15. November 2017

In- und outdoor

Der Küchengarten wandert ins Haus. Was in den Hochglanzanzeigen aber meist besser funktioniert als in der Realität

Basilikum auf dem Fensterbrett
Der Indoor-Kitchengarden der Autorin besteht aktuell aus einem von draussen evakuierten Basilikum – bis er schlappmacht.
Lesezeit 2 Minuten

Regelmässige Leser wissen, dass ich nicht nur leidenschaftlich gern buddle. Genauso leidenschaftlich gern lese ich. Und zwar neben Krimis aller Art jedes Wohnheftli, das mir in die Finger fällt. Dort wird zurzeit ein Trend propagiert, der sozusagen von aussen nach innen geschwappt ist: der Kitchengarden respektive seine Indoor-Variante, der Indoor-Kitchengarden.

Anzutreffen sind diese In-Haus-Küchengärten vor allem in den Anzeigen teurer Edelküchenhersteller: Neben Teppanyaki und Induktionswok, Edelkolbenkafimaschine mit Wasseranschluss und Wasserbrause mit Pull-out-Funktion tummeln sich dort Basilikum und Oregano, Schnittlauch und Thymian. Und zwar nicht einfach auf dem Fensterbrett wie bei Kreti und Pleti (also wie bei mir), sondern elegant integriert: Salat und Rüebli im Hochbeet neben der höhenverstellbaren Kochinsel, Radiesli und Ruccola auf der Anrichte aus zertifiziertem Tropenholz und Tomaten und Gurken an der Küchenwand im U-Bahn-Look entlang, gleich neben dem kompostierbaren Bambusbike des Küchenbesitzers.

Zugegebenermassen sieht das alles erst einmal sehr hip aus und auf den ersten Blick auch praktisch: Rasch die Schere geschnappt und schon gibts zum soeben geernteten Salat ein paar entsprechende Chrütli für die notabene ebenfalls frisch zubereitete Salatsauce. Ehrlich gesagt kann ich mir aber nicht vorstellen, dass das Ganze auch ausserhalb einer Hochglanzanzeige funktioniert.

Schliesslich hat es gerade in der trüben Jahreszeit in den meisten Küchen zu wenig Licht (ausser man installiert eine Extralampe), von der wegen all der Heizerei zu trockenen Luft gar nicht zu reden (ausser man installiert einen Luftbefeuchter). Dazu kommt der chronische Platzmangel in – ich sage jetzt mal 99 Prozent – der Schweizer Küchen: Wer wie ich das Fondue-Caquelon und den Römertopf in den Keller auslagern muss, findet wohl kaum Platz für ein mit Salat und Rüebli bestücktes Hochbeet. Mal abgesehen davon, dass gemäss meinen eigenen Indoor-Küchengarten-Erfahrungen die meisten Pflanzen spätestens nach zwei, drei Wochen (der Basilikum bereits nach fünf Tagen!) wegen oben genannter Gründe wortwörtlich schlappmachen.

Und drum halte ich mich zurzeit (Achtung, Schleichwerbung!) in erster Linie an die Migros: Dort gibts Salat, Chrütli und Co. immer ganz frisch. Zumindest solange, bis ich meinen eigenen Kitchengarden wieder in Betrieb nehmen kann – und zwar outdoor!

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