09. Dezember 2017

In fünf Schritten zur Seligkeit

Ich war an einem Mini-Weihnachtsmarkt im Dorf. Und bereute meine Überheblichkeit bald.

Der kleine, glitzernde Weihnachtsmarkt
Der kleine, glitzernde Weihnachtsmarkt im Dorf.
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«Wämmer an Wiehnachtsmärt?», fragte mein Mami. «Du willsch uf Züri?» tippte ich etwas irritiert ins Handy. Denn dass meine Mutter nicht gerade stadtkompatibel ist, wisst sogar ihr bereits. «Nei, bi ois geds dänk au eine!», antwortete sie. Ich war zugegebenermassen etwas überrascht. In den 23 Jahren, in denen auch ich in diesem Dorf lebte, hatte ich noch nie was von dem Markt gehört. Aber nun gut, dachte ich mir. Es war Samstagnachmittag, wir hatten sowieso abgemacht. Und Glühwein würden sie wohl auch hier können.

Der Weihnachtsmarkt fand im Park der Ortsbürger-Villa statt. Auf dem Weg dorthin fror ich. Ich bereute es ein bisschen, mich auf die Reise ins Dorfzentrum eingelassen zu haben. Als wir den Markt erreichten, musste ich sogar ein bisschen lachen – kein fröhliches, eher ein gemeines Lachen. Der Markt bestand nur aus etwa acht Ständen, im Kreis aufgestellt.

Doch bald sollte ich meine Überheblichkeit bereuen.

Es führten quasi fünf Schritte zur Kehrtwende meiner Meinung. Erstens: Wir mussten nicht minutenlang darüber debattieren, welchen Glühweinstand wir berücksichtigen wollen – denn es gab nur einen. Für mich als Entscheidungslegasthenikerin ein Glücksfall. Zweitens: Wir mussten nicht anstehen. Es dauerte keine Minute, und wir hatten beide einen vollen Becher in der Hand – in der Stadt unvorstellbar. Drittens: Am Bratwurststand kamen wir mit einer älteren Dame ins Gespräch, die uns die selbstgemachten Guetsli am Stand nebenan empfahl. Sie war extra wegen dieser Guetsli gekommen – es waren die besten. Guetsli. Ever. Viertens: Ich traf Leute, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte – überall gab es jemanden zum Plaudern. Fünftens: Eine Verkäuferin mit wunderschönen Teelichtern gab mir auf meinen Einkauf Rabatt – einfach so, weil ich mich für ihre Arbeit interessiert hatte.

Das Fazit: Manchmal liegt das Gute so nah. (Oder: Glühwein schmeckt überall. Oder: Sei nicht überheblich. Oder: Ein Hoch auf Miniweihnachtsmärkte! Oder: Hör auf dein Mami.)

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