07. Juli 2014

Im Kanu, von Aare bis Thur

Neben der Doubs-Strecke locken weitere Schweizer Gewässer zu grossem Paddelspass. Eine Auswahl der speziellsten eintägigen Kanustrecken, die an (andere) Grenzen gehen.

auf gehts ins Kanu-Abenteuer
... und auf gehts ins Kanu-Abenteuer.

Städtereise mit Schwelleneffekt auf der Aare

Der vielleicht grösste Kanuklassiker verbindet auf fast direktem Weg Thun mit der Schweizer Hauptstadt Bern. Dabei geht es für Kanustrecken ziemlich zügig zur Sache, im Mittelpunkt steht schon bald nach Beginn die Uttiger Schwelle. Hier heisst es für Geübte wie auch für Mutige (mit erfahrener Begleitung), konzentriert durchzusteuern, für die anderen am Flussrand, das Gerät zu schultern und die kurze Strecke zu Fuss zu überbrücken. Eine Grenzerfahrung der meisterbaren Art. Im Übrigen hat man trotz meist hübschem Tempo genügend Zeit, verschiedene Waldtypen, Auen und Uferbereiche sowie die nähere Umgebung zu bestaunen.

Der Einstieg erfolgt in Thun Schwäbis (1–2 Minuten von der gleichnamigen Bahnstation entfernt), zu Ende geht die kurzweilige Reise beim Zeltplatz Eichholz vor dem Tierpark Dählhölzli, wir empfehlen aber erst die Ausbootsstelle unmittelbar vor der Dalmazibrücke in Bern.

Zeitbedarf: Knapp 5 Stunden ohne Pause.
Als Rastplatz bieten sich unterwegs mehrere Badeplätze an, etwa bei Wichtracht, Münsingen oder Rubigen, je nach Start- und Tageszeit.

Zwischen altem und neuem Aarelauf

An zeitliche Grenzen führt die Aarelandschaft von Nidau bei Biel in Richtung Solothurn. Dank der Juragewässerkorrektionen im früheren Sumpfgebiet des Seelands erfährt man auf der Route zwei komplett verschiedene Flusslandschaften. Es beginnt im grossen neuen, kontrolliert fliessenden Gewässer mit mächtigen Uferbefestigungen. Einstieg ist entweder in Nidau zwischen Bootshafen und Nidauer Strandbad – dann gleich links hinein in den Nidau-Büren-Kanal. Oder für jene, die in der Schleuse von Port keine Zeit verlieren wollen, startet die Reise besser gleich nach dieser grossen Wehranlage. Damit verkürzt sich die Strecke von zwölf Kilometer für den ersten Teil bis Büren auf unter zehn, die gesamte auf rund 26 Kilometer.
Die relativ waldarme Gegend mit ganz unterschiedlichen Dorfsiedlungstypen und viel Gemüseanbau führt zum Rest der «ältesten» Aare, dem Häftli. Hier heisst es reingucken. Per Kanu durchs Naturschutzgebiet selbst zu fahren ist von März bis September verboten, auch sonst ist aus Respekt vor der Natur vom Befahren abzuraten.

Ab Büren geniesst man den kurvigeren alten Flusslauf, bei Arch und Altreu passiert man im kantonalen Schutzgebiet (kein Aussteigen/Auswassern, Betreten des Inselchens und Befahren des Widi-Kanälchens!) national bedeutende Auenpartien. Ein letzter Höhepunkt ist das Durchqueren von Solothurns Zentrum, an Land geht man links unmittelbar vor der breiten Rötistrassen-Autobrücke.

Zeitbedarf: 6 bis 7 Stunden ohne grössere Pause. Wer es kürzer mag, startet erst in Büren (Dauer 4 bis 4,5 Stunden).
Rasten kann man am besten im alten Kern von Büren (auswassern rechts, direkt nach der grossen Brücke).

Die Tempowechsel der Reuss

Eine selten vielseitige Flusslandschaft entdecken Kanuten vom Knonaueramt bis zum Mutschellen. Gestartet wird schon in Sins beim Dorfkern oder ein paar Kilometer später in Mühlau, wie von Outdoor-Anbietern (Trango) empfohlen. Ab Sins erhält man einen guten Einblick ins einmalige Moorgebiet bei der Reusseck. Einzigartig macht die Strecke der Wechsel von schneller Fliessgeschwindigkeit zu Beginn bis zum Beinahestillstand: Denn im langen gestauten Flachsee des Kraftwerks Zufikon muss vor der Ankunft in Bremgarten noch einiges an Körperkraft investiert werden. Besagter Flachsee gilt im Übrigen als eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete des Landes.

Zeitbedarf: Rund 4 bis 6 Stunden ohne Pausen. Einen längeren Halt macht man idealerweise kurz vor Rottenschwil zur Linken und Unterlunkhofen zur Rechten (auch bestens zum Baden geeignet).

