20. Juni 2018

Im Laufschritt zum gläsernen User

Der Hype ums Gesundheitstracking reisst nicht ab. Nach Waagen, Kopfhörern und Uhren ist bereits auch die Rede von DNA- und Speicheltests. Wir stellen sechs Geräte vor und erklären, warum die Datensammelei nicht nur der Gesundheit der Träger dient.

Jogger mit Kopfhörern Jabra Elite Sport
Mit Sensoren ausgestattet: Die kabellosen Kopfhörer Elite Sport von Jabra messen den Puls. (Bild: zVg)
Lesezeit 4 Minuten

Schritte, Kalorien, Puls, Gewicht: Mit dem richtigen Gerät lässt sich fast jede biometrische Information messen. Und das wird auch rege genutzt, auf dass der Schlaf besser, die Fitness mehr und das Gewicht weniger werden. Gedanken zum Datenschutz treten dabei gern in den Hintergrund.

Die Tücken des Datensammelns

Persönliche Daten sind in der heutigen Zeit pures Geld wert. Aus den gesammelten Geodaten und Informationen zu Mittagssnacks oder Schlafzyklen von Millionen von Usern auf der Welt lassen sich detaillierte Informationen über das Benutzerverhalten ablesen – Stichwort Big Data. Mögliche Folgen: Jemand stiehlt die Identität des Tracker-Trägers und gibt sich für ihn aus. Oder Krankenkassen erstellen Identitätsprofile. Die Sanitas zum Beispiel bietet bereits eine eigene Fitness-App mit angeschlossenem Belohnungssystem in Form von Wertegutscheinen an. Es ist nicht auszuschliessen, dass Krankenkassen irgendwann anfangen, umgekehrt auch einen Mangel an Bewegung abzustrafen.

Auf der anderen Seite finden es einige Tracker-Träger motivierend, abends die absolvierten Schritte und die verbrannten Kalorien vom Screen abzulesen. Andere nutzen die persönliche Statistik, um gezielter trainieren zu können. Und viele freuen sich einfach über Grafiken und Auswertungen über sich selber – selbst wenn sie nicht sportlich sind. Die Krux: Gesammelte Fitnessdaten sind nicht immer so privat, wie man denken würde. Kaum ein Gerät speichert die Daten nur lokal ab. Und sind sie erst einmal in den Datenbanken von Fitbit, Nokia und Co., ist es schwierig zu kontrollieren, was damit geschieht. Oft sind die Geräte zusätzlich mit einem sozialen Netzwerk wie Facebook verbunden.

Als User kann man den Datenfluss durch Einstellungen nur minimal steuern. Ansonsten steht man vor der Entscheidung: Geräte nutzen und Daten liefern oder beim Trainieren, Schlafen und Wägen offline bleiben. Das neue europäische Datenschutzgesetz will zwar viele Firmen zwingen, Nutzerdaten besser zu schützen. Ob das aber wirkt, wird sich noch zeigen.

Die Zukunft: Personalisierte Tipps vom Tracker

Sicher ist: Mit neuen Technologien wird das Sammeln von Gesundheits- und Fitnessdaten in Zukunft noch einfacher – und die Möglichkeiten vielfältiger. Bald könnten uns die Geräte personalisierte Tipps zur Verbesserung der Gesundheit geben. Bereits gibt es Anbieter, die aufgrund eines DNA-Tests ein massgeschneidertes Fitnessprogramm zusammenstellen, wie Forbes.com berichtet. Gemäss dem gleichen Report könnte die kommende Generation an Fitness-Trackern mit Speicheltest-Kits ausgestattet sein und so eine völlig neue Imformationsdimension erreichen. Datenschutz wird damit noch wichtiger. Wenn dieser gesichert ist, können Fitness-Tracker tatsächlich spassig und nützlich sein.

Das können die populärsten Geräte:

Waage Fitbit Aria 2
Waage Fitbit Aria 2

Waage Fitbit Aria 2

Intelligente Waagen wie die Aria 2 messen Body-Mass-Index, Körperfettanteil und fettfreie Masse – und das für bis zu acht Personen pro Gerät. Per Wi-Fi werden die Daten ans Fitbit-Konto in der Cloud gesandt. Mit über 100 Franken ist die Aria 2 für eine Waage nicht gerade günstig, und der Körperfettanteil wird nicht immer sehr präzise angegeben. Bei Digitec

Smartwatch Fitbit Versa
Smartwatch Fitbit Versa

Smartwatch Fitbit Versa

Die neueste Fitness-Smartwatch von Fitbit setzt auf ein ähnliches Design wie die Apple-Watch. Sie besitzt eine Reihe von Sensoren für Pulsmessung, Schrittzählung und Ähnliches. Das Farbdisplay kann Benachrichtigungen vom verbundenen Smartphone anzeigen. Leider fehlen dem Gerät GPS und 4G, um völlig autark funktionieren zu können. Auch kann es weder auf die gleiche App-Vielfalt wie klassische Smartwatches zurückgreifen noch mit der Funktionalität von reinen Sportuhren mithalten. Bei Digitec / Zum aktuellen Testbericht

Kopfhörer Jabra Elite Sport
Kopfhörer Jabra Elite Sport

Kopfhörer Jabra Elite Sport

Bereits werden Kopfhörer mit Sensoren ausgestattet. Die kabellosen Elite Sport von Jabra messen den Puls und ermöglichen über die dazugehörige App, Trainingseinheiten aufzuzeichnen. Der Akku hält leider nur drei Stunden. Immerhin liefert das Etui Saft für zwei weitere Ladungen. Bei Digitec

Fitnessband Activity Tracker Polar A370
Fitnessband Activity Tracker Polar A370

Fitnessband Polar A370


Kleiner und leichter als eine Smartwatch ist ein Fitnessband wie das Polar A370. Es misst Schritte und Puls, erkennt Trainingseinheiten und überwacht den Schlaf. Die gesammelten Daten sind in der dazugehörigen App einsehbar. Die vier Tage Akku sind mehr, als eine Smartwatch bietet, aber weniger als das, was eine Sportuhr kann. Für Jogging eher ungeeignet, da ohne GPS. Bei Digitec

Fitness- und Schlaftracker Nokia Steel
Fitness- und Schlaftracker Nokia Steel

Nokia Steel

Eine Mischung aus Smartwatch und klassischer Uhr ist die Nokia Steel. Das Hybrid-Gerät verfügt zwar nicht über die Funktionsvielfalt wie zum Beispiel eine Samsung Gear, dafür hält sie bis zu 25 Tage durch. Sie erkennt automatisch, wann ein Training beginnt, funktioniert aber am besten beim Joggen und Schwimmen. Und sie zeichnet Schlafphasen auf. Der Pulsmesser gilt als sehr genau, GPS sucht man auch hier vergebens. Bei Digitec.

Garmin Forerunner 645 Music
Garmin Forerunner 645 Music

Garmin Forerunner 645 Music

Die Forerunner 645 Music eignet sich für verschiedene Sportarten, unter anderem fürs Joggen, Biken, Krafttraining und Schwimmen. Dank GPS funktioniert sie auch ohne Smartphone. Dank genauem optischem Pulsmesser braucht es den optionalen Brustgurt nicht. Bis zu 500 Songs können auf der Uhr gespeichert werden, dafür unterstützt sie keine Streaming-Dienste wie Spotify. Kein Touchdisplay. Bei Digitec.

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