03. März 2019

Island-Abenteuer im Eisland

Island im Winter ist magisch. In der Stille und Weite der Insel kommt die Seele zur Ruhe. Aber dann sorgen Schneestürme und das unberechenbare Nordlicht für Herzklopfen.

Stille, Leere und ein wenig Mystik: der Hvalfjörđur kurz vor einem Schneesturm
Stille, Leere und ein wenig Mystik: der Hvalfjörđur kurz vor einem Schneesturm

Vormittags um zehn Uhr an einem Wintertag in Reykjavík, der Hauptstadt Islands. Ein Ausflug ist geplant, eine Autofahrt rund um den Hvalfjörđur. Der Wal-Fjord, wie die Destination auf Deutsch heisst, liegt etwas nördlich von Reykjavík. Nicht weit entfernt eigentlich, doch aus dem Ausflug wird vorerst nichts. Denn die Strassenzustandswebsite meldet mit leuchtend rotgelbem Signal: Die Strasse ist gesperrt.

Das ist nicht ungewöhnlich in Island, insbesondere im Winter nicht. Deshalb gilt auf der Insel für Autofahrer: vor dem Losfahren stets den Strassenzustand prüfen. Denn ob man von A nach B gelangt, entscheidet erstens das Wetter und zweitens der Strassenräumdienst. Die gute Nachricht: Meist sind die Sperrungen von kurzer Dauer. So auch an diesem Tag. Schon um elf Uhr ist Entwarnung angesagt, und die Fahrt um den Fjord herum kann trotz tief hängender Wolken beginnen. Reykjavík verschwindet im Rückspiegel, der Blick nach vorne auf die schneebedeckte Strasse lässt den Fahrer vorsichtig lenken. Renato Grünenfelder (51), General Manager beim isländischen Reiseveranstalter GJ Travel, formuliert es so: «Wer nicht darin geübt ist, auf Schnee zu fahren, sollte in Island kein Auto mieten.» Man müsse den Wind lesen können: «Der ist im Winter so stark, dass er die Strassen vereist und sogar ein Auto wegschieben» kann.

Die Südländer des Nordens

Renato – in Island sprechen sich alle mit Vornamen an – stammt aus Chur und lebt seit 1998 in Island. Ihm gefallen die Weite und die Leere hier. Die Insel, die zweieinhalbmal grösser ist als die Schweiz, hat nur 335 000 Einwohner. «Da hat man in der Natur draussen schnell das Gefühl, man sei der erste Mensch, der an dieser Stelle vorbeikommt», sagt Renato und fügt lachend an: «Ausserdem habe ich hier nie Heuschnupfen.» Ein weiteres Plus: «Du lebst in Island ohne Angst, dass du deine Stelle verlierst oder den Kindern etwas passiert.» Bis vor wenigen Jahren verschloss kaum ein Isländer die Tür, wenn er das Haus verliess.

Ein Churer im hohen Norden: Seit 20 Jahren lebt Renato Grünenfelder in Island.

Was aber gewöhnungsbedürftig ist: Die Isländer sind ganz schlecht im Planen. «Sie sind die Südländer unter den Nordländern», scherzt Renato. Will heissen: Fixe Termine sind nicht immer fix. Als Schweizer passt man sich an – oder gewöhnt sich ans Warten.

Wer das «Go» für die etwa 60 Kilometer lange Fahrt um den Wal-Fjord bekommt, kann sich freuen. Die Landschaft wirkt mystisch ruhig, und tatsächlich halten sich in der Bucht Wale auf. Das heisst nicht unbedingt, dass man sie auch zu sehen bekommt. Dafür wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit den sturmerprobten, struppigen und liebenswerten Islandpferden begegnen. Übrigens fühlt sich jeder Isländer persönlich beleidigt, wenn der unwissende Tourist das Wort Pony in den Mund nimmt. Auch wenn sie an Ponys erinnern: Es sind Pferde. Islandpferde.

Robust: Dank ihres dicken Pelzes macht den Islandpferden das Winterwetter nichts aus.

