10. November 2017

Im Bann des Fletschhorns

Spektakulärer alpiner Saisonabschluss im Wallis: Die Wanderung von Visperterminen über Gibidumpass und Sirwoltesattel an den Simplonpass.

Fletschhornmassiv: Senggchuppa
Dominiert die Hälfte der Wanderung: das Fletschhornmassiv mit der Senggchuppa als höchstem noch erkennbaren (Mittel-)Punkt.
Lesezeit 3 Minuten

Ende Oktober kehrte in der Südschweiz und in einem Grossteil des Wallis der Frühherbst zurück. In den Südtälern um Visp war es über 2000 m ü. M. bei Sonne wärmer als 10 Grad, erste Schneefelder grüssten erst ab 2400 oder 2500 Metern. Nach einer hübschen Bike-Panoramatour Richtung Turtmann konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, zu Fuss noch ein paar hundert Meter höher die einmalige Aussicht aufs Wallis zu geniessen, einfach minim weiter im Osten. Vor allem das mir mehrmals angepriesene Nanxtal wollte ich auf einem guten Stück der Alpenpässe-Weg-Strecke 6 kennenlernen.

Möglich, denn höher als auf 2600 Meter braucht man dafür nicht hinaufzusteigen, der Anfang ist dank stündlicher Postautokurse Visp–Visperterminen (meist 10 Minuten nach einer Stunde ab Bahnhofplatz) bequem erst auf knapp 1400 m ü. M. anzugehen. Vor allem aber kann man nach im Vergleich zu den Anstiegenüberschaubareren Abstiegen (total 1020 Höhenmeter) auf dem Simplon wiederum ins Postauto steigen, in meinem Vorschlag an der Haltestelle Engiloch.

So viel vorweg: Es ist eine meiner in Sachen Aussicht eindrücklichsten Routen, auch dank sanften Übergängen von Alpweiden zu alten Transportsaumwegen und hochalpinem Gelände herausragend, und das auf nicht einmal ganz 20 Kilometern!
Es gilt aber gleichzeitig festzuhalten: Mit dem Sirwoltesattel (2620 m ü. M.) kann die Tour in dieser Form üblicherweise nur bis Anfang/Mitte Herbst durchgeführt werden, jetzt ist die Saison vorbei – und der Tipp für nächste Saison ab Frühsommer beiseitezulegen. Zudem steht einem ein teils steiler, aber harmloser Anfang bis zur Sesselbahn-Bergstation Giw (mit lohnendem Kapellenweg) bevor und zum Abschluss ein streckenweise noch steilerer Abstieg vom Sirwoltesattel an den Simplon. Letzterer mit sicher 200 Höhenmetern fast gerade abfallenden Schlünden und zwei Minipassagen mit Seil oder Armierungseisen im Fels.

Bereits die Höhenroute 6 durchs Nanxtal stellt nicht ganz schwindelfreie Alpinwanderer wie mich auf die Probe: mit ein paar Metern Holzlattenweg über freiem Abgrund und fünf bis sechs Minicouloirs und entsprechendem Ausblick in weit über 100 Höhenmeter tiefe Abgründe. Liegen in den nur fünf oder zehn Meter langen Passagen wie auf meiner Tour schon wenige Zentimeter Schnee, ohne dass ersichtlich wäre, ob darunter eine dünne Eisschicht verborgen ist, braucht es Geduld. Meist heisst es dann, sich mit Schneewegschaben vorab Klarheit zu verschaffen. Fehltritte würde das Gelände kaum verzeihen.

Route Visperterminen-Simplon

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Ausser mit dem Vorverschieben der Tour ab 2018 kann die Wanderung mit mehreren Optionen erleichtert werden: Bis Mitte Oktober fährt die Sesselbahn von Visperterminen nach Giw, damit erspart man sich fast die Hälfte der gut 1400 Höhenmeter. Im Herbst, wenn ab ca. 2100/2200 Meter wenig Schnee liegt, empfiehlt sich die Abkürzung vom Gibidumpass hinab ins Nanxtal und wieder hinauf zum Bistinenpass. Es handelt sich um die viel bequemere, breiter ausgebaute Route als der Sirwoltesattel mit dem Ende auf der Simplon-Passhöhe. Man verzichtet dabei einfach auf die Geröll- und beginnende Gletscherlandschaft am Fuss des Fletschhornmassivs zuhinterst im Nanxtal, den lohnenden Rest erhält man gleichwohl vorgesetzt.

Geeignet für trittsichere Wanderer mit Alpinerfahrung
Höhepunkt: Abschnitt auf dem Alpenpässe-Weg (6), Abstieg vom Sirwoltesattel
Pause: Giw (Restaurant) oder Gibidumpass, am Fuss der Senggchuppa, vor oder kurz nach Sattel
Dauer: 7 Std. 30 Min. (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): 1420 m

Trümpfe der Wanderung Visperterminen-Simplon

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