08. Februar 2019

Im Namen die Liebe

Bei Anruf Amore, bei Klingeln Love: Es gibt tatsächlich Menschen, die so heissen wie das schönste aller Gefühle. Wie lebt es sich damit? Wir haben bei Monsieur Amoureux und Co. nachgefragt.

Verschnörckeltes Klingelschild
Wer sind die Menschen, auf deren Klingel «Liebe» steht?

Bernard Amoureux

62, Personalberater RAV, Echallens VD

«Die Menschen fragen mich regelmässig, ob es nicht anstrengend sei, immer verliebt zu sein. Überhaupt nicht, sage ich dann. Aber grundsätzlich haben sie recht: Ich bin immer verliebt, seit 37 Jahren bin ich glücklich verheiratet. Nur am 14. Februar nicht, da mache ich Pause und überlasse den Tag allen anderen Verliebten.

Wir konnten nie genau herausfinden, woher der Name ‹Amoureux› kommt. Vermutlich aus Nordfrankreich; dort gibt es viele Namen, die aus Adjektiven gebildet wurden. Eventuell spielen auch Einflüsse aus dem Süden Spaniens eine Rolle.

Mein Name passt absolut zu mir, und ich möchte auch nicht anders heissen. Denn es liegt in meiner Natur, die Menschen zu lieben. Das ist viel angenehmer, als sie zu hassen. Ich erlebe auch nur positive Reaktionen – viele sind überrascht. Bei der Arbeit muss ich oft telefonieren, da öffnet mein Name so einige Türen.

Natürlich machen die Menschen auch Spässe: Ein Kollege nennt mich gern ‹mon Amoureux› – mein Geliebter. Und meine Frau und ich werden auch mal gefragt, ob der andere denn nicht eifersüchtig sei, wenn wir ständig verliebt seien. Das nehmen wir mit Humor.»

Olga Amore

43, selbständige Fitnessinstruktorin, Courgevaux FR

«Als ich einmal an einem Valentinstag für meinen Mann Blumen bestellen wollte, konnte die Verkäuferin fast nicht glauben, für wen sie gedacht waren: ‹Herr Amore›, das fand sie zu perfekt.

Die Familie meines Mannes stammt aus Frasso Telesino nördlich von Neapel, dort gibt es viele mit dem Namen Amore. Ich heisse erst seit unserer Hochzeit im Jahr 2004 so. Das war schon eine Veränderung. Viele machen mir deswegen Komplimente, andere fragen, ob Olga Amore mein Künstlername sei. Das ist er definitiv nicht, ich heisse ja wirklich so!

Der Name passt auch gut zu meiner Tätigkeit als Fitnessinstruktorin: Da muss ich positive Emotionen vermitteln, und das liegt mir sehr. Und auch privat ist der Name sozusagen Programm: Mein Mann und ich führen eine glückliche Ehe und haben zwei tolle Kinder. Besser könnte es nicht laufen! Den Tag der Liebe zelebrieren wir mit einem feinen Essen und manchmal mit kleinen Präsenten und Blumen.»

Robert Love

60+, ehemaliger Informatiker, heute Übersetzer, Luzern

«Für einige Freunde war ich immer ‹Roberto d’Amore›, das fand ich in Ordnung. Während der Schulzeit wurde ich wegen meines Namens allerdings oft verspottet, damals hätte ich ihn gerne geändert. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, obwohl ihn in der Schweiz viele nicht ganz richtig aussprechen: In der deutschen Sprache fehlt ja der Vokal, der wie der englische klingt.

Mein Name ist schottisch und geht vermutlich zurück auf ein französisches Wappen mit einer Wölfin drauf: Auf Französisch heisst Wölfin ‹louve›; die Schotten verstanden die Franzosen nicht und hielten ‹louve› für ‹love›. Das ist aber die einzige Geschichte zu meinem Namen, die ich glaube. Dass er im eigenen Liebesleben für Erfolg sorgen soll, halte ich für ein Gerücht. Aber auf alle Fälle bringt mein Name viele zum Schmunzeln.

Mit 20 lebte ich in Neuseeland. Als ich einmal einen Arzt aufsuchen musste, sang er im vollen Wartezimmer ‹love makes the world go round›, sobald ich an der Reihe war. Meinen Coiffeur habe ich übrigens auch wegen meines Namens ausgesucht: Es ist Hugo Graf aus Luzern, und sein Geschäft heisst ‹Love is in the Hair›. Logisch, dass es für mich keine Alternative gibt!»

Anna Barbara Liebe

51, Lehrerin, Thun BE

«Mein Mann und ich haben 1989 geheiratet. Zu der Zeit gab es die ersten Frauen, die ihren eigenen Nachnamen behielten. Da mein Thomas aber ‹Liebe› heisst, habe ich mir das keine Sekunde lang überlegt. Unsere beiden Töchter, 19 und 21 Jahre alt, wissen hingegen jetzt schon, dass sie ihren vielversprechenden Nachnamen einmal behalten wollen.

In unserer Familie ist der Name Programm: Die Liebe ist für mich das Wichtigste auf der Welt. Und die Leute reagieren nur positiv, wenn ich meinen Nachnamen nenne. ‹Wie schön!›, finden die meisten. Obwohl es eins der bekanntesten Wörter überhaupt ist, muss ich den Namen meistens buchstabieren – viele wissen nicht, dass man so heissen kann.

Mein Schwiegervater hat den Namen aus Deutschland in die Schweiz gebracht. Mein Mann sagt, er habe schon Heiratsanträge von Frauen erhalten, die es auf seinen Nachnamen abgesehen hätten. Spasseshalber natürlich. Ich finde es schön, diesen Namen tragen zu dürfen. Wenn ich eine E-Mail oder einen Brief bekomme, steht da oft als Anrede: ‹Liebe Frau Liebe› – toll, oder?»

Rosa Amor

69, pensioniert, Zürich

«Als ich vor ein paar Jahren mal zur Migros-Bank ging, war ein Lehrling ganz begeistert von meinem Namen. Er fragte, ob ich ihn denn auch geniesse und ob mir bewusst sei, wie schön er klinge – das hat mich sehr berührt.

Ich höre oft, dass mein Name gut zu mir passe. Und es stimmt auch: Ich bin eine herzliche, dankbare und sehr zufriedene Person. Ich wurde in Spanien geboren, und von dort stammt auch mein Name. Es gibt nicht viele, die so heissen, die meisten wohnen im Nordwesten von Spanien.

Vor 45 Jahren kam ich in die Schweiz. Mein Mann hiess Rodriguez mit Nachnamen. Auch ich trug diesen Namen, bis ich mich in der Schweiz einbürgern liess, nachdem er gestorben war. In Spanien bleibt nämlich im Pass immer der ledige Name, das wollte ich nicht ändern. Also heisse ich jetzt wieder Amor.

Ich mag den Namen, zelebriere ihn aber nicht speziell. Es ist ja einfach mein Name, ich heisse jeden Tag so. Auch den Tag der Liebe feiere ich nicht mehr. Ich habe aber eine sehr schöne Erinnerung daran: Kurz bevor mein Mann starb – er war damals schon krank –, brachte er mir aus der Migros am Limmatplatz einen wunderschönen Blumenstrauss. Ich finde es schön, solche Zeichen der Liebe zu erhalten.» 

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