01. September 2017

Im Land der sanften Wellen

Die Velotour von Weinfelden und Ottoberg über einen Grossteil des Vor-Bodensee-Rückens nach Stein am Rhein. Nächste Woche die Fortsetzung: die Wanderung in den Hügeln nördlich von Stein.

Kurze und schöne Abfahrt nach Reckenwil
Kurze und schöne Abfahrt nach Reckenwil Richtung (zu querender) Hauptstrasse
Lesezeit 3 Minuten

Sind Land und Leute nicht bloss am Meer, sondern auch in der Nähe grosser Seen entspannter, vielleicht gar grosszügiger? Man könnte es meinen, hat man sich ein paar Kilometer auf die hügelige Landschaft vor dem Bodensee eingelassen.
So präsentiert sich ein der Sommerhitze angemessener Mix aus Feldern, Waldpartien und halbschattigen Durchfahrten durch Dörfer (wenige!) oder Weiler sowie einzelne Höfe (viele!); aus Landstrasssen und ein paar stets bequemen Feldwegen.

Mit der Zeit gerät man im sanft welligen Auf und Ab in einen eigenen Rhythmus, stets leicht angestrengt, nie überangestrengt. Unterstützt von geräumig verlaufenden Kombinationen aus Links- und Rechtskurven, die oft geschickt verstecken, dass man letztlich fast präzise auf einem Hügelzug Richtung Nordwesten fährt. Man entspannt sich auch vorzüglich, weil es alle paar Minuten ein anderes Panorama zu sehen gibt, aber nie ein so dominantes, dass man längere Zeit anhalten müsste, um die genau festgelegten Aussichten zu fotografieren. Alles kann, nichts muss.

Passend unangestrengt auch der Mix aus viel Landwirtschaftsflächen mit oft wunderschönen, nicht à la Ballenberg herausgepützelten Bauernhöfen und einigen modernen Wohnbauten, denen trotz attraktiven Standards das protzende Stein/Beton-Glasfront-Gehabe am Zürich- oder einzelnen Innerschweizer Seebecken fehlt. Sogar die traditionellen Riegelhäuser haben etwas beiläufig Alltägliches, geben sogleich den Blick wieder auf modern grosse Scheunen oder einen einfachen Bau der 60er-/70er-Jahre frei. Und die Leute, unterwegs oder auf dem Feld, wirken meist geschäftig, aber nie wirklich gestresst. Man ist zwar nicht am See, den kannte ich schon etwas und fuhr ihm deshalb nicht entlang (siehe: Rhein-Route), bleibt aber irgendwie immer «im Fluss».

Route Weinfelden-Stein a. Rhein

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Damit die Angelegenheit am Anfang und Ende doch etwas zusätzlich Kontur erhält, habe ich meinen Teil der ersten Etappe der Thurgauer Seerücken-Route (komplett: von Kreuzlingen nach Schaffhausen) mit zwei leichten Hindernissen umrahmt: Zum Einstieg gleich nach Weinfelden der hübsche Ottoberg, den ich absichtlich nicht auf der direktesten, steilsten Strecke hinaufdrücke, sondern im sanfteren Zickzackverlauf.
Einiges herber schon der Schlusspunkt, um nach Stein am Rhein zu gelangen: Von Nussbaumen über den Hügel ist die Steigung zwar noch etwas kürzer, entpuppt sich aber selbst auf dem durchgehend geteerten Strässchen für mindestens 500 Meter als kräfteraubende Wand. Wer sich dazu zu wenig kräftig einstuft und auf keine Stromhilfe zurückgreifen kann, der verzichtet besser auf diese Abkürzung. Doch er verpasst eine die Abfahrt krönende Aussicht auf Stein am Rhein, Burg Hohenklingen und das Ende des Untersees. Stattdessen umrundet er den Hügel über Stammheim und Etzwilen konsequent fertig, wie es sich gehört.

Geeignet für mittelmässig ausdauernde Tourenfahrer
Höhepunkt: Vor und nach Wäldi, Waldstück und Abfahrt nach Reckenwil
Pause: Waldecke Wäldi/Helsinghausen, Homburg, Herdern, vor dem Pass nach Stein
Dauer: 3 Std. 20
Höhenmeter (bergauf): 870 m

Nächste Woche die Fortsetzung: Rundwanderung von Stein a.Rhein über den Kressenberg

Trümpfe der Biketour Weinfelden-Stein a. Rhein

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