Hinter jeder Kurve verändert sich die Landschaft, eröffnet sich ein weiteres grandioses Bild. Mal lugt die Sonne zwischen Wolkentürmen hindurch, mal schaukeln ein paar Schneeflocken sanft zur Erde. Wer sich nicht mässigt, kommt vor lauter Fotostopps kaum vorwärts. Wenn dann mit bedrohlich dunkelgrauer Front ein Schneesturm heranbraust, steigt der Adrenalinspiegel. Nicht mehr lange, und der Wind fegt die Schneeflocken in höllischem Tempo durch die Luft und – ganz unangenehm – dicht über die Strasse hinweg, sodass die Fahrbahn mit der Umgebung optisch verschmilzt. Das Fahren wird anstrengend. Oft dauern solche Schneestürme aber nur kurz. Und mit Glück erlebt man auch im Winter etwas blauen Himmel.

Die beliebteste Route im Winter

Im Winter fast noch spektakulärer als im Sommer: die tosenden Wassermassen des Gullfoss

Ein sicherer Wert ist der «Golden Circle»: Die Rundfahrt führt von Reykjavík ins Landesinnere bis zum Wasserfall Gullfoss und etwas weiter nördlich wieder zurück. Auf dieser populären Route sind zahlreiche Touristenbusse unterwegs. Trotzdem, ein Trip auf dem «Goldenen Kreis» lohnt sich. Der Wasserfall Gullfoss stellt zu jeder Jahreszeit ein begehrtes Fotosujet dar. Die talwärts tosenden Wassermassen bieten einen spektakulären Anblick. Genauso der Geysir Strokkur, der etwa alle zehn Minuten fauchend seine Fontäne in die kalte Winterluft schiesst. Bevor es nach Reykjavík zurückgeht, gilt ein Stopp der Ortschaft Thingvellir. An dieser historischen Stätte tagte vom 10. bis ins 18. Jahrhundert alljährlich im Juni das «Althing», also das Parlament.

Zuverlässig alle zehn Minuten geht er in die Luft: der Geysir Strokkur.

Thingvellir heisst auch der Nationalpark, der zum Unesco-Naturwelterbe zählt. Durch diesen Park zieht sich die Silfra-Spalte, die durch das Auseinanderdriften der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatten entstanden ist und jährlich etwa sieben Millimeter breiter wird. Hautnah lässt sich die Silfra-Spalte im Einkaufszentrum von Hveragerđi erleben: Dort ist im Fussboden eine Glasplatte eingelassen, unter der sich die Bruchstelle befindet. Man steht hier also mit je einem Fuss auf einer der beiden Kontinentalplatten.

Wilde Brandung an schwarzen Stränden

Auch die Südküste ist eine Autofahrt wert. Sie führt zum grandiosen, 60 Meter hohen Wasserfall Skógafoss, der wirkt, als würde er aus dem Himmel fallen. Am schwarzen Strand Reynisfjara und beim nahe gelegenen Ort Vík ist die Brandung immer wild, ohrenbetäubend und nicht ganz ungefährlich. Es kommt vor, dass eine heranrasende Welle plötzlich viel weiter den Strand hinaufschwappt als die vorhergehenden. Schon manche Kamera ist so ein Opfer des Salzwassers geworden.

Von beiden Stränden aus sieht man im Meer draussen die «versteinerten Trolle», drei schwarze Felsnadeln. Der Legende nach wollten die Trolle ein Schiff vor dem Ufer zum Kentern bringen und wurden zur Strafe für ihre böse Absicht versteinert. Spätestens jetzt ist der Tourist mit den Elfen, Feen, Gnomen und Trollen konfrontiert, die in Island grosses Ansehen geniessen: Gemäss einer Umfrage glauben über 50 Prozent der Isländer fest an deren Existenz. Und ganze 90 Prozent würden sich zumindest nie getrauen zu sagen, es gebe keine Elfen. Es gibt sogar eine Elfenschule und eine Elfenabgeordnete, die bei Bauarbeiten zurate gezogen wird. Denn man geht davon aus, dass das «Huldufólk», das verborgene Volk, in Steinen und Grashügeln wohnt, und baut lieber darum herum. Werden Wohnorte der Elfen zerstört, sollen seltsame Unfälle und Schlimmeres passieren, heisst es.

Die Reynisdrangar an der Südküste: Versteinerte Trolle? Oder doch bloss Felsnadeln im Meer?

