07. September 2017

Im Waldschattenparadies

Eine Halbtages-Rundwanderung von Stein am Rhein führt an der Grenze zu Deutschland über die Burg Hohenklingen und den Kressenberg.

Aufstieg auf den Kressenberg
Völlig unspektakulär: Letzter kurzer Aufstieg auf den Kressenberg.
Lesezeit 4 Minuten

Für die Ankunft auf zwei Rädern in Stein ( zum Bericht Weinfelden-Stein a. Rhein ) habe ich schon im Voraus geplant, die Schuhe zu wechseln und das Rad in Zentrumsnähe anzuketten. Prompt findet sich bloss ein paar Schritte nördlich vom historischen Zentrum eine Migros mit überdachtem Abstellplatz.
Vor der Verlängerung des Ausflugs zu Fuss steht jedoch noch die Stippvisite in die Altstadt mit ihren berühmten bemalten Häuserfassaden an. Eindrücklich bunt die ehrwürdigen Bauten, reich an verschiedenen Motiven, dazu mit einem völlig entspannten Rhythmus im Gässchen und den von ebenso bunt durchmischten Touristen rege frequentierten Strassencafés dazwischen.

Nach einer Stärkung, begleitet von guten Strassenmusikern, beginne ich den Aufstieg zur Burg Hohenklingen. Spalier stehen dabei nie eng angelegte Rebstocklinien und die eine oder andere Blumenwiese. Kaum ist man leicht ausser Atem, steht man schon fast am Fuss der Burg. Diese wurde vor ein paar Jahren aufwendig renoviert und beherbergt vor allem einen gediegenen Restaurationsbetrieb. Speziell für Kinder lohnt sich der Gratiseintritt und die Besichtigung von vielleicht einem Drittel der Anlage dennoch.

Die beste Aussicht für Gross und Klein bietet jedoch einer der hübschesten Picknickplätze der Schweiz (die Grenze am Punkt Himmelreich ist noch ein paar Steinwürfe entfernt) östlich der Burg. Der zehnminütige Umweg auf unserer Tour hat sich ohne Zweifel gelohnt – beliebig langes Bräteln, Im-Wald-Spielen oder schlicht auf der angrenzenden Wiese an der Sonne Liegen nicht inbegriffen. Überhaupt eignet sich die vorgeschlagene Route auch abgesehen vom Picknick ideal für Familien mit Kindern ab der dritten oder vierten Klasse, plant man zudem genug Zeit für eine zweite Rast und mehr als einen Halbtag ein. Okay, wenn der Nachwuchs immer nach 20 oder 30 Minuten Laufen zu schnöden beginnt, lässt man es beim Erklimmen des Burghügels bewenden.

Route Weinfelden-Stein a. Rhein

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Für die anderen heisst es von der Übersicht mit Steiner Altstadt und dem Unterseebecken Abschied nehmen, denn kaum ist man unmittelbar hinter der Burg 500 Meter hinabgelaufen, hat man für mindestens zwei Stunden als Orientierung allein die hoffentlich mitgeführte Karte(nansicht). Denn, Achtung: Apps und Webservices sollten bis Deutschland Material liefern, vom ersten grossen Wegweiser am Bach beim Höhen-Punkt 456,2 an der Grenze hat es keine brauchbaren Schilder bis kurz vor dem Kreuzhof! Und Google hilft hier auch wenig weiter.

Wir befinden uns in meist lichtem, mal dichterem Wald, mehrheitlich naturbelassenem Schutzraum. Auch vom Kressenberg-Hügel, den wir vom breiten Weg aus auf einer gefahrlosen Schneise meistern, um kurz danach auf einem Alpinweglein zum breiten Weg zurückzukehren, sieht man nirgendwohin. Dafür kann man rumtollen, ist meist völlig allein für sich und findet immer mehr Gefallen an Entdeckungen im sich unablässig leicht verändernden Waldschattenparadies. Letzter Höhepunkt ist der Weg entlang dem lauschigen Schiener Bach, der all seine rundum eingestürzten Bäume wie Schmuck herzeigt.

Erst beim schon erwähnten Kreuzhof kehrt man in die Zivilisation zurück, bestaunt zwei bis drei grössere Bauernhöfe, die sich mehr als nur in Nuancen von Schweizer Nachbarn unterscheiden, und trifft eine letzte Entscheidung: Entweder kehrt man etwas unter dem Waldrand entspannt nach Stein zurück, oder man besichtigt noch etwas mehr Landwirtschaftsflächen und ein paar Wohnsiedlungen (diese übrigens viel weniger von unseren zu unterscheiden) auf dem Weg Richtung Ohnigen. Zuletzt überschreitet man unbemerkt beim Zollhäuschen die Grenze und spaziert unmittelbar danach rechts abzweigend auf der Alten Zollstrasse Richtung Ausgangspunkt der Tour.

Geeignet für Spaziergänger, die zwei Anstiege à 200 m schaffen
Höhepunkt: Hohenklingen, Kressenberg, letztes Waldstück am Schiener Bach
Pause: Picknickplatz am Ende der Umwegschlaufe mit bester Sicht auf Stein und Untersee
Dauer: 3 Std. 30 (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): ca. 550 m

Letzte Woche: So kam ich mit dem Velo von Weinfelden nach Stein am Rhein

Trümpfe der Biketour Weinfelden-Stein a. Rhein

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