schon immer mal ausprobieren wollte.

Es gibt einen improvisierten Ensemblefilm zum Thema Speed Dating, in dem der Regisseur den Schauspielern lediglich deren Rollenprofil mitteilte und sie dann am Set komplett improvisieren liess. Gedacht - getan! In meinem Umfeld gibt es viele Schauspieler, und ich kenne genügend Leute, die hinter der Kamera arbeiten. So hatte ich die Schachfiguren nach einigem Bitten beisammen, die ich für mein Spiel benötigte. In der Vorbereitung auf den Dreh schieb ich dem Regisseur stinkfrech eine E-Mail, worin ich ihm von meinem Vorhaben berichtete, ebenfalls einen Film nach seinem Konzept zu drehen: Schauspieler an einem Speed Dating teilnehmen zu lassen. Dabei dürften sie frei improvisieren, also ohne Drehbuch.

Ich machte Komplimente zu seinem Film und entlockte ihm Tipps, worauf ich beim Dreh speziell achten sollte. Es freute mich sehr, dass er mir überhaupt geantwortet hatte. Dass er mir effektiv hilfreiche Tipps gab, dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Er machte mich darauf aufmerksam, dass ich im Vorfeld mit der Fernsehanstalt Rücksprache nehmen sollte, da die Rechte des Films bei ihr lagen. Da für mich das Experiment im Vordergrund stand, machte ich mir noch keine Gedanken, ob daraus überhaupt ein Film entstehen könnte. Könnte ja sein, dass mein Vorhaben komplett in die Hose geht ...

Noch nie hatte ich ein Projekt, in dem so unglaublich viel schieflief ... und wie eine göttliche Fügung ist jeweils immer alles gut gegangen, sobald der Knopf der Kamera einschaltete. Bedeutet: Das Material konnte zu einem tollen Film verwertet werden.

Ich konnte mein Glück kaum fassen ... Ohne jegliche Vorkenntnisse setzte ich eine Furzidee in die Tat um. Ich – die immer wieder vom Schicksal einen auf den Deckel bekam (die Details erspare ich euch jetzt ), aber nie aufgab – habe es tatsächlich geschafft, einen repräsentablen und sogar lustigen Film zu produzieren.

Stolz wie Bolle legte ich meinen Film der entsprechenden Fernsehanstalt vor, um mir ihren Segen zu holen, den Film kostenfrei der Menschheit online zugänglich zu machen und damit einen Beitrag für eine fröhlichere Welt zu leisten. Lange Rede, kurzer Sinn: Natürlich darf ich den Film nicht veröffentlichen. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, die genauen Umstände zu erläutern, zusammengefasst geht es um «nicht vorhandene Lizenzgründe».

Nicht so tragisch. In einer Privatvorführung habe ich den Film meinen Eltern gezeigt. Klar, schämte sich mein Vater grausam für meine Rolle. Ich spiele eine niveaulose, versaute Nymphomanin mit Wiener Dialekt, den ich eigentlich nicht wirklich beherrsche. Aber immer wieder mussten meine Eltern den Kopf schütteln, lachten immer wieder laut. Am Schluss jedoch die magischen Worte: Wir sind stolz auf dich! Es sei gesagt, dass meine Eltern kritischer sind als jedes Jurymitglied der Filmfestspiele in Cannes.

Ich hatte mein ganzes Erspartes in den Film gesteckt. Jetzt war mein Plan, ein Crowdfunding (Spendenaufruf) zu lancieren, um die Musikrechte für die Schweizer Musik bezahlen zu können, die ich im Film verwende. Hmmmm... leider darf ich den Film nicht veröffentlichen. Allerdings muss ich jetzt auch keine Rechte mehr erwerben, weil ich den Film ja eben nicht öffentlich vorführen werde. Jedoch kommt das für mich nicht infrage. Die ausgewählte Musik bereichert den Film in solch hohem Masse, dass meine Eltern schon nur aufgrund der Musik oft auflachen mussten.

Jetzt bin ich in meiner naiven Euphorie aber schon so weit gekommen, dass ich das Glück erneut herausfordere und dennoch das Crowdfunding wage, wobei dieses rein «marketingtechnisch» unter einem schlechten Himmel steht. Klar, ich hätte das Bewerbungsvideo so verfassen können, dass ich das Geld mit Sicherheit zusammenbekommen hätte, aber ich bleibe lieber bei der Wahrheit und nehme in Kauf, damit hinzufallen. Egal, was passiert, ich gebe nie auf. Langsam verstehe ich immer besser, weshalb meine Eltern in meiner Jugend an meiner Sturheit fast verzweifelt sind ...

Wie das Crowdfunding läuft? Nun ... ich glaube langsam, ich war in meinem Vorleben ein richtig unguter Mensch! Aber ... der Aufruf ist noch nicht beendet, meine Kreativität noch nicht ausgeschöpft. Irgendwas ist mir noch immer eingefallen. Vielleicht habt ihr mir ja gute Tipps?

Langsam könnte ich mal zur Moral meiner Geschichte kommen, oder?

Es lohnt sich wirklich, wirklich, wirklich, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Klar, ich habe nun einen Film, den niemand sehen darf, aber eines Tages werde ich ihn meinen Kindern und deren Kindern und deren Kindern zeigen und sagen: Schaut, das alles hat deine Mama, Oma, Uroma gemacht (allerdings hoffe ich, dass eine versaute Nymphomanin bis dahin mehr Ansehen erlangt hat, ha, ha).

Das Schicksal pinkelt mir immer wieder ans Bein. Aber hej, dann trage ich halt Gummistiefel, die sind inzwischen eh im Trend. Und ausserdem geht es mir ja sonst gut: Ich bin gesund, habe ein Dach über dem Kopf, zwar keine Ersparnisse mehr, dafür habe ich einen Film gedreht, der mich nach hundert Mal anschauen noch immer zum Lachen bringt. Es findet sich immer etwas Positives, wenn man nur will.

Ich bedanke mich herzlichst für die Aufmerksamkeit und hoffe, ihr lasst euch ebenso wenig entmutigen, egal, was euch passiert!

Herzlichst, Eure Laurence

Den Trailer zu Laurence Laurence Castiglionis Film gibts hier – damit ihr eine Idee bekommt, wovon sie die ganze Zeit geschrieben hat ...

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