Ein Rekord am Rhein?

Andere reizvolle Routen verbinden zum Beispiel Rheinau mit Eglisau, bei vielen schlicht als die «schönste Flussstrecke Europas» gilt der Rheinlauf zwischen Stein am Rhein und der Stadt Schaffhausen. Den Hauptgrund – neben dem Wechsel von Wald-, Reben- und Wiesengebieten, den auch andere Flüsse bieten – macht die Summe der alten Bauten und Siedlungszeugen aus, die man auf den rund 18 Kilometern passiert. Das 1000-jährige Stein markiert den Anfangs- und Schaffhausen mit Munotanlage und Turm den Endpunkt, dazwischen gibt es mehrere uralte Klöster, Wehranlagen und einzelne Häuser (oft im typischen Riegelbaustil) zu bestaunen. Eingewassert wird gleich nordwestlich des Altstädtchens von Stein, am Anfang der Hemishoferstrasse, an Land geht man eingangs Schaffhausen rechts, am Ende der Rheinhaldenstrasse, knapp 400 Meter vor der Brücke.

Es gilt, ausserhalb der Schiffsrinne in Ufernähe zu fahren. Bis Rheinklingen ist das Befahren bis Ende März udn ab Oktober verboten! Nach den Hemishofenbrücken sich wegen Wellengangs rechts halten.

Zeitbedarf: 4 bis 5 Stunden (ohne Pause). Rastmöglichkeit mit Badegelegenheit bei Diessenhofen/Gailingen. Etliche malerische Gaststätten am Wasser.

Auf der begradigten und der renaturierten Thur

Klassischerweise befährt man auf der Thur ab Andelfingen bis Eglisau genau den letzten Abschnitt vor der Einmündung in den Rhein. Wir empfehlen hier jedoch die vorgelagerte Strecke bereits ab Warth bei Frauenfeld bis nach Andelfingen. Hier werden zwei ganz unterschiedliche Landschaften befahren: Zuerst eine Passage auf dem fast südfranzösisch begradigten Kanal mit mittlerer Fliessgeschwindigkeit und einfachen Bedingungen (gerade für Anfänger!), danach eine mit etwas sportlichen bis leicht welligen Passagen, Mäandern und abwechslungsreichen Auenufern. Los gehts gleich nach der Weststrassenbrücke nach Warth (unweit der Kaserne) auf der Nordseite, in Kleinandelfingen erfolgt der Ausstieg am nördlichen Ufer in der Mitte zwischen der Autobahn- und Schaffhauserstrassenbrücke (zur Alten Steinerstrasse).

Zeitbedarf: Gegen 5 Stunden (ohne längere Pause). Rast beim Asperhof oder bei/nach Gütighausen.

Mit Muskelkraft auf dem Vierwaldstättersee

Wer es bis auf die Störung durch ein passierendes Kursschiff und ein paar Boote in Sachen Tempo gern ruhiger angehen lässt, dafür jedoch mehr Muskelkraft aufwenden will, der sticht mit Paddeln in den See. Bekannt ist zum Einen der Bielersee. Wir empfehlen hier aber eine (Neu-)Entdeckung im Herzens der Innerschweiz: das mittlere Hauptbecken des Vierwaldstättersees. Dabei passiert man vorbei lauschige Buchten und Wiesen gleich unter dem Bürgenstock und geniesst den einmaligen Ausblick auf die Rigi am gegenüberliegenden Hang. Schweiz Mobil rät gleich zur Rundfahrt Brunnen–Buochs–Gersau–Brunnen. Wir nur die Route, die sich an einem Tag verrichten lässt: Von Brunnen (Start gleich links neben dem Strandbad) aus den Seearm überqueren, vorbei an der Schifflände von Treib, weiter der Uferregion entlang (ausserhalb der gelben Kojen) über Beckenried bis Ende Buochs, wo schon nach der Aa-Mündung rechts neben dem Strandbad ausgewassert wird.

Zeitbedarf: 5 bis 6 Stunden (16 km).
Rastgelegenheit: Nach Treib oder etwas vor Beckenried.

Eine Pause
Eine Pause liegt in ruhigen Gewässern immer drin.

Professionelle TourenanbieterHinweise zu Strecken liefert www.kanuland.ch, ein Bereich der SchweizMobil-Präsenz im Web.
Hat man keine Erfahrung im Kanufahren, kein Material, oder vielleicht kein geeignetes Sportgeschäft für die Miete in der Nähe, empfiehlt sich zum Auftakt das Buchen einer Gruppenpauschale mit Freunden oder der Familie. Ein breites Angebot offeriert www.trango.ch, von dem zwei bis drei Ideen zu obigen Vorschlägen stammen.

Bilder: Raffael Waldner

Benutzer-Kommentare