Zurück auf dem Boden der Realität führt der Weg Richtung Osten durch skurril anmutende Lavafelder, an Gletschern vorbei bis zur berühmten Gletscherlagune Jökulsárlón. Sie ist Ausgangspunkt für eine Tour zu einer Eishöhle im Vatnajökull-Gletscher, die innen in allen möglichen Blau- und Türkistönen leuchtet. Ein absolutes Highlight! Der Vatnajökull ist der grösste Gletscher in Island und grösser als der gesamte Kanton Graubünden.

Beim Skógafoss scheint das Wasser direkt aus dem Himmel zu fallen.

Farbiges Licht ist übrigens der Hauptgrund, weshalb die Menschen im Winter nach Island reisen: Nordlichter, Aurora borealis! Die geheimnisvoll wabernden «Lichtvorhänge» sind nur in Winternächten zu sehen, und im Winter sind die Nächte in Island bekanntlich lang. Aber dies ist noch keine Garantie für Nordlichter. Bei wolkenverhangenem Himmel sieht man sie nicht. Und das Wetter ist nun mal der unsicherste Faktor auf einer Island-Reise.

Diese Reise wurde unterstützt von Icelandair (Flug und Hotel in Reykjavík) sowie Hotelplan (Mietwagen, Hotel in Vík und Cottage).

Fotorausch: Das Eis in einer Höhle im Vatnajökull leuchtet in allen möglichen Blautönen.

Unterkünfte in Island

Icelandair Hotel Reykjavík Marina, Mýrargötu 2–8, 101 Reykjavík: Das noch neue Hotel mit Restaurant/Bar am alten Hafen ist sehr originell, farbenfroh und witzig eingerichtet. Die Zimmer sind teilweise etwas eng (King Attic Zimmer 401 ist gut). Auch das Restaurant ist empfehlenswert (Fischsuppe probieren!). Das Hotel hat keine eigenen Parkmöglichkeiten, aber es gibt entlang der Strasse Parkfelder und in der Nähe einen grossen Parkplatz.

Icelandair Hotel Vík, Klettsvegi 1–5, 870 Vík. Icelandair besitzt in Island neun Hotels. Jenes in Vík ist im klassisch nordischen Stil eingerichtet, modern, grosszügig und luftig. Im hoteleigenen Restaurant isst man vorzüglich Regionales. Parkplatz vorhanden. www.icelandairhotels.com

Ferienwohnungen und Cottages: Wer lieber auf Selbstversorgung setzt, was angesichts der generell hohen Preise in Island (eine Stange Bier 10 Franken, ein Hauptgang gut 50 Franken) eine gute Option ist, kann sich auch tage- oder wochenweise eine Wohnung oder ein Häuschen mieten. Aber Achtung: Viele Cottages sind eher Sommerhäuser und können im Winter bei Sturm und Kälte kalt sein. Dann muss man eine Kleiderschicht mehr anziehen.

Restaurants

Lækjarbrekka, Bankastræti 2, Reykjavík
Wer königlich tafeln möchte, darf sich das Lækjarbrekka nicht entgehen lassen. Es ist nicht ganz günstig, aber Einfallsreichtum und Können der Küche überzeugen. Das Restaurant befindet sich in einem der ältesten Häuser Reykjavíks. www.laekjarbrekka.is

Reykjavík Röst Restaurant, Geirsgata 5, 101 Reykjavík: Mit Sicht auf den alten Hafen eine Suppe mit feinem Sandwich oder eine andere Kleinigkeit geniessen. Das unkomplizierte Café ist sehr gemütlich. Auch im Winter.

Slippbarinn Restaurant Bar, Mýrargata 2, 101 Reykjavík: Ein sehr angenehmes Restaurant/Bar mit kleiner, aber feiner Karte.

Lava Restaurant Norðurljósavegur 9, 240 Grindavík: Das Restaurant gehört zur berühmten Blue Lagoon, der Geothermie-Badeanlage (mittlerweile mit eigenem Hotel). Schmackhafte Fleisch- und Fischgerichte zu Aussicht auf die blaue Lagune – kann man auch mit Eintritt ins Geothermalbad buchen. Leider ist die Badelandschaft immer total voll. Tickets muss man wochenlang im Voraus buchen, am besten schon von zu Hause aus. Auch im Restaurant reserviert man besser: bluelagoon.com

Idyllischer Ort mit grosser Vergangenheit: In Thingvellir tagte jahrhundertelang das isländische Parlament.

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