17. November 2018

Ich kratze an den Wolken

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin arbeitet seit Kurzem im 18. Stock – so hoch hinaus ist sie auf dem Land nie gekommen.

Wolkenkratzer
Scheinen sich zu berühren: Wolken und Hochhäuser in New York. (Bild: Unsplash.com)
Lesezeit 2 Minuten

«Wolkenkratzer» ist eins meiner Lieblingswörter. Ich stelle mir vor, wie die hohen Gebäude ihre Finger ausstrecken und die Wolken dort kratzen, wo sie selber nicht hinkommen. Die Wolken seufzen wohlig. Auf dem Land gibt es keine Hochhäuser. Da gibt es höchstens Blöcke, in denen die ganzen Neuzuzüger wohnen oder die ärmeren Familien. Ich habe mal gehört, dass früher immer die Kirche das höchste Gebäude im Dorf war; am Kirchturm konnte man sich orientieren.


Orientierungsschwierigkeiten hatte ich, als ich in der Stadt meine neue Stelle antrat. Das war vor über einem Jahr. Wie komme ich aus dem Hauptbahnhof raus? Tram 13, 17 oder 5? Und welcher Eingang ist der richtige? Doch weil meine neue Arbeitgeberin die Migros ist, konnte ich mich schnell an meinem ganz persönlichen Kirchturm orientieren: Direkt am Limmatplatz in Zürich steht der stolze Hauptsitz mit 21 Stockwerken. Nach einigen Monaten in bescheideneren Höhen arbeite ich seit Neuestem im 18. Stock.


Hier oben, ich sags Ihnen, hat man eine andere Sicht auf die Welt, äh, auf Zürich – aber das macht für die Zürcher ja eh keinen Unterschied. Auf der einen Seite der Prime Tower auf Augenhöhe, auf der anderen wirken Altstadt und See wie im Swissminiatur. Jeden Tag stehen wir am Fenster und staunen. (Keine Angst, Chefs, wir stehen da nicht zu lange!)
Aber sogar in unseren Computerbildschirmen widerspiegelt sich das Panorama. Die Höhe meines Arbeitsplatzes nervt mich nur morgens und abends, wenn ich im Lift stehe: Alle paar Sekunden stoppt er, und jemand steigt zu oder aus. «Hallo – adieu – en Schöne!» Wir beten die leeren Worte Stockwerk für Stockwerk runter. Und das in einem Haus, das nach den Wolken greift.

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