04. Dezember 2017

Irgendwann am Dienstag

Bänz Friedli muss zu Hause oft warten. Hier kannst du dich mit anderen Lesern austauschen und die vom Autor gelesene Hörkolumne herunterladen.

Spülmaschine
Lesezeit 2 Minuten

«Verdammte Zumutung!», fand eine Bekannte, wir nennen sie hier Fränzi W., Mutter zweier Teenager, werktätig, geschieden. Eine Zumutung, dass sie einen Nachmittag lang daheim hocken und warten sollte, ob vielleicht der Monteur vorbeikäme, um den Tumbler zu reparieren. (Was allerdings recht dringend war, denn eine berufstätige alleinstehende Mutter hat viel zu tumbeln!)
Der Monteur komme, war ihr telefonisch beschieden worden, «am Dienstag, irgendwann zwischen halb zwei und 18 Uhr». Ob sie es denn nicht genauer sagen könnten, fragte Fränzi, weil: Sie habe einen Job. Doch, meinte die Frau von der Hotline, der Monteur rufe eine halbe Stunde vorher an. Sie, ähm, habe drum einen Arbeitsweg von einer Stunde, wandte Fränzi ein, ob man sie denn nicht eine ganze Stunde vorher benachrichtigen könnte, damit sie rechtzeitig zu Hause sei? Leider nein.

Wir alle kennen es zur Genüge: Solche Termine – ob es um einen Geschirrspüler oder um eine geborstene Scheibe geht – werden einem stets nur vage angekündigt, in der antiquierten Annahme, «Hausfrauen» seien sowieso die ganze Zeit daheim am Herd, wenn sie nicht gerade bei Nachbarin Anita am Käfele (am Vormittag) oder Proseccöle (am Nachmittag) seien. Wer sagt denn, dass ich nicht anderweitig fort bin? Zum Beispiel, weil ich in einem Wartezimmer auf eine Konsultation warte, und zwar seit 95 Minuten …
Kommenden Montag, stand in einer Mitteilung unserer Baugenossenschaft, solle ich von 8 bis 12 Uhr daheim sein, es komme jemand, um die Dichtungen der Fenster zu prüfen. Demnach werde ich den ganzen Morgen auf dem Quivife sein. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Auch Fränzi W. meldete sich an diesem Nachmittag von der Arbeit ab, blieb zu Hause. Und wartete. Der Monteur war dann, zu Fränzis Überraschung, eine Monteurin. Und der Tumbler, 17-jährig, funktionierte bei einem Testlauf einwandfrei. «Warten Sie!», flehte Fränzi, «gleich passiert es … Gleich kommt die Fehlermeldung ‹A30›!» Doch der Trockner lief und lief. Darauf die Monteurin: «Ich mache Ihnen einen Vorschlag, ich gehe jetzt auf der Stelle wieder, dann schreibe ich Ihnen nur die Fahrt auf. Sonst kommt es Sie teuer zu stehen. Reparieren könnte man das uralte Gerät ohnehin nicht mehr …» Und weg war sie.

Sie ahnen es: Kaum war die Monteurin gegangen, versagte der Tumbler erneut den Dienst.
Doch sie hat auch ein versöhnliches Ende, diese Geschichte: Seither benutzt Fränzi W. ihn einfach nicht mehr, auf eine Neuanschaffung hat sie verzichtet. Ist sowieso umweltfreundlicher. 

Die Hörkolumne (MP3)

Bänz Friedli live: 5.12. Schlieren ZH, 7.12. Grüsch GR, 9.12. Thun BE

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